Umfrage 2015 – Förderprogramme hessischer Energieversorgungsunternehmen mit Stromvertrieb aus ökologischer Perspektive

Titelblatt BUND Hessen Umfrage 2015 – Förderprogramme hessischer Energieversorgungsunternehmen mit Stromvertrieb aus ökologischer Perspektive
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Ergebnisse einer Erhebung des BUND Hessen im Frühjahr 2015

Der BUND Hessen hat im Frühjahr 2015 zum inzwischen sechsten Mal die Förderprogramme der hessischen Energieversorger mit Stromvertrieb im Hinblick auf ihre ökologische Wirkungsweise untersucht.

Hintergrund und Motivation

Mit der Erhebung möchte der BUND einerseits Verbraucherinnen und Verbrauchern Möglichkeiten der Investition zur Energieeinsparung im privaten Bereich aufzeigen und andererseits die Energieversorgungsunternehmen (EVU) zur Bereitstellung weiterer Fördermaßnahmen motivieren.

Im Hinblick auf die globale Klimaerwärmung stellen Energieeinsparmaßnahmen in privaten Wohnbereich eine wichtige Komponente einer umfassenden Energiewende dar. Wie die vergangenen Jahrzehnte gezeigt haben, bedeutet technische Fortentwicklung nicht zwingend eine automatische Senkung des Energie- und insbesondere des Stromverbrauchs in privaten Haushalten; vielmehr müssen, etwa auch aufgrund neu hinzugekommener energieverbrauchender Bereiche wie digitalen Kommunikationstechnologien, Energieeinsparmaßnahmen aktiv ergriffen und ausgeweitet werden. Dies setzt das Bewusstsein und die Sensibilisierung von Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen für die Energieproblematik voraus. Letztendlich muss eine nachhaltige Energiewende aus dem Ausbau Erneuerbarer Energien, der Vermeidung unnötigen Verbrauchs und dem Umbau der Energienetze bestehen.

Ökologisch durchdachte Förderprogramme der Energieversorger für ihre Kundinnen und Kunden stellen geradezu ein Musterbeispiel für die Verbindung von Umweltschutz und Verbraucherservice dar und beweisen, wie langfristige Kostensenkung und die „Energiewende im Kleinen“ Hand in Hand gehen können. So kann durch Maßnahmen wie etwa der Förderung von Photovoltaikanlagen die Nutzung Erneuerbarer Energien unterstützt werden, eine finanzielle Unterstützung beim Kauf besonders effizienter Haushaltsgeräte kann den Austausch veralteter „Stromfresser“ erleichtern. Messungen offenbaren Einsparpotenziale in der eigenen Wohnung bzw. dem eigenen Haus. Solche Maßnahmen gehen dabei nicht mit einem Komfortverlust einher, oft ist sogar das Gegenteil der Fall. Bietet ein EVU eine besonders breite Palette von Fördermaßnahmen an, so können viele Kundinnen und Kunden mit unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten von solchen Verbesserungen profitieren.

Solch breit aufgestellte und gut ausgestatte Förderprogramme sind bei den hessischen EVU jedoch leider immer noch eher selten anzutreffen. Oft werden keinerlei Fördermaßnahmen oder nur sehr wenige Angebote bereitgestellt. Umso wichtiger ist die Verbesserung und Ausweitung der Programme.

Vorgehensweise und Methodik

In Anlehnung an die Untersuchungen der vergangenen Jahre wurden nur solche Förderprogramme erfasst, die das EVU für seine privaten Kunden anbietet. Neben Förderprogrammen im engen Sinne haben zur Abrundung auch weitere Angebote der EVU Eingang in die Auswertung gefunden, wie Service- und Beratungsangebote.

Die EVU wurden ab Januar insgesamt bis zu zweimal angeschrieben und um Information gebeten, etwa in Form von entsprechenden Unterlagen und Prospekten. Nicht-antwortende Unternehmen wurden darüber hinaus nochmals telefonisch an die Umfrage erinnert. Parallel und unabhängig hierzu wurde auf den Internetpräsenzen der Unternehmen recherchiert. Alle zusammengetragenen Informationen stützen sich daher auf die Eigenauskünfte der Energieversorger. Bei Unternehmen, die sich nicht aktiv an der Erhebung beteiligt haben (keine Rückmeldung), basieren die Angaben lediglich auf der Auswertung des Internetauftritts. Insgesamt haben sich 30 der 52 EVU aktiv beteiligt, damit liegt die Rückmeldequote bei 58 Prozent.

Es wurden nur solche Programme erfasst, die einen gewissen Umfang aufweisen bzw. einen Mindestnutzen für die Kundinnen und Kunden bieten. So bleiben hier etwa Angebote wie die kostenlose Ausleihe von Elektrofahrrädern unerwähnt.

In der Gesamtübersicht (siehe Tabelle im Bericht zum Download) wurden die vorhandenen Instrumente vermerkt, geordnet nach den Kategorien Effizienzmaßnahmen, Erneuerbare Energien, Messungen sowie Umstellung auf Erdgas und Steigerung des Stromabsatzes. Angebote zur Effizienzsteigerung und zu Erneuerbaren Energien haben besonders positives Gewicht, ebenfalls Messungsangebote, in leicht abgeschwächter Form. In das Gesamturteil fließt der Bereich zu Umstellung auf Erdgas nicht ein, um eine partielle Beurteilung von Gasversorgern zu vermeiden. Ebenso kann wie in der Rubrik Steigerung des Stromabsatzes hier die Absatzsteigerung Hauptantrieb für die Förderung sein. Eine Bewertung der Einzelkategorien ist direkt hinter dem jeweiligen Maßnahmenkatalog gelistet. Schadet ein Förderprogramm ökologisch, so würde eine Abwertung (negativ bzw. sehr negativ) vorgenommen. Da keine ökologisch schädlichen Förderprogramme (= schlecht) angeboten werden, reicht die Bewertungsskala von „sehr gut“ bis „nicht genügend“.

Der BUND Hessen führt alle gesammelten Daten, insbesondere die der Tabellenauswertung, nach bestem Wissen und Gewissen, kann aber keine Gewähr für deren Fehlerfreiheit übernehmen. Als gemeinnütziger Verein, der sich vor allem aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert, sind seine Kapazitäten begrenzt. Für Hinweise auf mögliche Irrtümer oder Ungenauigkeiten sind wir dankbar und nehmen diese ggf. selbstverständlich gerne auf. Entscheidungen zur Erfassung bzw. Nichterfassung bestimmter Förderinstrumente bzw. Dienstleistungen und die Bewertungen erfolgen nach Einschätzungen und Abwägungen des BUND.

Auswertung: Ergebnisse und Trends

Der Blick auf die angebotenen Fördermaßnahmen zeigt, dass weiterhin einige wenige EVU besonders umfangreiche Programme anbieten.

Die Energieversorgungsunternehmen

  • ENTEGA Energie GmbH, Darmstadt,
  • ESWE Versorgungs AG , Wiesbaden
  • Mainova AG, Frankfurt am Main und
  • Stadtwerke Marburg, GmbH

bieten sowohl umfassende als auch im Einzelnen gut ausgestattete und qualitativ überzeugende Förderprogramme an und heben sich damit von der Masse ab. Der überwiegende Teil der hessischen Energieversorger bietet immer noch keine oder nur sehr geringe Förderungen an.

Diese vier mit Bestnote ausgezeichneten Unternehmen unterscheiden sich wiederum stark in ihrem Angebot und unterstreichen damit die Vielfalt der Möglichkeiten im Bereich der Förderprogramme. Die mit nicht genügend oder ausreichend bewerteten EVU verfügen zwar vereinzelt über Angebote, zum einen bieten diese Unternehmen jeweils aber eine viel geringere Zahl von Instrumenten an. Zum anderen zeigt ein zweiter Blick in deren inhaltlichen Ausgestaltung oft, dass es sich dabei um reine Dienstleistungen ohne spezielle Förderung handelt.

Die vorliegende Auswertung der Erhebung erfasst in erster Linie, ob ein bestimmtes Förderinstrument vorliegt bzw. ein bestimmtes Angebot besteht (siehe Tabellenauswertung). Zu betonen sind die sich nach Durchsicht des Materials abzeichnenden teils massiven Unterschiede in der qualitativ-inhaltlichen Ausgestaltung eines einzelnen Förderinstruments. Hier sind starke Schwankungen zwischen den EVU zu erkennen. Nicht nur die Höhe der gewährten Förderung fällt bei den verschiedenen EVU unterschiedlich aus, sondern auch die Form und die vertraglichen Bedingungen für die Inanspruchnahme eines Programms. So wird beispielsweise bei einigen Unternehmen die Fördersumme direkt ausgezahlt, bei anderen als Gutschrift auf die Verbrauchsabrechnung gewährt. Einige EVU machen für die Gewährung der Förderung zur Bedingung, dass die Maßnahme durch ein Kooperationsunternehmen durchgeführt wird; andere EVU lassen ihren Kundinnen und Kunden eine größere Wahlfreiheit. Wer sich eine Erdgas-KFZ-Förderung sichern möchte, muss für eine vertraglich festgelegte Zeit Erdgas-Werbeaufkleber an sein Auto anbringen. Bieten einige EVU nur Angebote wie die Durchführung von Thermografie-Aufnahmen an, so sind bei manchen EVU auch diese Serviceangebote besonders gefördert und werden für die Kundschaft zu einem günstigen bzw. rabattierten Preis durchgeführt.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung können den hessischen Verbraucherinnen und Verbrauchern eine erste Orientierung bieten. Sie sollten sich bei Interesse bei ihrem Energieversorger über mögliche Förderungen und deren Bedingungen informieren. EVU ohne Angebote können so auch auf den bestehenden Bedarf aufmerksam gemacht werden.

Bedeutung von Förderprogrammen

Gerade die ihnen innewohnende Verbindung von Verbraucherservice und Umweltschutz lassen ökologisch durchdachte Förderprogramme der Energieversorger so sinnvoll erscheinen. Daher sollten die hessischen Energieversorger solche Angebote auflegen oder ihr bestehendes Angebot ausweiten. Die potenziell möglichen Instrumente im Bereich Erneuerbare Energien, Effizienzsteigerung und Messung bieten zahlreiche Ansatzmöglichkeiten. Einige hessische Unternehmen machen vor, dass umfassende und auch qualitativ-inhaltlich überzeugende Förderprogramme möglich sind.

Wichtig für die Durchführung der einzelnen Maßnahmen ist eine auf den konkreten Einzelfall ausgerichtete, umfassende Analyse und Beratung. So kann festgestellt werden, ob ein Instrument unter den vorhandenen Standortfaktoren sinnvoll eingesetzt werden kann. Eine solche Analyse und die fachmännische Durchführung der Einbaue und Umbaue ist im Hinblick auf ihre ökologische Wirksamkeit (wie auch den finanziellen Nutzen) entscheidend.

Neben solchen größeren Fördermaßnahmen, etwa für die Errichtung von Erdgas-Blockheizkraftwerken oder dem Aufbau von Solarkollektoranlagen zur Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung, stellen viele EVU kleine, weitere Angebote bereit, etwa das kostenlose Verleihen von Strommessgeräten und Energieeinsparberatungen. Die Bereitstellung eines solchen Services ist ebenfalls sinnvoll, da Kundinnen und Kunden so für ihr Stromverbrauchsverhalten sensibilisiert und Einsparmöglichkeiten aufzeigt werden, die Auslöser für die Investition in Effizienzmaßnahmen sein können, etwa den Kauf sparsamerer Haushaltsgeräte oder die Anschaffung von Stand-By-Sparboxen. Ähnlich verhält es sich bei Thermografie-Angeboten, die ggf. Maßnahmen zur Gebäudedämmung nach sich ziehen können.

Eine stetige Überprüfung und eventuelle Überarbeitung einzelner Angebote ist dabei unerlässlich. Die Notwendigkeit von Anpassungen kann an einem einfachen Beispiel eines sehr kleinen, niedrigschwelligen Angebotes illustriert werden: So bieten einige Versorger Test-Ausleihkoffer mit energiesparender Beleuchtung an. In Anbetracht eines ohnehin inzwischen seit Jahren bestehenden Glühlampenverbotes, müssen solche Angebote einen Schritt weitergehen und die inzwischen modernste, sparsamste Technologie enthalten. In diesem Fall etwa hocheffiziente und im Gegensatz zu Kompaktleuchtstofflampen quecksilberfreie LED-Beleuchtungsmittel.

Fazit

Mit ökologisch durchdachten Förderprogrammen der Energieversorger zur Effizienzsteigerung und Anwendung erneuerbarer Energien im privaten Bereich können Umweltschutz, Verbraucherservice und langfristig finanzielle Einsparungen für die Bürgerinnen und Bürger gemeinsam gelingen. Leider bieten die meisten hessischen EVU dennoch keine oder nur sehr gering ausgeprägte Programme an. Dabei machen die vier Unternehmen, die über sehr gute Förderprogramme verfügen, vor, dass umfangreiche und inhaltlich überzeugende Förderprogramme möglich sind.

Verbraucherinnen und Verbraucher können sich bei Interesse an ihren Energieversorger wenden und nach entsprechenden Angeboten fragen. Auch wenn umfangreiche Investitionen und Einbaue – aus finanziellen Gründen oder aufgrund örtlicher Gegebenheiten – nicht für jeden in Frage kommen, kann sich ein Blick auf die möglichen Unterstützungsleistungen lohnen. Auch kleinere Maßnahmen wie der Kauf eines besonders sparsamen Geschirrspülers oder die Anschaffung von Stand-By-Sparboxen leisten einen Beitrag zum Klimaschutz und machen sich für den Einzelnen langfristig bei den Energiekosten bemerkbar. Innerhalb der Spitzengruppe der diesjährigen Untersuchung bieten die Stadtwerke Marburg einen Programmkatalog, der in besonderer Weise breit aufgestellt ist und somit sicherstellt, dass Kunden mit unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten profitieren können. Neben einer technischen Erneuerung bleibt der bewusste Umgang mit Energie unabdingbar. Für diejenigen, die von Förderungen nicht profitieren können, da ihr Energieversorger keine entsprechenden Angebote bereitstellt, kann als Alternative der Gang zur Verbraucherzentrale lohnen – zahlreiche „Energieberatungsstützpunkte“ sind in ganz Hessen zu finden und können erste Anlaufstelle für Fragen zu Fördermöglichkeiten und sonstigen Maßnahmen sein.

Für die meisten hessischen Energieversorger muss das Fazit lauten, sich mit den Möglichkeiten von Förderprogrammen auseinanderzusetzen und in Zukunft möglichst mehr Maßnahmen anzubieten.

Kontakt

Weitere Informationen bekommen Sie über den Arbeitskreis Energie des BUND Hessen:
Kontaktinformationen zum Arbeitskreisenergie…