Umfrage 2013 – Förderprogramme hessischer Energieversorger mit Stromvertrieb unter der ökologischen Lupe

Titelblatt Umfrage 2013 – Förderprogramme hessischer Energieversorger mit Stromvertrieb unter der ökologischen Lupe
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Ergebnisse einer Befragung der Energieversorgungsunternehmen in Hessen für das Jahr 2013

Hiermit legt der Arbeitskreis Energie im BUND Hessen nach 2003, 2004, 2007 und 2010 die nunmehr fünfte Untersuchung der Förderprogramme hessischer Energieversorgungsunternehmen (EVU) für ihre Tarifkunden vor. Die prinzipielle Art der Untersuchung und der Ergebnisdarstellung wurde beibehalten. Geändert hat sich jedoch das Gewicht der Informationswege. Während früher gedrucktes Informationsmaterial im Vordergrund stand, haben diese Rolle inzwischen die Internetpräsentationen der EVU übernommen.

Der Hintergrund

Hessen hat sich viel vorgenommen. Sowohl im Abschlussbericht des Hessischen Energiegipfels (November 2011) als auch im sich darauf abstützenden Hessischen Energiezukunftsgesetz (November 2012) wird als Ziel genannt, den Endenergieverbrauch in Hessen bis 2050 zu 100% aus erneuerbaren Energien zu decken, und betont, dass neben dem Ausbau erneuerbarer Energien die Steigerung von Energieeffizienz und Energieeinsparung erforderlich seien.

Dieser Aufgabe müssen sich nicht nur Verbraucher und Politiker sondern insbesondere auch die EVU verpflichtet fühlen. Als Stromversorger vertreiben sie das Massenprodukt elektrische Energie, deren Bereitstellung mit der Erzeugung von Atommüll, Klimagasen, Stäuben, Abwärmelasten an Flüsse und großen Landschaftseingriffen einhergeht. Statt abzunehmen, hat 2012 in Deutschland die CO2-Emission durch Kohleverbrennung wieder zugenommen. Hauptanteil hat die besonders klimaschädliche Braunkohleverstromung. Allen wohlklingenden Absichtserklärungen zum Trotz scheint die Realisierung der Energiewende in weite Ferne zu rücken. Umso wichtiger ist es, Verbraucher und Versorger von Energie an das Gebot der Nachhaltigkeit zu erinnern.

Einige der 49 hessischen EVU mit Stromvertrieb stellen sich – meistens schon seit mehreren Jahren – ihrer Verantwortung, indem sie effiziente Nutzung und erneuerbare Energieerzeugung fördern. So konnten sieben Programme  mit befriedigend oder besser  bewertet werden. Die Fördermaßnahmen wurden wiederum nach den fünf Kategorien Effizienzmaßnahmen, Erneuerbare Energien, Messungen und Analysen, Umstellungen auf Erdgas und Steigerung des Stromabsatzes geordnet.

Die Untersuchung ist wie ihre Vorläufer im Internet unter www.bund-hessen.de präsentiert. Hier werden ggf. auch wichtige Aktualisierungsmeldungen oder Korrekturen berücksichtigt. Weiterhin bleibt gültig, dass nur Förderungen für Tarifkunden betrachtet werden während  Förderungen für gewerbliche Kunden, öffentliche Einrichtungen, Kommunen und sonstige Organisationen nicht berücksichtigt werden.

Auswertung und Ergebnisse

Die Tabelle mit Erläuterungen gibt eine Gesamtübersicht. Die 49 genannten EVU wurden bis zu zwei Mal angeschrieben und um Informationsmaterial gebeten. Außerdem wurden die Präsentationen der EVU im Internet zu Rate gezogen. Der BUND-Arbeitskreis Energie Hessen führt die in der Tabelle dargestellten Daten nach  bestem Wissen, kann aber keine  Gewähr für Fehlerfreiheit übernehmen. Für die Meldung von Irrtümern wären wir dankbar und würden diese bei Aktualisierungen der Internetdarstellung gerne berücksichtigen.

Wie die Tabelle zeigt, bieten 14 (29%) der EVU ein Förderprogramm an. Effizienzmaßnahmen werden in 13 (26%) Fällen gefördert, Erneuerbare Energien in 6 (12%). Messungen und Analysen werden von 13 (26%) EVU gefördert. Die entsprechenden vier Zahlenwerte betrugen bei der Befragung im Jahr 2010  15 (31%), 8 (17%), 5 (10%) bzw. 10 (21%). Die Anzahl der Förderprogramme mit Effizienzmaßnahmen hat erfreulicherweise von 8 auf 13 zugenommen.

Maßnahmen, die auch der Absatzsteigerung dienen, sind wie gewohnt in fast allen Förderprogrammen enthalten. So werden Umstellungen auf Erdgas von 13 (26%) der EVU gefördert. Steigerung des Stromabsatzes ist 14 (28%) der EVU ein Förderanliegen, wobei neben „Wärmepumpen“ („mit regenerativer Komponente“) erstmals die Förderung von Elektrofahrzeugen nahezu gleich  gezogen ist. Positiv zu bewerten ist, dass keinerlei direkte Stromheizungen mehr gefördert werden, auch nicht versteckt in Raumklimageräten.

Bewertungen, Gesamturteile

In den fünf Maßnahmenrubriken der Tabelle, nämlich Effizienzmaßnahmen, Erneuerbare Energien, Messungen..., Umstellungen auf Erdgas, Steigerung Stromabsatz werden die Bewertungen ++, +, o, -, -- vergeben.

Die Notenskala des Gesamturteils in der  vorletzten Spalte läuft von sehr gut (1), gut (2), befriedigend (3), ausreichend (4), nicht genügend (5) bis schlecht (6). Die Note „schlecht“ drückt aus, dass das Förderprogramm ökologisch mehr schadet als nützt. Sie musste erfreulicherweise dieses Mal nicht mehr vergeben werden. Das Gesamturteil „nicht genügend“ wurde vergeben, wenn entweder überhaupt kein Förderprogramm vorliegt, oder wenn das Förderprogramm nur ganz gering ausgestattet ist.

Förderungen, die der Steigerung der Nutzungseffizienz oder dem Ausbau erneuerbarer Energien dienen, haben großes positives Gewicht. Sie sind geeignet, den Energieverbrauch zu senken, und sind ein Hinweis, dass sich das betreffende EVU (zumindest teilweise) auch als verantwortungsbewusster Energiedienstleister versteht.

In leicht abgeschwächtem Maße trifft dies auch auf die Rubrik Messungen... zu. Das Erkennen von Schwachstellen der Dämmung, von Stromfressern und die
Erstellung von Analysen mit Effizienzempfehlungen sind Voraussetzungen für sinnvolles Verbraucherhandeln.

Die Bewertungen in der Rubrik Umstellungen auf Erdgas sind in Klammern gesetzt und werden für das Gesamturteil nicht berücksichtigt. Zum einen soll eine partielle Beurteilung von Gasversorgern vermieden werden, zum anderen kann hier auch Absatzsteigerung die Haupttriebfeder der Förderung darstellen.

Die Rubrik Steigerung Stromabsatz ist zweigeteilt in Maßnahmen mit (5 Spalten links) und ohne (4 Spalten rechts) regenerative Komponente, also einerseits elektrische Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge und andererseits elektrische Widerstandsheizungen. Letztere sind erfreulicherweise erstmals in keinem Förderprogramm mehr enthalten, weshalb auch die Gesamtbeurteilung „schlecht“ nicht mehr vergeben werden musste. Elektrische Wärmepumpen bewirken primärenergetisch – im Vergleich zu einer Gas-Brennwertheizung – in den allermeisten Fällen keinen Einspareffekt. Sie werden daher mit „o“ bewertet. Bei Elektrofahrzeugen ist eine ökologische Beurteilung beim gegenwärtigen Strommix schwierig. Ihre Förderung wird daher ebenfalls mit „o“ bewertet.

Insgesamt ergibt sich für die Förderprogramme 2013 folgende Reihenfolge:
Gesamturteil Anzahl EVU (Gesamturteile 2010 in Klammern)
1 sehr gut 4 SW Marburg (1), SW Hanau (1), ENTEGA Darmstadt (-), Mainova Frankfurt (2)
2 gut 2 ESWE Wiesbaden (2), OVAG Friedberg (3)
3 befriedigend 1 SW Gießen (-)
4 ausreichend 7 EON Mitte Kassel (5), EWF Korbach (5), EVO Offenbach (-), eprimo Neu-Isenburg (-), GGEW Bensheim (-), KWMK Gelnhausen (4), SW Kassel (6)
5 nicht genügend 35 Nennungen siehe Tabelle (40)
6 schlecht 0 - (2010:2)

Fazit

Wenn auch der Anteil der EVU mit Förderprogrammangeboten wieder enttäuschend gering ist, so hat sich die Situation gegenüber 2010 doch etwas verbessert. Die Zahl der Programme, die mit befriedigend oder besser bewertet wurden hat von fünf auf sieben zugenommen. Gute oder sehr gute Beurteilungen wurden von sechs gegenüber bisher vier EVU erzielt. Auch die Note ausreichend ist von einem Fall auf sieben gestiegen. Das beste Förderprogramm bieten wiederum die Stadtwerke Marburg an. Es überzeugt durch eine große Vielfalt der Maßnahmen und kann daher von praktisch jedem Tarifkunden genutzt werden. Es ist in dieser Hinsicht vorbildlich.

Der Arbeitskreis Energie im BUND Hessen hofft, mit den Förderumfragen neben der Aufklärung interessierter EnergieverbraucherInnen die hessischen EVU anzuspornen, vermehrt Förderprogramme aufzulegen und zu verbessern, damit Klimaschutz, Atommüllvermeidung und Ressourcenschonung voran kommen.

Kontakt

Weitere Informationen bekommen Sie über den Arbeitskreis Energie des BUND Hessen:
Kontaktinformationen zum Arbeitskreisenergie…



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