Für eine lebendige Werra, Fulda und Weser
Die Werra wird durch Abwässer die bei dem industriellen Abbau von Salzvorkommen entstehen versalzen und damit wird die Artenvielfalt beeinträchtigt.
Beeinträchtigung der Artenvielfalt
Die Werra mündet in die Weser. Vor dem industriellen Abbau von Kali waren Werra und Weser fischreiche Gewässer. Der Fischertrag ging mit der Versalzung sehr stark zurück. Neben der Beeinträchtigung von Lebensgemeinschaften in den Fließgewässern wirkt sich die Salzbelastung direkt oder indirekt negativ auf Trinkwassergewinnung, Landwirtschaft oder touristische Nutzung aus. Mit der Salzreduzierung und Vergleichmäßigung der letzten Jahre ist eine Erholung der Lebensgemeinschaften zu verzeichnen. Dennoch zählt die Werra bis heute trotz aller Verbesserungen der letzten Jahre noch zu den Gewässern mit der schlechtesten Güteklasse Europas.
Der BUND hat zusammen mit dem „Büro am Fluss Lebendige Weser“ ein Gutachten zur Beeinträchtigung der Artenvielfalt durch die Werraversalzung in Auftrag gegeben. Lesen Sie eine Kurzfassung des Gutachtens (8 Seiten; .pdf-Datei; 620 KB).
Süßwasser und Salzwasser – ein paar Zahlen
Grundwasser weist normalerweise einen Salzgehalt (Chloridgehalt) bis etwa 20 Milligramm pro Liter auf. In den Bächen können die Konzentrationen durch Einflüsse des Menschen bis auf 80 Milligramm pro Liter steigen. Für die Werra hat die Industrie Grenzwerte vereinbart, die bei 2500 Milligramm (2,5 Gramm) pro Liter liegen. Das ist 25 Mal höher als das, was die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) für den guten Zustand eines (Süßwasser-)Gewässers empfiehlt: Maximal 100 Milligramm (0,1 Gramm) pro Liter Wasser. Schon ab 200 Milligramm sind erste ökologische Beeinträchtigungen zu erwarten.
Im Zuge der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sind Grenzwerte, die 25fach höher liegen, nicht zielführend. Eine Reduzierung der Belastung sowohl der Gesamtfracht, als auch der einzelnen Komponenten (Kalium, Magnesium, Calzium) ist dringend geboten.
Salzwasser gibt's im Meer – Pipeline zur Nordsee als Kompromiss
Die Nordsee hat an den Flussmündungen einen Salzgehalt von 15-25 Gramm pro Liter.
Der Bau der Salzabwasser-Pipeline zur Nordsee, die der Runde Tisch „Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion” im Februar 2010 mehrheitlich empfohlen hat, wäre eine Möglichkeit zur Gewässersanierung. Die mit dem Bau über eine lange Strecke verbundenen Eingriffe in die Landschaft würde der BUND als Kompromisslösung mittragen, falls sich in den nächsten Wochen die bisherige Erkenntnis am Runden Tisch bestätigt,
- dass andere Verfahren zur Behandlung des salzhaltigen Abwassers wie Eindampfen, Laugentiefkühlung, trockene Salzaufbereitung nicht ausreichen, um das Problem der Salzabwässer zu lösen und
- dass die Einleitung in die Nordsee keine wesentlichen ökologischen Schäden hervorruft.
Bei der Realisierung einer Nordseepipeline müssten der Schutz des Nationalparkes Wattenmeer sowie eine schnelle Verdünnung der Salzabwässer sicher gestellt werden. Der BUND ruft die Behörden dazu auf, solche Grenzwerte für die eingeleiteten Salze neu festzusetzen, die schnellstmöglich, spätestens aber bis 2015 in Werra und Weser die Wiederansiedlung der natürlichen Artenvielfalt ermöglichen.
Bisherige Praxis der Abwasserentsorgung stoppen
Die bisherige Verpressung von Salzabwässern in den Untergrund muss umgehend gestoppt werden.
Die Vermeidung von Salzabfall vor Ort durch Nutzung aller technischen Möglichkeiten zur besseren Ausnutzung der Wertstoffe und die Salzabfallverwertung durch Versatzbergbau sollten umgesetzt werden.
Weitere Informationen
Mehr zur Arbeit des BUND Hessen für eine lebendige Werra erfahren Sie in unseren Pressemitteilungen zum Thema.






