Streuobstwiese; Foto: Julia Beltz
Streuobstwiese; Foto: Julia Beltz

Aktion Streuobstkartierung – Obstbäume und Streuobstwiesen in Hessen

Die Aktion Streuobstkartierung

Ehrenamtlicher beim Kartieren, Foto: Günther Lang
Ehrenamtlicher beim Kartieren, Foto: Günther Lang

Aufgrund ihres Wertes dürfen Streuobstbestände nicht still und heimlich durch Bebauung, Zerschneidung und Nutzungsänderung verschwinden. Ihr Bestand muss vielmehr regelmäßig erfasst und öffentlich dargestellt werden. Deshalb erfolgte durch die Orts- und Kreisgruppen des BUND Hessen sowie externe Helfer in den Jahren 2008 und 2009 eine Kartierung der hessischen Streuobstbestände. Diese wurden mit Hilfe eines standardisierten Kartierbogens erfasst und auf Karten dargestellt. Es erfolgte ein Ergebnisvergleich mit der letztmaligen Kartierung von 1986 (NABU und HGON).
Die aktuelle Kartierung gibt Aufschluss über Bestandsgrößen und Merkmale der Vorkommen. Sie kann zeigen, ob die momentanen Rahmenbedingungen dem Erhalt der Streuobstbestände dienen oder weitergehende Forderungen gestellt werden müssen. Ferner kann sie zur räumlichen Steuerung von Neupflanzungen und zur schnellen Ermittlung herangezogen werden, ob ein Bauvorhaben eine Streuobstwiese betreffen wird.
Bereits jetzt haben die Kartierarbeiten im Feld und die vielfältigen Begleitaktionen zu reger Medienpräsenz geführt und dazu beigetragen, die Öffentlichkeit über das Thema Streuobst zu informieren sowie neue Aktive für den Naturschutz zu gewinnen.

Das Ergebnis

ausführlicher Bericht siehe Downloads

Insgesamt wurden in 40 Gemeinden 52.819 Streuobstbäume, bzw. 2.089 Streuobstbestände mit einer Gesamtfläche von rund 752 Hektar erfasst. Das Fazit regt zum Handeln an:

  • 37,7% der Bestände befinden sich in schlechtem Pflegezustand, 36,3% lediglich in mäßigem. Da die Pflege vieler derzeit noch betreuter Ausgleichmaßnahmen nicht dauerhaft gesichert ist, werden sich diese Anteile voraussichtlich noch erhöhen.
  • Hauptgefährdungsursache ist der Pflegemangel (48,1% aller Bestände). Häufig vermerkt u. a. auch drohende Bebauungen, Schäden durch Weidevieh, Baumkrankheiten, Desinteresse der Flächenbesitzer sowie fehlendes Fachwissen.
  • In einigen Gemeinden wird der Streuobstbestand als durchweg überaltert, bzw. als im Abgangsstadium befindlich beschrieben.
  • Mit einem Anstieg von 8,4% beim Apfel und Rückgängen bei allen andere Obstarten kam es zu einer Artenverarmung.
  • Die Gesamtbaumanzahl konnte offenbar gehalten werden, doch liegen die Bestände weit häufiger als kleine, voneinander getrennte Flächen vor, die ihre ökologischen und ästhetischen Funktionen weniger gut erfüllen können. Auf mindestens 40 % der kartierten Flächen stocken weniger als 10 Bäume.
  • Mindestens 30% der Obstbäume haben einen Kronenansatz von unter 1,80 m. Dies zeigt, wie vorsichtig mit Definitionsvorschlägen des Begriffs „Hochstamm“ umgegangen werden muss, der Auswirkungen auf gesetzlichen Schutz und Wertbeimessung eines Baumes haben kann.
  • Viele der für Streuobst typischen sowie weitere Tier- und Pflanzenarten wurden gesichtet (u. a. Steinkäuze, Spechte, Fledermäuse, Hornissen und Bienen). Dies belegt den außerordentlichen Wert der Streuobstbestände als Lebensraum.


Dass sich der Einsatz für den Streuobstschutz lohnt, zeigen einige positive Beispiele: wo sich Naturschutzverbände, Obst- und Gartenbauvereine, interessierte Kleingärtner, Ökolandwirtschaftsbetriebe oder Behörden um Streuobstflächen kümmern, sind diese nachweislich in besserem Zustand.

Forderungen

Die Kartierergebnisse verleihen den gängigen Forderungen im Streuobstschutz mit aktuellen Zahlen Nachdruck. Dringlichste Forderung ist die Sicherstellung der Obstbaumpflege. Bei Gewährleistung der Pflege sollten unbedingt weitere Neupflanzungen erfolgen. Ebenfalls wichtig sind die Stärkung des gesetzlichen Schutzes, der Erhalt von Fachwissen und eine allgemein stärkere Umweltbildung, die Einrichtung und Bekanntmachung von Beratungs- und Hilfsangeboten, die Steigerung der wirtschaftlichen Rentabilität der Bestände ebenso wie die Förderung der Bewirtschaftung auch durch Nicht-Landwirte, der Erhalt einer großen Obstarten- und Obstsortenvielfalt sowie die Forschung zu Obstbaumkrankheiten.

Die Erkenntnisse wird der BUND Hessen in einer Pressemitteilung veröffentlichen, Entscheidungsträgern und Multiplikatoren zukommen lassen und als Argumentationsgrundlage für seine künftigen Schutzbemühungen verwenden. Bei den tatkräftigen Kartierern bedanken sich Landesgeschäftsstelle und Vorstand recht herzlich!

Materialien zum herunterladen

Informative Links

Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien e.V.: www.apfelwein.de
Streuobstinitiative im Landkreis Kassel: www.silka-saft.de

Ansprechpartnerin des BUND Hessen

Ansprechpartnerin in der Landesgeschäftsstelle des BUND Hessen ist Susanne Schneider.