BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

Streuobst ist Immaterielles Kulturerbe: Artenreicher Lebensraum angemessen gewürdigt

31. März 2021 | Biologische Vielfalt, Landwirtschaft, Flächenschutz

Streuobstwiesen sind nun als „Immaterielles Kulturerbe“ anerkannt! „In Zeiten des Artensterbens ist die Würdigung des Streuobstanbaus ein starkes Signal zum Schutz der Biodiversität, denn Streuobstwiesen sind Hotspots der Artenvielfalt.“

Blühende Streuobstwiese (Foto: Herwig Winter)

Der hessische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) begrüßt die Anerkennung der Streuobstwiesen als „Immaterielles Kulturerbe“ durch die Deutsche UNESCO-Kommission1. „In Zeiten des Artensterbens ist die Würdigung des Streuobstanbaus ein starkes Signal zum Schutz der Biodiversität, denn Streuobstwiesen sind Hotspots der Artenvielfalt. Sie sind Lebensraum von Steinkauz, Spechten, Fledermäusen sowie zahlreicher Insekten wie Bienen, Käfern, Hummeln und Schmetterlingen“, freut sich Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen. „Die Landesregierung muss nun endlich die im Koalitionsvertrag vereinbarte Strategie zum Schutz der Streuobstbestände umsetzen2. Der BUND fordert die hessischen Städte und Gemeinden auf, die Umwandlung von Streuobst in Bauland zu beenden und ihre Schutzbemühungen zu intensivieren.

Die Anerkennung von Streuobstbeständen als Immaterielles Kulturerbe verleiht jahrelangen Forderungen des BUND nach mehr Engagement im Streuobstschutz Nachdruck: Die dringlichste Aufgabe ist die Sicherstellung der Obstbaumpflege, denn der Bestand an alten Bäumen nimmt immer schneller ab. Zusätzlich müssen vermehrt Neupflanzungen erfolgen. Weitere Forderungen betreffen die Stärkung von Beratungs- und Hilfsangeboten zur Pflanzung und Pflege. „Nötig ist ein flächendeckendes Netz an Beraterinnen und Beratern für den Baumschnitt und die Baumpflege, denn in den letzten 30 Jahren ist dieses Wissen stark zurückgegangen“.

Der Rückgang der Streuobstwiesen schreitet voran, doch einen genauen Überblick über die Situation hat niemand. Belegt ist aber, dass sich die Situation zwischen der landesweiten Streuobstkartierung im Jahr 1986 und der Wiederholung, die der BUND Hessen 2009 in 40 Gemeinden Hessens vornahm, verschlechtert hatte3. Da schon damals viele Bestände überaltert und unzureichend gepflegt waren, dürfte vor allem der Bestand an alten, ökologisch besonders wichtigen Bäumen deutlich zurückgegangen sein. Das Ergebnis der Kartierung 2009 war alarmierend, denn:

  • Über 70 % der Bäume hatten einen mangelhaften Pflegezustand (37,7 % der Bestände befanden sich in schlechtem Pflegezustand, 36,3 % lediglich in mäßigem).

  • In einigen Gemeinden wurde der Streuobstbestand als durchweg überaltert bzw. als im Abgangsstadium befindlich beschrieben.

  • Mit einem Anstieg von 8,4 % beim Apfel und Rückgängen bei allen andere Obstarten kam es zu einer Artenverarmung.

  • Hauptgefährdungsursache ist der Pflegemangel (48,1% aller Bestände). Häufig vermerkt u. a. auch drohende Bebauungen, Schäden durch Weidevieh, Baumkrankheiten, Desinteresse der Flächenbesitzer sowie fehlendes Fachwissen.

  • Die mittlere Größe der Streuobstbestände und damit ihr ökologischer und ihr ästhetischer Wert nahm ab, hingegen blieb die Gesamtbaumanzahl gegenüber 1986 offenbar unverändert

 

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Pressestelle BUND Hessen

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