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BUND Landesverband
Hessen e.V.

Pressemitteilung

BUND: Trinkwasserbrunnen im Hessischen Ried stärker verunreinigt als bisher bekannt – auch Chemiefirma Merck ist verantwortlich

10. Juni 2016 | Hessisches Ried Wasserqualität

Grundwasser und Trinkwasserbrunnen im Hessischen Ried noch deutlich stärker mit Chemikalien belastet als im April 2016 bekannt geworden war.

Schützt unser Trinkwasser! (Grafik: Niko Martin)

Nach Auffassung des hessischen Landesverbandes des BUND sind Grundwasser und Trinkwasserbrunnen im Hessischen Ried noch deutlich stärker mit Chemikalien belastet als im April 2016 bekannt geworden war.

Ein aktuell auf der Homepage des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) veröffentlichtes Gutachten „Suspect- und Non-Target-Screening von Wasserproben mittels LC-HRMS” (http://www.hlnug.de/?id=7275)  zeigt zudem auf, dass nicht nur die kommunalen Kläranlagen, sondern auch die Kläranlage der Chemiefirma Merck das Grundwasser und Trinkwasserbrunnnen im Bereich des Wasserwerks Dornheim südlich von Groß-Gerau mit Hunderten Chemikalien verunreinigen.

Das Gutachten vom September 2015 befasst sich mit der Grundwasserbelastung des am Landgraben liegenden Wasserwerks Dornheim und ordnet die dort gefundenen Chemikalien den verantwortlichen Einleitern, nämlich den flussaufwärts gelegenen Kläranlagen der Städte Darmstadt und Weiterstadt sowie der Kläranlage der Chemiefirma Merck zu. In das Grundwasser gelangen die Chemikalien durch versickerndes Flusswasser.

In einem Trinkwasserbrunnen des Wasserwerks sind z. B. 1164 „Komponenten”, also Chemikalien, festgestellt worden; 235 davon kommen von der Firma Merck, weitere 270 kommen von den kommunalen Kläranlagen. Die im April veröffentlichten Messdaten zeigten dagegen für diesen Brunnen nur eine Belastung mit wenigen Chemikalien auf. Eine Grundwassermessstelle in unmittelbarer Nähe hat 3073 „Komponenten”, 468 von der Firma Merck und 893 von den kommunalen Kläranlagen. Das Gutachten enthält fast keine Aussagen, um welche Chemikalien es sich dabei im Einzelnen handelt, in welchen Konzentrationen sie vorliegen und wie gefährlich sie für Mensch und Natur sind.

Der BUND hatte beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) Anfang Februar 2016 eine Anfrage nach dem Hessischen Umweltinformationsgesetz (HUIG) gestellt und u. a. „alle Gutachten und Berichte ab 2012 , die sich mit der Grundwasserbelastung durch Infiltration von Oberflächengewässern befassen” erbeten. Nach nunmehr vier Monaten – obwohl das HUIG eine Frist von nur einem Monat vorsieht – hat das HLNUG das o. g. Gutachten zur Verfügung gestellt und veröffentlicht.

In einer Zwischennachricht der Behörde vom 9. Mai 2016 hieß es, man könne das Gutachten „derzeit nicht zur Verfügung stellen, da mehrere Drittbetroffene angehört werden mussten und die danach erforderliche Abwägung noch nicht vorgenommen werden konnte”.

Der BUND fordert, dass nun endlich die Geheinmiskrämerei beendet wird und wirklich alle Fakten auf den Tisch kommen. Insbesondere muss umfasssend dargelegt werden, welche Chemikalien gefunden werden, wie hoch ihre Konzentrationen und wie stark die Auswirkungen für den Menschen bei lebenslangem Konsum des Trinkwassers sind.

Das Regierungspräsidium Darmstadt hatte dem BUND bereits am 19. Februar 2016 geschrieben, man wolle „den Bericht des HLNUG sowie ... Überlegungen zum weiteren Vorgehen den betroffenen Wasserversorgungsunternehmen, den betroffenen Kläranlagenbetreibern, den betroffenen Wasserverbänden sowie den Umweltverbänden vorstellen und ... das weitere Vorgehen ... diskutieren”. Man rechne damit, innerhalb der nächsten drei Monate diesbezüglich aktiv zu werden.

Der BUND erwartet, dass seitens der Landesbehörden endlich zu dieser Versammlung eingeladen wird.
 

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