BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

Tag des Lichts: Mehr Dunkelheit wagen: Lichtimmissionen mit der richtigen Beleuchtungsform reduzieren

14. Mai 2021 | Lichtverschmutzung, Naturschutz

Was bedeutet es für die Natur, wenn Nächte nicht mehr wirklich dunkel sind? Künstliche Lichtquellen greifen in den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus der Natur ein.

Gemeinsame Pressemitteilung von BUND Hessen & Sternenpark Biosphärenreservat Rhön

Was bedeutet es für die Natur, wenn Nächte nicht mehr wirklich dunkel sind? Zum Tag des Lichts am 16. Mai fordert der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) gemeinsam mit dem Sternenpark Biosphärenreservat Rhön einen effizienteren und damit umweltfreundlicheren Einsatz von künstlicher Außenbeleuchtung. Vermieden werden soll Lichtverschmutzung, die durch unnötige Lichtimmissionen entsteht. Damit würde auch eine Ursache des Insektensterbens reduziert.

„Künstliche Lichtquellen greifen in den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus der Natur ein. In Industrieländern wird der Himmel mittlerweile an vielen Orten nicht mehr richtig dunkel. Das verändert einerseits den Schlafrhythmus von uns Menschen, andererseits sind Beleuchtungseingriffe ein Stressfaktor für nachtaktive Tiere“, mahnt Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen.

In der Natur ist die Nacht lebendig. Rund 30 Prozent aller Wirbeltiere und mehr als 60 Prozent aller wirbellosen Tiere sind nachtaktiv, darunter auch Insekten. Unter Einfluss des nächtlichen Lichts beginnen Amseln zum Beispiel einen Monat früher mit dem Brutgeschäft. Ob sie dann aber auch genug Futter für die Jungvögel haben, ist unklar. Zugvögel verlieren leicht die Orientierung in beleuchteten Nächten. Nachtfalter und andere Insekten können an Lampen verbrennen oder sind so entkräftet, dass sie entweder sterben, sich nicht mehr fortpflanzen können oder leichte Beute für Feinde sind. Auch für die Pflanzenwelt hat die Dauerbelichtung Folgen: Insekten, die nachts ununterbrochen Straßenlaternen umschwirren, fehlen bei der Bestäubung. Laubbäume können ihre Blätter später verlieren, wenn sie ständiger Beleuchtung ausgesetzt sind.

„Wir müssen der Nacht mehr natürliche Dunkelheit zurückgeben und einfach auch mehr Nacht wagen“, ergänzt Sabine Frank, Nachtschutzbeauftrage im Landkreis Fulda und Sternenpark Rhön. „Wo immer es möglich ist, sollte möglichst wenig vom natürlichen Zustand abgewichen werden und nächtliche Beleuchtung vermieden werden. Muss Licht zwingend eingesetzt werden, ist es wichtig, dass jede künstliche Lichtquelle so gering wie möglich auf die Umwelt einwirkt.“

Problematisch ist vor allem „kaltes“ Licht. Der Schein vieler Straßenlaternen, Leuchtreklamen, aber mittlerweile auch Solarlicht im Garten wirkt durch einen hohen Blauanteil negativ ein. Insekten fliegen Beleuchtungen mit kaltem Kunstlicht daher eher an als solche mit warmem Licht. Insektenfreundlichere Beleuchtung hat eine Farbtemperatur von maximal 2.700 Kelvin, was Warmweiß entspricht, besser noch die Lichtfarbe Bernstein mit 1.800 Kelvin. Darüber hinaus sind niedrig montierte und voll abgeschirmte Leuchten, deren Licht nur auf die Nutzfläche gelenkt wird, wichtig. Insektenfeindlich sind alle Lichtquellen, die ungerichtet und frei strahlen.

Hintergrund:

Alle Tierarten – ob tag- oder nachtaktiv - sind von Lichtverschmutzung betroffen. Insbesondere dämmerungs- und nachtaktive Fluginsekten werden von künstlichen Lichtquellen angelockt und flattern orientierungslos bis zur Erschöpfung um sie herum. Entweder sterben Insekten direkt unter den Lampen oder sie verlieren wertvolle Energie und Zeit für Nahrungssuche, Partnersuche und Fortpflanzung. Fressfeinde wie Fledermäuse haben dadurch ein leichtes Spiel, werden jedoch selbst von dem Kunstlicht irritiert.

Bei schwachem Mond- oder Sternenlicht können sich nachtaktive Insekten gut orientieren, da sie sehr lichtempfindlich sind. Speziell weißes Licht blendet die Tiere stark und erzeugt bei schlechter Installation eine unerwünschte Fernwirkung. Diese Leuchten sollten der Vergangenheit angehören oder optimiert bzw. umgerüstet werden im Sinne des Schutzes der Nacht.

 

Auf einen Blick: So wird Kunstlicht weniger schädlich für tag- und nachtaktive Tiere

  • Bedarf prüfen: Ist die Beleuchtung notwendig?
  • Lichtlenkung: Niedrig montierte, voll abgeschirmte Leuchten, die das Licht auf die Nutzfläche lenken
  • Warme Lichtfarbe wählen: 1.800 Kelvin (Bernstein/Amber) bis max 2.700 Kelvin (Warmweiß)
  • Unnötige Außenbeleuchtung ausschalten

 

Weitere Informationen:

 

Pressestelle BUND Hessen

Lynn Sophie Anders
069 677376 43
presse(at)bund-hessen.de
www.bund-hessen.de

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