Straßenbau erfüllt offensichtlich nicht die Hoffnungen, die die entscheidenden Politiker in diese Investition setzen. Es ist amüsant und verwunderlich, dass diese Erkenntnis, die seit fast 2 Jahren in der Datensammlung des Bundesverkehrswegeplanes nachzulesen ist, in die politischen Begründungen keinen Eingang gefunden hat. Angesichts der hohen Netzdichte von Autobahnen und Bundesstraßen in Hessen sind die klassischen Argumente des Straßenbaus offensichtlich ausgelaugt und taugen nicht mehr für eine Rechtfertigung für weiteren Straßenbau. Nur in Einzelfällen lassen sich fachliche Begründungen für neue Projekte geben. Die überwiegende Mehrheit der hessischen Autobahn- und Bundesstraßenneubauten der kommenden Jahre sind aus der Sicht der Verkehrsplanung nutzlos und stellen damit eine gigantische Fehlinvestition dar. Zwar sind nur etwas mehr als 20% der hessischen Wunschliste finanzierbar, aber die Auswahl der Projekte erfolgte offenbar nach anderen als fachlichen Kriterien. Es wird eben nicht das fünftel Straßen gebaut, das die beste Raumwirkung, den größten Verkehrlichen Erschließungswert oder die beste Entlastungswirkung auf die Ortsdurchfahrten hat. 29% aller Projekte werden vom BUND-Hessen zumindest nicht grundsätzlich abgelehnt, an den zu realisierenden Projekten beträgt der Anteil an Zustimmung jedoch nur 15%. Weitere 22% hält der BUND für diskutabel, allerdings mit Varianten, die in der derzeitigen amtlichen Planung in der Regel nicht verfolgt werden.
Der BUND sieht in der Auflistung eine Fortführung der unsinnigen Straßenbaupolitik des Landes auf dem durch die Haushaltslücken bedingten niedrigeren Niveau. Im indisponiblen Bedarf ist kein einziges Projekt enthalten, das von den Straßenplanern als raumwirksam eingestuft wurde. 76% aller voraussichtlich bis 2015 realisierbaren Projekte des indisponiblen und vordringlichen Bedarfs haben keine Auswirkungen auf den Raum bzw. diese Auswirkungen werden von den Fachleuten nicht gesehen. Damit ist das Hauptargument der Landesregierung widerlegt, Straßenbau schaffe Arbeitsplätze und leiste einen Beitrag zur Wiederbelebung der Konjunktur.