Lahnauenprojekt Biedenkopf

Naturerlebnisraum Wildaue – Kulturlandschaft im Wandel

Rotes Höhenvieh im Lahnauenprojekt Biedenkopf
Rotes Höhenvieh im Lahnauenprojekt Biedenkopf

Kurzbeschreibung und Fakten

Gebietsname Lahnaue, Auf dem Schönwasem-Erler Loch
Region/Lage Hessen, Marburg-Biedenkopf, Stadt Biedenkopf
Rechtswert 8° 30' 51'' O
Hochwert 50° 54' 49'' N
Lebensraumtyp Flussaue mit trockenem bis feuchtem Grünland, Hochstauden, Auwald, Hecken, Gebüsche, Solitärbäume, Flutrinnen, Kiesbänke, Bäche, Tümpel, Altwasser
Flächengröße ca. 13 ha
Projektbeginn Mai 2005 (erster Weideauftrieb)
Tierrassen Rotes Höhenvieh
Bestandsdichte 0,5 GV/ha
Beweidungstyp z. Zt. periodisch, angestrebt wird ganzjährige Beweidung
Karte Lahnauenprojekt Biedenkopf
Karte Lahnauenprojekt Biedenkopf

Das Projektgebiet liegt unmittelbar südwestlich der Stadtrandlage von Biedenkopf und umfasst die Talweitung der Lahn unter Einschluss der Flusslaufs. Im Zuge des Projektes ist eine Renaturierung der Aue in Verbindung mit der Herstellung einer Großkoppel geplant (siehe Planentwurf rechts). Das Gelände zeichnet sich durch kleinräumig wechselnde Morphologie und unterschiedlich feuchte bis zeitweise nasse Senken aus. Die Flächen befinden sich zu je einem Drittel im Eigentum der Stadt Biedenkopf, der Straßenverwaltung sowie des BUND Ortsverbandes Biedenkopf-Breidenbach-Dautphetal als Initiator und Ideengeber.

Die Trägerschaft des Projektes liegt beim Landkreis, der als untere Naturschutzbehörde auch die notwendigen Investitionen aus Mitteln der naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgabe finanziert. Aufgrund öffentlich-rechtlicher Vereinbarung stellt die Stadt Biedenkopf die in ihrem Eigentum stehenden Flächen für die Projektzwecke zur Verfügung. Die Flächen der Straßenverwaltung sind bereits bzw. werden in Kooperation mit dem Amt für Straßen- und Verkehrswesen Marburg als Ausgleichsflächen für den Straßenbau eingebracht.

Die Nutzungsrechte und das Management des Projektes sind dem BUND-Ortsverband mit gesonderten Vereinbarungen übertragen worden. Dieser koordiniert den Beweidungsablauf und sowie sonstige Maßnahmen innerhalb des Gebietes im Sinne der Projektziele bzw. beteiligt sich aktiv an den notwendigen Arbeiten.

Die Projektfläche im Satellitenbild

Historie

Rotes Höhenvieh im Lahnauenprojekt Biedenkopf
Rotes Höhenvieh im Lahnauenprojekt Biedenkopf

Die Projektidee entstand Ende 2004 beim BUND Ortsverband unter dem Eindruck der zur Ortsumgehung Biedenkopf im Zuge der B 62 angelegten Renaturierungsmaßnahmen im Bereich „Erler Loch“ und der Kenntnis über den hohen Anteil von Flächen im Eigentum der öffentlichen Hand (Stadt Biedenkopf, Ankaufsflächen der Straßenverwaltung). Zudem waren infolge des Straßenbaues ein Rückzug der traditionellen Landwirtschaft, Verbrachungstendenzen und zeitweise Flächenbelegung durch intensiv genutzte Pferdekoppeln feststellbar.

Die Projektziele decken sich auch mit der Planung des Regierungspräsidiums Gießen zu Maßnahmen der Auenentwicklung an der Oberen Lahn. Stadt, Kreis und Straßenverwaltung wurden durch Präsentationen, intensive Abstimmung und Konzeptentwicklung für das Projekt gewonnen und stellen ihre Flächen bereit. Privatflächen wurden bzw. werden sukzessive durch den BUND mit Mitteln aus der naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgabe erworben. Kurzfristig ergab sich der Kontakt zu einem Betrieb mit Rotem Höhenvieh, der die Verfügbarkeit von Fläche in der Lahnaue auch für die Erweiterung seines Rinderbestandes nutzt. Bereits seit Anfang 2005 konnte daher eine extensive Weidenutzung etabliert werden.

Ziele

Feuchtgebiet im Lahnauenprojekt Biedenkopf
Feuchtgebiet im Lahnauenprojekt Biedenkopf

Ziel ist die Unterstützung der Fließgewässerdynamik unter aktiver Nutzung der strukturbildenden Wirkungen von Tritt und Verbiss der Weidetiere. Eine neu anzulegende Flutrinne der Lahn soll das Gewässer künftig in die zentrale Aue lenken und das Weitere dort der Hochwasserdynamik überlassen. Im Zuge der Maßnahme wird auch ein Wehr verblockt, um Aufstiegsmöglichkeiten für Fließgewässerorganismen zu verbessern. In den Wiesenbereichen erfolgen weitere Vernässungen. Hierdurch sollen insbesondere Wiesenbrüter und Amphibien profitieren. Die Nutzung soll sukzessive von Mähweiden und Ackerflächen auf eine ganzjährige Großkoppelhaltung umgestellt werden.

Das Projekt dient auch der Bestandsicherung und Verbreitung der Rasse „Rotes Höhenvieh“ als für den Raum bis in die 70er Jahre authentischer Regionalrasse. Durch die Lage an einem der Hauptspazierwege und am Lahn-Radfernwanderweg werden auch für Erholungssuchende interessante Naturerlebnisse eröffnet. Das Projekt ist daher besonders geeignet, auch die Anliegen und Maßnahmen des Naturschutzes „beiläufig“ zu vermitteln.

Pflegemodus

Teilflächen unterliegen derzeit noch ackerbaulicher Nutzung und einschüriger Mahd, letztere gehen danach zur Nachbeweidung portionsweise in eine Großkoppel über. Derzeit wird mit einer mobilen Zaunanlage gearbeitet. Eine feste Einzäunung mit Netzstrom ist geplant. Alle genannten Biotoptypen einschließlich des Flussbettes der Lahn sind in die Weide integriert.

Ansprechpartner und weiteres BUND-Projekt an der Lahn in Marburg

Ansprechpartner für das Projekt sind

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website des Weideprojekts.

Wehr an der Lahn in Marburg; Foto: BUND Kreisverband Marburg-Biedenkopf
Wehr an der Lahn in Marburg; Foto: BUND Kreisverband Marburg-Biedenkopf

Lesen Sie auch über das BUND-Lahnprojekt in Marburg. Dort wird ein Konzept entwickelt, dass eine nachhaltige und naturverträgliche Nutzung der Lahnauen im Stadtgebiet Marburg ermöglicht. Dabei sollen sowohl der ökologische Wert der Auenflächen als auch deren Naherholungswert verbessert werden.



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