BUND Landesverband
Hessen e.V.

Gefährdete Wildkatze und Wildkätzchen

Nachdem erst die Jagd im 19. Jahrhundert ihre Anzahl dezimierte, macht ihr nun die intensive Nutzung der Landschaft das Leben schwer. Doch im Lebensraum der Wildkatze lauern noch weitere Gefahren. Erfahren Sie auf dieser Seite, wie der BUND Hessen diesen Gefahren begegnet, um die heimische Samtpfote zu schützen.

Eine kleine Zeitreise: Von der Verfolgung zum Erfolg?

Früher: Verfolgt und bejagt

Wachsame Waldbewohnerin: Die Europäische Wildkatze. (Foto: Thomas Stephan / BUND)

„Ein Raubtier, das sich sogar am Reh vergreift!“ – Mit falschen Aussagen wie dieser wurde im 19. Jahrhundert in Deutschland die Jagd auf die Wildkatze ausgerufen. Innerhalb weniger Jahrzehnte war sie als vermeintliche Konkurrentin des Menschen beinahe ausgerottet.
Nur in abgelegenen Rückzugsgebieten konnten noch einige wenige der scheuen Tiere überleben. In den 1930er Jahren wurde die Jagd auf die Wildkatze verboten.

Problematisch bleiben der Abschuss von verwilderten Hauskatzen aufgrund der Verwechslungsgefahr sowie der Einsatz von Fallen. Die Verluste durch die Jagd sind heute aber vergleichsweise gering.

Heute: Verdrängt und überfahren

Industrie, Wohngebiete, Äcker … Die Nutzungsansprüche an unser Land sind immens. Nur ein kleiner Teil des einstigen „Waldlandes” Deutschland ist heute noch mit Wald bedeckt, das meiste davon wird forstwirtschaftlich genutzt.

Der Wildkatze bleiben nur wenige geeignete Rückzugsräume, die verstreut und isoliert wie Inseln im Meer liegen. Die dort lebenden Vorkommen sind klein und dadurch anfällig für Inzucht und Krankheiten.

Eine Ausbreitung in neue Reviere ist für die wanderfreudige Wildkatze aber nur schwer möglich. Die ausgeräumten Landschaften bieten ihr keinerlei Deckung. Straßen stellen eine Todesfalle dar, wie die vielen Totfunde jedes Jahr belegen.

Ausgeräumte Agrarlandschaften bieten keine Deckung (Foto: Thomas Stephan)

Autobahnkreuz: Hindernis und Todesfalle zugleich! (Foto: Thomas Stephan)

Retten Sie mit uns die Wildkatze

Dichte Wälder, dazwischen lichte Bereiche – hier fühlt sich die Wildkatze wohl. Doch heute kreuzen Straßen, Siedlungen und intensiv bewirtschaftete Felder ihren Lebensraum. Mit Ihrer finanziellen Unterstützung kann der BUND der Europäischen Wildkatze wieder auf die Sprünge helfen. Wir errichten z.B. grüne Korridore aus Bäumen und Sträuchern und verbinden damit Waldgebiete miteinander. Unser großes und langfristiges Ziel ist ein Netzwerk aus Wäldern über ganz Deutschland.

Morgen: Grüne Korridore statt Roter Liste?

Ohne eine Vernetzung ihrer Lebensräume und die Möglichkeit zur Ausbreitung hat die Wildkatze auf Dauer keine Chance!

Bereits jetzt gehört sie zu den seltensten einheimischen Säugetierarten und steht in der Roten Liste Deutschlands als „gefährdet“. Von wichtigen internationalen Abkommen wie der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) wird sie streng geschützt.

Doch die Unter-Schutz-Stellung hilft nur, wenn daraus auch aktives Handeln erwächst! Durch grüne Korridore zwischen Waldgebieten kann die Wildkatze wieder unbeschadet auf Wanderschaft gehen. So können neue Gebiete besiedelt und der notwendige genetische Austausch zwischen den isolierten Populationen gefördert werden.  

Grüner Korridor mit Neupflanzung (Foto: Rolf Wegst)

Wildkätzchen im Wald lassen!

Im Frühjahr, wenn die Wildkatzen ihren Nachwuchs zur Welt bringen, kommt es immer wieder vor, dass die Jungen von Wanderern mitgenommen werden. Die Tierfreunde halten sie für ausgesetzte Hauskätzchen. Zuhause oder beim Tierarzt ist die Überraschung dann groß: Die Kätzchen lassen sich nicht zähmen. Sie müssen aufwendig mit der Hand aufgezogen und wieder ausgewildert werden.

Wer also beim Waldspaziergang maunzende Katzenkinder sieht oder hört, hat vielleicht eine Wildkatzenfamilie entdeckt. Jetzt heißt es: Bitte nicht stören!

Sollte ein junges Kätzchen jedoch verletzt oder alleine aufgefunden werden, informieren Sie bitte den BUND.

Holzpolter und Knotengitter:

Todesfallen für Wildkätzchen im Wald

Wildkatzen nutzen Holzpolter gern als Versteck. (Foto: Susanne Steib)

Oft beziehen Wildkatzen auch Holzpolter, um dort zu werfen und ihre Jungen aufzuziehen. Holzpolter, das sind die Stapel der gefällten Stämme, die auf den Abtransport warten. Von diesen Sammelplätzen geht jedoch echte Lebensgefahr für die Tiere aus. Immer wieder werden die Wildkätzchen beim Abtransport der Stämme zerquetscht oder mitverladen.

Eine weitere Gefahr für Wildkatzen im Wald sind die Metallknotenzäune, da sich Wildkatzen leicht in den Drahtverknotungen verhaken und dann qualvoll zugrunde gehen können.

Der BUND fordert:

  • Holzpolter sollten während der Haupt-Wurf- und Aufzuchtzeit der Wildkatze – von März bis August – nicht weggeräumt werden.
  • Die Lagerung von Holzpoltern an einem zentralen Lagerplatz bzw. der sofortige Abtransport ist der jetzigen Praxis vorzuziehen.
  • Metallknotenzäune sollten durch ungefährliche Hordengatter ersetzt werden.

Ihr Kontakt:

Susanne Steib

Managerin Naturschutzprojekte
Geleitsstraße 14 60599 Frankfurt am Main E-Mail schreiben Tel.: 069 677 376 -16

Schützen Sie die Wildkatze in Hessen!

Mit Ihrer Spenden helfen Sie uns, mit grünen Korridoren ein Rettungsnetz für die Wildkatze in Hessen zu schaffen!

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