BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

Tag der Internationalen Zivilluftfahrt: Luxus für wenige, Konsequenzen für viele

05. Dezember 2020 | Mobilität, Flughafen

Zum Internationalen Tag der zivilen Luftfahrt kritisiert der BUND Hessen, dass Fliegen künstlich „verbilligt“ wird. Die Steuerzahler*innen in Deutschland subventionieren den deutschen Flugverkehr mit 12 Milliarden Euro pro Jahr: So viel kosten allein die Kerosinsteuerbefreiung und die Befreiung internationaler Tickets von der Mehrwertsteuer den deutschen Staat jährlich.

Mehr als die Hälfte der innerdeutschen Flüge könnte ohne Koformverlust auf die Schiene verlagert werden. (Foto: Lynn Anders / BUND Hessen)

„Fliegen ist ein Luxus für wenige, unter dessen Folgen für Gesundheit, Klima und Umwelt aber viele leiden. Schätzungen gehen davon aus, dass 80 bis 90 Prozent der Weltbevölkerung noch nie geflogen sind“, erklärt Gabriela Terhorst, stellvertretende Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Hessen anlässlich des Tags der Internationalen Zivilluftfahrt am 07. Dezember. „Eine Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) aus 2019 zeigte: 90 Prozent der weltweiten Fluggäste stammen aus der Oberschicht und der oberen Mittelschicht. Personen mit niedrigem Einkommen und die untere Mittelschicht sind nur mit zehn Prozent am Flugverkehr beteiligt, obwohl sie 50 Prozent der Bevölkerung ausmachen“, ergänzt Terhorst.

Fliegen ist in großem Ausmaß klimaschädlich. Berücksichtigt man die Klimaeffekte des Ausstoßes von Stickoxiden, Ruß und Wasserdampf durch Flugzeuge in luftigen Höhen, die 2,7 mal so klimaschädlich wie CO2 sind, dann trägt der Luftverkehr insgesamt mit 5 Prozent zur globalen Klimaerwärmung bei. Das ist etwa so viel, wie der Anteil des weltweiten Straßengüterverkehrs.

Fluglärm und Luftschadstoffe belasten die Umgebung von Flughäfen, der Ausbau von Start- und Landebahnen trägt zum Waldverlust und zum Flächenverbrauch bei.

„Aus Klima- und Gesundheitsgründen ist nicht immer mehr Flugverkehr, sondern eine deutliche Verringerung nötig, insbesondere müssen Ultrakurzstreckenflüge auf die Schiene verlagert werden“, fordert Gabriela Terhorst. Der BUND hat berechnet, dass mehr als die Hälfte der innerdeutschen Flüge ohne Zeit- und Komfortverlust sofort auf die Schiene verlagert werden können. Im Jahr 2018 waren es 160.000 von 311.000 Flüge, deren Flugziele innerhalb von vier Stunden mit dem ICE erreicht werden können.

Der Staat muss die Rahmenbedingungen so setzen, dass Fliegen nicht weiter künstlich „verbilligt“ wird. Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in Deutschland subventionieren den deutschen Flugverkehr mit 12 Milliarden Euro pro Jahr: So viel kosten allein die Kerosinsteuerbefreiung und die Befreiung internationaler Tickets von der Mehrwertsteuer den deutschen Staat jährlich.

Aber auch jede und jeder ist für das eigene Verhalten und dessen Auswirkungen auf das Klima verantwortlich. Um die Pariser Klimaziele einzuhalten, dürfte jede Person eigentlich nicht mehr als zwei Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen. In Deutschland werden aber heute pro Kopf durchschnittlich neun Tonnen CO2 im Jahr emittiert. Ein einziger Flug im Jahr kann die persönliche CO2-Bilanz aufgrund seiner klimaschädlichen Auswirkungen ruinieren. Und dabei gibt es viele schöne Reiseziele innerhalb Europas, die gut mit der Bahn erreichbar sind.

 

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Pressestelle BUND Hessen

Lynn Sophie Anders
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