BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

Bundesländerindex Mobilität und Umwelt: Hessen nur noch auf Platz 12

29. Oktober 2020 | Dannenröder Forst, Mobilität

grüne Ampel für Fuß- und Radverkehr (Foto: Niko Martin)

BUND kritisiert ein zu zaghaftes Umsteuern der Regierungen auf Landes- und Bundesebene in der Verkehrspolitik

Frankfurt am Main. Der hessische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) sieht im schlechten Abschneiden Hessens im Bundesländerindex Mobilität das Resultat einer unter Umweltgesichtspunkten nicht zukunftsfähigen Verkehrspolitik der letzten Jahre auf Bundes- und Landesebene. Jörg Nitsch, Landesvorsitzender: „Hessen liegt mit einer Bewertung von lediglich 43 von 100 möglichen Punkten auf Platz 12 des Länderrankings. Trotz grüner Regierungsbeteiligung findet sich Hessen bei einzelnen Kategorien wie dem Klimaschutz und der Luftqualität sogar auf den letzten Plätzen wieder. Nur im Bereich der Lärmminderung erreicht Hessen einen vorderen vierten Platz.“

Für den BUND zeigt das Ergebnis, dass noch viel Arbeit auf dem Weg zur dringend notwendigen Verkehrswende vor den handelnden Politikerinnen und Politikern liegt. Es scheint, als sei der Verkehr als wesentliche Ursache für Lärm, Luftschadstoffe, Flächenverbrauch und die Klimakatastrophe noch immer nicht in den Köpfen aller Politikerinnen und Politiker auf Landes- sowie auf Bundesebene angekommen, was auch das aus der Zeit gefallene Autobahnprojekt A 49 belegt.

„Dinosaurierprojekte wie der geplante Weiterbau der A 49 sind angesichts des fortschreitenden Klimawandels nicht mehr verantwortbar. Der Erhalt des „Danni“ ist zum bundesweit beachteten Symbol für die überfällige Verkehrswende geworden. Wir fordern von der Bundesregierung einen unverzüglichen Baustopp und ein Moratorium sowie die Überprüfung der veralteten und überflüssigen Autobahn- und Bundesstraßenplanungen“, ergänzt Nitsch die Forderung.

Für den BUND ist unabdingbar, den Verkehr bürgernah zu gestalten: Der Verkehrsverbund aus Fuß-, Rad- und öffentlichem Verkehr braucht mehr Raum und bessere finanzielle Ausstattung. Für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger müssen zudem effektive Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität und des Lärmschutzes in unseren Städten umgesetzt werden. Anstatt für Mobilität immer neue Flächen aufwändig, kostspielig und umweltzerstörend zu versiegeln, müsse die vorhandene Verkehrsinfrastruktur optimiert und verbessert werden. Dabei muss die Verkehrssicherheit für schwächere Verkehrsteilnehmer, wie Radfahrer und Fußgänger viel mehr in den Vordergrund rücken. Eine veränderte, faire Aufteilung des bestehenden Straßenraums sei mit Blick auf die Verkehrswende unumgänglich.

Nitsch: „Nur wenn die Politik auf allen Ebenen, also Bund, Land und Kommunen endlich ihrer Verantwortung gerecht wird, kann die Verkehrswende ernsthaft in der Stadt und auf dem Land an Fahrt gewinnen. Wir als BUND Hessen werden diese Entwicklung weiter kritisch begleiten und kraftvoll vorantreiben.“

Das Länderranking sieht Hessen beim Kriterium Luftqualität gemeinsam mit Bayern auf dem vorletzten Platz. Neben NRW war Hessen das Land mit den meisten Grenzwertüberschreitungen bei der Stickstoffdioxid-Konzentration in Städten. Nur in Hamburg ist die Luftqualität noch schlechter.

Beim Kriterium Klimaschutz schneidet Hessen unwesentlich besser ab. Auch ohne Berücksichtigung des internationalen Luftverkehrs ist Hessen das Land mit den höchsten verkehrsbedingten CO2-Emissionen pro Einwohner (2,4 Tonnen pro Jahr). Nur Bayern, Niedersachsen und Brandenburg werden noch schlechter bewertet.

Einen vorderen vierten Platz belegt Hessen im Bereich Lärmminderung. Hessen ist eines der Bundesländer mit einem Lärmminderungsziel im Koalitionsvertrag. 4,6 % der Hessen sind von Verkehrslärm betroffen.

 

Hintergrundinformationen

Den wissenschaftlichen Ländervergleich hat das Forschungsinstitut Quotas im Auftrag der Allianz pro Schiene, des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) erstellt. Der „Bundesländerindex Mobilität & Umwelt 2020/21“ spiegelt dabei die mobilitätsrelevanten amtlichen Statistiken und die verkehrspolitischen Weichenstellungen aller 16 Länder wieder. Den Bundesländerindex ermittelten die Wissenschaftler anhand der fünf Kategorien Klimaschutz, Luftqualität, Verkehrssicherheit, Lärmminderung und Flächenverbrauch.

Die Methode: So berechnet Quotas den Index

Der Bundesländerindex Mobilität & Umwelt 2020/2021 spiegelt die mobilitätsrelevanten Statistiken und die verkehrspolitischen Weichenstellungen aller 16 Länder. Die Daten stammen aus amtlichen Quellen. Die politischen Zielsetzungen recherchierte Quotas anhand der Veröffentlichungen der Bundesländer und gab den Verkehrsministerien die Möglichkeit zur Einordnung. Alle fünf Kategorien gehen mit einem Anteil von jeweils 20 Prozent in den Bundesländerindex ein.

 

Weitere Informationen

 

 

Pressestelle BUND Hessen

Lynn Sophie Anders
069 677376 43
presse(at)bund-hessen.de
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60599 Frankfurt am Main

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