Grundlagenkenntnisse vermitteln und Umsetzungen in die Praxis kennen lernen waren die Ziele des von den BUND-Energiearbeitskreisen aus Hessen und Rheinland-Pfalz am 12. März 2005 gemeinsam veranstalteten Workshops. Biomasse kann auf sehr vielfältige Weise bereitgestellt und energetisch genutzt werden. Welche Verfahren unter den Randbedingungen der Umweltverträglichkeit, Effizienz, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zu bevorzugen sind, ist alles andere als einfach zu beantworten. Dies bestätigte sich auch in den Referaten und den lebhaften Diskussionsbeiträgen.
Dem Thema "Biomasseformen und technische Anwendungen" widmet sich das Eröffnungsreferat von Prof. Peter Heck. Viele Schritte führen von Ernte, Sammlung, Gewinnung, Lagerung und Transport über Aufbereitung und Umwandlung bis hin zu den Nutzenergien Strom, Wärme/Kälte und Treibstoffen. Als Biomasseformen können organischer Abfall, Holz- und Grünschnitt, Speisereste, Altfette/Öle und Klärschlamm sowie landwirtschaftliche Reststoffe und nachwachsende Rohstoffe (Nawaros) beitragen. Die eingesetzten technischen Verfahren reichen von der einfachen Verbrennung über die Vergasung bis hin zu aufwändigen chemischen Prozessen der Kraftstoffherstellung. Die anschauliche Präsentation mehrerer realisierter und geplanter Projekte beweist die praktische Machbarkeit der erörterten Nutzungsketten.
Der zweite Übersichtsvortrag von Uwe R. Fritsche hat "Nachhaltige Bioenergienutzung: Ergebnisse einer Studie für Deutschland sowie Ausblick auf regionale Umsetzung und globale Perspektiven" als Titel. Die Studie gibt für Deutschland Antworten auf die vier Fragen zur Biomasse: Welche Technologien, welche Potenziale, mögliche Energieszenarien, politische Umsetzungen? Dabei sind die Stoffströme aus Land- und Forstwirtschaft, aus Lebensmittel- und Holz-/Papierindustrie und Müllentsorgung bis hin zur energetischen Nutzung bilanziert. Ein Detail: Bei der ökologischen Bewertung des Nawaro-Anbaus liegen Weizen und Triticale am besten, Raps und Sonnenblumen im Mittelfeld, während Mais und Zuckerrübe das höchste Risiko für Natur und Landschaft darstellen. Mit einer Liste von Handlungsempfehlungen wird ein Fazit gezogen.
Dr. Horst Meixner diskutiert im dritten Übersichtsvortrag "Stand und Perspektiven der energetischen Nutzung von Biomasse in Hessen". In Hessen tragen erneuerbare Energien (REG) rund 4% zum Strombedarf bei, wobei auf Biomasse (Bio-, Klär-, Deponiegas, (Alt)Holzverstromung) ca. 1,5% entfallen. Das Potenzial könnte für 2015/2020 für alle REG bei 11 - 15 %, mit einem Biomasseanteil von 5 - 9 %, liegen. Im Wärmesektor dominiert die Holznutzung bei Weitem. Insgesamt lassen sich für das Biomassepotenzial in Hessen (relativ zum Bedarf) grob folgende Zahlen abschätzen: Wärme ca. 10%, Strom ca. 5 - 6 %, Kraftstoffe ca. 5 - 6 %. Ein Blick auf das hessische Leitprojekt "Bioregio Holz Knüll" und die Möglichkeiten der Kraft-Wärme-Kopplung runden den Überblick für Hessen ab.
Das Referat "Stand und Perspektiven der Biomassenutzung in Rheinland-Pfalz" von Prof. Peter Heck beschließt die Übersichtsvorträge. Auf die großen Unterschiede zwischen theoretischem, technischem und voraussichtlich verfügbarem Potenzial wird am Beispiel von Biogas hingewiesen. Auf das technische Potenzial bezogen könnten in RLP ca. 50% des Strombedarfs aus Biogasanlagen gedeckt werden. Gemessen am Primärenergiebedarf beträgt das gesamte technische Biomassepotenzial ca. 13% und das verfügbare ca. 4%; Werte, die bei optimierter Nutzung noch gesteigert werden könnten. Derzeit sind nur ca. 1 - 2 % des technisch möglichen Potenzials umgesetzt. Das Referat schließt mit einer Liste von Handlungsempfehlungen.
Die Reihe der Referate über Beispielprojekte wird von Thomas Gröger über "Pflanzenöl, ein alternativer Kraftstoff" eröffnet. Nach Vorstellung der Aktivitäten der "Vereinigung nachwachsende Rohstoffe Haubern e. V." wird der Herstellungsprozess von Pflanzenöl und seine ökologischen Vorteile im Vergleich zu Diesel- und Biodieselkraftstoff dargestellt. Angaben zu Steuerbefreiung, Wirtschaftlichkeit, Motorumrüstung, Umrüstkosten für diverse PKW-Modelle werden erörtert.
Das zweite Anwendungsbeispiel über die "Nahwärmeversorgung in Schöffengrund-Schwalbach mit Holzheizung" wird von Theo Pauly präsentiert. Nach fünfjähriger Vorbereitungsphase ging die Anlage im März 2004 in Betrieb. Ein 300 kW-Hackschnitzelkessel, unterstützt von einem 500 kW-Öl-Spitzenkessel, versorgt Bürgerhaus, Kindergarten, Sporthalle, Schule und 43 Einfamilienhäuser über ein 1,5 km langes Nahwärmenetz. Der Hackschnitzelkessel liefert mindestens 70% des Jahreswärmebedarfs. Es werden Industrie-, Sägewerksrest- und Landschaftspflegeholz verfeuert. Das nutzbare Waldholzpotenzial des südlichen Lahn-Dill-Kreises könnte 28 Anlagen dieser Art versorgen.
Im dritten Anwendungsbeispiel behandelt Andreas Krug das Thema "Pellets, verschiedene Möglichkeiten der Nutzung". Am Beispiel der Fa. "Westerwälder Holzpellets" werden die technischen Komponenten Trockenanlage, Hammermühle, Pelletspresse, Silolager, sowie Transport und Anlieferung erläutert. Danach werden die diversen Lagermöglichkeiten beim Verbraucher, verschiede Kesseltypen und mehrere Beispiele von Heizungsanlagen vorgestellt.
Im letzten Anwendungsvortrag erläutert Egon Weber am Beispiel der Anlage des Deponiezweckverbands Kaiserslautern die "Methanisierung von Bioabfällen". Die Anlage mit einem Investitionsvolumen von 19 Mio. DM ging 1998/99 in Betrieb. Ende 2000 fand die Umstellung auf biogenen Restabfall statt. Die Gasausbeute beträgt bis zu 220 m3 pro Tonne Input. Der Betrieb der Anlage ist nicht trivial, und es gab eine Reihe von Schwierigkeiten zu überwinden. Als Energieüberschuss wird der Wert 20% genannt.
Schließlich stellte zum Abschluss Hans Ackermann das BUND-Positionspapier "Energetische Nutzung von Biomasse" vor. Dieses Papier gibt einige grundsätzliche Leitplanken zur Biomassenutzung bezüglich Gesamtenergiebilanz, Emissionsbilanz und Abgrenzung zur ökologischen Land- und Waldnutzung an. Ferner soll die Energiewertigkeit effizient genutzt werden, woraus die Nutzungsrangfolge Kraft-Wärme-Kopplung vor Grundstoffherstellung vor Wärmeerzeugung folgt. Insbesondere soll der Abfall- und Reststoffnutzung Vorrang vor Nawaros eingeräumt werden.
Wir hoffen, der kurze Abriss hat Euer/Ihr Interesse an der Thematik geweckt. Sie hätte es verdient. Der Biomassenutzung kommt in allen Energiewendeszenarien eine prominente Rolle zu. Dies muss und kann - das hat uns auch der Workshop gelehrt - richtig geschehen, um Konflikte mit Natur- und Landschaftsschutz sowie dem wachsenden Flächenbedarf der ökologischen Landwirtschaft zu vermeiden. Schauen Sie doch in die Dokumentations-CD hinein, wo alles ausführlich dargestellt ist.
Hans Ackermann