Stöcke für die Wissenschaft

Lockstockkontrolle mit Materialeimer im Odenwald (Foto: Harald Hoppe)
Lockstockkontrolle mit Materialeimer im Odenwald (Foto: Harald Hoppe)

Der gezielte Einsatz von Lockstöcken ist eine einfache und sichere Methode, um Wildkatzen wissenschaftlich nachzuweisen ohne dabei die Tiere in ihrem natürlichen Verhalten zu stören. Dazu werden angeraute Holzpflöcke mit Baldrian besprüht und im Wald aufgestellt. In der Ranzzeit von Januar bis April lockt der Duft Katzen an, die auf der Suche nach einem Partner umherstreifen. Sie reiben sich am Stock und hinterlassen dabei Haare am rauen Holz. Alle 7-14 Tage werden die Stöcke von freiwilligen Helfern untersucht, die die oft feinen und hellen Haare sorgfältig absammeln und eintüten. Im Forschungsinstitut Senckenberg in Gelnhausen wird aus den Haaren die Erbsubstanz DNS herausgelöst und analysiert. Die Ergebnisse dieser Gentests erlauben die sichere Unterscheidung zwischen Haus- und Wildkatze. Im Idealfall kann ein genetischer Fingerabdruck erstellt und so das Individuum und die Verwandtschaftsverhältnisse ermittelt werden. Seit 2012 wird am Aufbau einer bundesweiten Gendatenbank gearbeitet, in der alle Ergebnisse gesammelt und ausgewertet werden. So kann z.B. das Wanderverhalten der Tiere und die Herkunft der Vorkommen nachvollzogen werden.

12. Oktober 2016

Mäuse für die Wildkatze: Jetzt Stimme abgeben für das BUND-Wildkatzenprojekt im Krofdorfer Forst!

Wildkatze würde sich über Mäuse freuen ;) (Foto: Marlis Zimmermann/BUND)

Im Rahmen der Aktion „Sparda vereint“ der Sparda Bank Hessen haben 30 Vereinsprojekte die Chance auf einen Gewinn von 2.000 €. Die Voraussetzung: sie haben bei der Online-Abstimmung genügend Stimmen gesammelt. Auch unser Wildkatzenprojekt im Krofdorfer Forst steht zur Auswahl. Für das Lockstock-Langzeitmonitoring sind wir jedes Jahr auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um die genetischen Analysen der Haarproben bezahlen zu können.

Stimmen Sie jetzt auf den Seiten der Aktion für die Wildkatze!

Forschung im Krofdorfer Forst

Katze am Lockstock im Krofdorfer Forst (Wildkamera-Foto-Ausschnitt: Kirch/NABU Krofdorf-Gleiberg)

Bereits seit dem Jahr 2013 untersucht der BUND Hessen in Zusammenarbeit mit dem Forstamt Wettenberg und dem NABU Krofdorf-Gleiberg das Vorkommen der Wildkatze im Krofdorfer Forst. 20 Lockstöcke helfen dabei, die scheue Tierart aufzuspüren. Die Untersuchung startete zunächst im Rahmen des BUND-Projekts „Wildkatzensprung“ und hatte zum Ziel, die Wildkatze erstmalig wissenschaftlich im Gebiet nachzuweisen. Denn bis dato war der Krofdorfer Forst ein weißer Fleck auf der Verbreitungskarte der Wildkatze. In der Vergangenheit gab es zwar Beobachtungen vermutlicher Wildkatzen, doch ist diese Form des Nachweises aufgrund der Verwechslungsgefahr mit einer wildfarbenen Hauskatze als unsicher einzustufen.

Insgesamt 30 verschiedene Wildkatzen konnten in drei Untersuchungsjahren bereits nachgewiesen werden. Diese tollen Zahlen veranlassten uns dazu, die Untersuchung über den „Wildkatzensprung“ hinaus zu verlängern, um mehr über „unsere“ Wildkatzen herauszufinden. Wie lange besetzen einzelne Tiere ihr Streifgebiet? Mit welchen anderen hessischen Wildkatzenpopulationen sind sie verwandt, d.h. von wo sind sie vermutlich eingewandert? Sind uns bekannte Individuen unter den immer mal wieder auffindbaren Verkehrsopfern im Landkreis Gießen und geben diese Funde Hinweise auf Ausbreitungsachsen? Diese und noch mehr Fragen könnten mithilfe der über die Jahre gesammelten Daten beantwortet werden.

Das Besondere an der Untersuchung im Krofdorfer Forst ist die geplante Dauer: bisher wurde keine Wildkatzenpopulation in Deutschland so lange unter die Lupe genommen – dies wird uns vermutlich viele neue Einblicke in ihre Dynamik gewähren.

Finanziell unterstützt werden wir freundlicherweise durch die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Naturschutzzentrums Hessen e.V. sowie durch die BUND Hessen Naturschutzstiftung. Doch die genetische Untersuchung der Haare ist sehr teuer und nicht alle Kosten sind abgedeckt – deshalb steht und fällt die Dauer der Untersuchung mit den zur Verfügung stehenden Mitteln. Wenn Sie einen Beitrag leisten möchten, so können Sie hier spenden, bitte „Wildkatzenprojekt Krofdorf“ angeben. Vielen Dank!

Lockstockkontrollen im BUND-Projekt Wildkatzensprung 2012-2015

Karte Lockstockkontrollen 2012 im Projekt Wildkatzensprung. – Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.
Lockstockkontrollen 2012 im Projekt Wildkatzensprung. – Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Screening in Hessen 2012-2015

Karte der Lockstockflächen in Hessen

Seit dem Winter 2012 wurden in Hessen im Rahmen des BfN-Projekts „Wildkatzensprung” systematisch Lockstöcke ausgebracht. Auch bekannte Vorkommensgebiete wie das Rothaargebirge und das Hessische Bergland wurden untersucht, um mehr über die Zahl der dort lebenden Tiere und ihre Verwandtschaft zu anderen Vorkommen zu erfahren. Nach der erfolgreichen ersten Saison im Winter 2012 wurden schließlich im Winter 2013 hessenweit 222 Stöcke auf sieben Flächen in den Waldboden geschlagen. Über 100 freiwillige Helfer aus Forstämtern, Behörden, Verbänden und den anliegenden Ortschaften arbeiteten bei den Kontrollen zusammen. Viele Stöcke standen in Gebieten, aus denen bisher nur einige Sichtungen, aber noch keine Nachweise bekannt sind wie dem Messeler Hügelland und dem Krofdorfer Forst. Mit Abschluss der Lockstocksaison 2014 waren die Untersuchungen in den meisten Gebieten abgeschlossen. Im Rahmen des "Wildkatzensprungs" wurde das Hessische Bergland noch ein weiteres Jahr beprobt, um wie die Flächen im Odenwald und Rothaargebirge auch eine dreijährige Untersuchung hinter sich zu haben.

Nach Ende des Projekts "Wildkatzensprung" wird der BUND Hessen im Krofdorfer Forst das Lockstockmonitoring gemeinsam mit engagierten Wildkatzenschützern des BUND Kreisverband Gießen, NABU Krofdorf-Gleiberg sowie dem Forstamt Wettenberg weiterführen, um die dortige Wildkatzenpopulation eingehend zu untersuchen. Finanziell unterstützt wird er dabei durch die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Naturschutzzentrums Hessen e.V. sowie durch die BUND Hessen Naturschutzstiftung.

Das sind die Schritte vor Ort beim Lockstockmonitoring

Lockstockaufbau im Tiefschnee (Bergstrasse 2013; Foto: BUND Mörlenbach)Lockstockaufbau unter Pressebeobachtung (Messeler Hügelland; Foto: Brigitte Martin)Anrauen mit Drahtbürste (Vogelsberg; Foto: Karl-Heinz Zobich)Besprühen mit Baldrian (Messeler Hügelland; Foto: BUND Hessen)Auf der Suche nach Wildkatzenhaaren (Odenwald; Foto: Dieter Ort)Untersuchung auf Haare (Odenwald; Foto: Torsten Hormel)Absammeln der Haare (Odenwald 2012; Foto: Harald Hoppe)Abflammen (Hessisches Bergland; Foto: Annika Hennemuth)

Ergebnisse aus dem „Wildkatzensprung“

Lesen Sie die Ergebnisse der Untersuchungsjahre 2012-2015...

Die größte „Lockstockaktion“ Deutschlands!

Zu Beginn des Jahres 2009 führte der BUND Hessen die bisher größte „Lockstockaktion“ Deutschlands durch. 408 Baldrian-Stöcke wurden auf einer Fläche von rund 1.400 km2 zwischen Taunus und Rothaargebirge aufgestellt und von rund 40 Helfern bis zu zwei Monate lang wöchentlich kontrolliert. Dabei arbeiteten Umweltverbände, der Naturpark Hochtaunus, Jäger, Forstverwaltung und interessierte Dritte in vorbildlicher Weise zusammen.

Dank der Lockstockbeprobungen konnte das Verbreitungsgebiet der Wildkatze für den Westen Hessens neu bestimmt werden.



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BUND Hessen
Kontonummer 369 853
Frankfurter Sparkasse
BLZ 500 502 01

IBAN:
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BIC: HELADEF1822

Verwendungszweck: „Wildkatze“

Ihre Ansprechpartnerin beim BUND Hessen

Susanne Schneider

Tel. 069 677376-16
Fax: 069 677376-20

susanne.schneider@bund-hessen.de 

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