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Rhönschafprojekt des BUND Hessen

Rhönschafe weiden in der Rhön

Ein Rhöner kehrt zurück…

…und macht den Naturschutz zum Genuss.

1997 gelang es, die Rhönschaf-Herdbuchherde des verstorbenen Herrn von Buttlar aus Riede bei Fritzlar in die Rhön zurückzuholen und als wichtige Genreserve zu sichern. Nach dem Tod des Eigentümers stand die Herde mehrere Monate zum Verkauf an. Da sich zunächst kein Halter fand, sollte die Herde im Herbst 1997 dem Schlachter zugeführt werden. Durch eine gemeinsame Initiative des BUND Hessen, des Biosphärenreservats Rhön, der Stiftung Hessischer Naturschutz und dem Mineralbrunnen Förstina konnte die Herde angekauft und einem Schäfer übergeben werden. Die 250 Kopf starke Herde trägt heute wesentlich zur Offenhaltung der wertvollen Bergwiesen an den Hängen des oberen Ulstertales in der Gemarkung Wüstensachsen bei.

Das Rhönschaf - die älteste deutsche Nutztierrasse

Zwei Rhönschafe

Noch 1910 betrug der Anteil der Schafe bei Vieherfassungen rund 58 % der gehaltenen Tiere (erfasst wurden Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine). Bis 1966 sank dann der Anteil der Schafe auf 2,1 %. Im gleichen Zeitraum stieg die Haltung der Rinder auf annähernd 45 % .
Dem starken Rückgang der Schafhaltung liegen mehrere Ursachen zugrunde. Billige Woll- und Fleischimporte von Übersee, die stetige Intensivierung der Landwirtschaft und Vorurteile gegen Lammfleisch, ließen die Schafhaltung vielerorts zusammenbrechen. Davon besonders betroffen waren alte genügsame Haustierrassen wie das Rhönschaf, welche zwar aufgrund ihrer Genügsamkeit und Anspruchslosigkeit ideal für die Bewirtschaftung von Bergwiesen und Magerrasen geeignet waren, aber dem Glauben von Experten nach den Hochleistungsrassen zunächst kaum etwas entgegensetzen konnten und zunehmend in Vergessenheit gerieten. Erst die Rückbesinnung auf den Wert traditionell bewirtschafteter Kulturlandschaften mit ihrem außerordentlichen Artenreichtum sorgte für eine Renaissance vieler alter Haustierrassen, wobei das Rhönschaf nur eines davon darstellt.

Für Rhönschaf-Liebhaber ist das Rhönschaf der Adonis unter den deutschen Schafrassen: "hochbeinig, schlichtwollig, hornlos, ganz in weiß mit einem aparten, schwarzen, schmalen Nofretetekopf, unbewollt bis hinter die Ohren". Die 72 bis 85 cm hohen Tiere werden 60 bis 70 Kilo schwer. Damit aber beginnen für viele Schafhalter auch schon die Nachteile dieser Rasse.

Jahrelang wurde ausschließlich auf Gewicht gezüchtet. Fleischrassen, wie das schwarzköpfige Fleischschaf, erreichen in kürzerer Zeit ein bis zu 30 % höheres Schlachtgewicht. Auch benötigt das Rhönschaf zum Erreichen der Fortpflanzungsfähigkeit etwa 1 ½ Jahre, über ein halbes Jahr länger als andere Hochleistungsrassen. Die Zahl der Zwillingsgeburten ist gut, aber prozentual niedriger als z.B. beim Milchschaf.

All dies führte dazu, dass die Anzahl der Rhönschafe über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich sank. Anfang der 80-iger Jahre gab es in der hessischen und bayerischen Rhön kaum mehr als eine Handvoll Hobby- und Nebenerwerbszüchter. Bundesweit allerdings war das Rhönschaf zu keinem Zeitpunkt vom Aussterben bedroht. Weit über die Grenzen der Rhön hinaus gab und gibt es Herden: in Rheinland-Pfalz, Westfalen, Niedersachsen, Brandenburg, dem Vogtland, in Bayern und Hessen und in Polen stehen Rhönschafherden.

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Die Renaissance des Rhönschafes in der Rhön

Eingeleitet wurde die Rückbesinnung auf diese alte heimische Rasse in der Rhön durch die Züchter Ellen und Johannes Hennesen, die in den 70er Jahren erfolgreich eine kleine Rhönschaf-Herdbuchherde aufbauten. 1987 erkannte der Bund Naturschutz Bayern die Bedeutung des Rhönschafs für die Landschaftspflege und die Offenhaltung der wertvollen Bergwiesen am Ostabfall der Langen Rhön. Inzwischen unterhält der BN Bayern eine Rhönschafherde von 300 Muttertieren in Ginolfs. Eine Erzeugergemeinschaft aus 5 Nebenerwerbslandwirten hält dort weitere 800 Muttertiere.
Mit der Anerkennung der Rhön als Biosphärenreservat, verbunden mit dem Ziel, regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken, verbesserten sich auch die Chancen für das Rhönschaf. Über Produktinformationen und Verkostungen wurde bei Gastronomen und Schäfern für die alte Haustierrasse geworben. Seit Mitte der 90er Jahre stehen Rhönschafgerichte immer häufiger auf den Speisekarten der Rhöner Gastwirte. Ganz wesentlich zum Erfolg hat auch die Rückbesinnung auf regionale Spezialitäten beigetragen. Längst hat das Rhönschaffleisch die lange Zeit bestehenden Vorurteile überwinden können und erobert als regionale Spezialität die heimische Gastronomie.

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Das Rhönschaf-Projekt des BUND-Hessen

Rhönschafherde

Mit dem Tod des Herrn von Buttlar stand in Riede ein Herdbuch-Rhönschafherde zum Verkauf an. Eine Rhönschafherde, die in ihren Ursprüngen auch auf Zuchttiere aus dem oberen Ulstertal zurückgeht! Nachweislich wurden von Herrn von Buttlar in den 50er Jahren Rhönschafe des Ulstertales aufgekauft. Durch die nunmehr gelungene Rettungsaktion kann daher auch angenommen werden, daß hier eine Rückkehr von Rhönschaf-Urenkeln in ihre alte und neue Heimat stattfand.
Die Hessische Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön erhielt im Sommer 1997 Kenntnis vom geplanten Verkauf der Herde. Da seitens der Erben auch über Anzeigen in den bundesweiten Schäferzeitungen kein Käufer gefunden werden konnte und die Auflösung der Herde unmittelbar bevorstand, wurde gemeinsam mit dem BUND Hessen ein Finanzierungskonzept entwickelt. Zunächst wurden die 250 Schafe durch einen privaten Kreis von Rhönschaf-Freunden für 30.000 DM erworben.
Der seit 1990 in Wüstensachsen ansässige junge Schäfer Dietmar Weckbach, welcher bislang eine rund 400 Kopf starke Mischlingsherde führte, wurde gewonnen, die Herdbuchherde weiterzuführen. Unterdessen wurde seitens des BUND mit der Stiftung Hessischer Naturschutz und der Firma Förstina, einem bedeutendem Mineralbrunnen in der Rhön, Kontakt aufgenommen.
Mit Unterstützung des 1. Vorsitzenden der Stiftung Hessischer Naturschutz, Herr Staatssekretär Fromm und Förstina, konnten schließlich die benötigten 30.000 DM aufgebracht werden, um die Herde endgültig in das Eigentum des BUND Landesverbandes Hessen zu überführen. Heute wird die Herde von Herrn Weckbach als Bewirtschafter betreut. Herr Weckbach hat sich verpflichtet, seine eigene Herde Zug um Zug zu reduzieren und auf eine Haltung reinrassiger Rhönschafe umzustellen. Dank erfolgreicher Nachzuchten und dem Einbringen eigener Rhönschafe zählt die Herde bis Ende 1999 über 500 Muttertiere.

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Schäfer Weckbach verbreitet die Kunde vom Schäferhandwerk (Foto: Reiner Cornelius)
Schäfer Weckbach verbreitet die Kunde vom Schäferhandwerk (Foto: Reiner Cornelius)

Flankierende Maßnahmen

Parallel zur Übernahme der BUND-Herde verlagerte Schäfer Weckbach seinen Betriebssitz nach Wüstensachsen. Als ehemaliger bayerischer Wanderschäfer bewirtschaftet er nun einen Betrieb mit gegenwärtig 120 ha ökologisch wertvollster Grünlandflächen.

Umweltbildung und touristisches Maskottchen

Rhönschaf in der Herde, Foto: BUND Kreisverband Fulda
Rhönschaf in der Herde, Foto: BUND Kreisverband Fulda

Längst ist das Rhönschaf zu einem touristischen Werbeträger für die Rhön geworden. Was die Heidschnucke für die Lüneburger Heide ist, das ist das Rhönschaf für die Rhön. Kaum ein Urlauber, der nicht nach dem Standort der Rhönschafherde fragt. Bei Kindern erfreuen sich Rhönschaf-Plüschtiere größter Beliebtheit. Der Verzehr von Rhönlammbraten oder Rhönlammbratwürstchen ist Kult.

Besuchergruppen und Schulklassen nehmen gerne sein Angebot zur Hofbesichtigung an und lassen sich über das Rhönschaf, die Pflege der Kulturlandschaft, die Vermarktung und die Bedeutung der Schafhaltung für den Naturschutz informieren. In einer Zeit, in der bei weiten Bevölkerungsschichten ein hohes Umweltbewusstsein vorhanden ist, gleichzeitig aber der Bezug und das Verständnis zur notwendigen Nutzung der Natur immer mehr wegbricht, ist dies ein zentrales Umweltbildungsangebot im Biosphärenreservat Rhön.
Hier kann in eindrucksvoller landschaftlicher Umgebung der zunehmenden Naturentfremdung entgegengewirkt werden, welche mit einem oberflächlichem Naturbekenntnis und einer immer tiefer gehenden Unfähigkeit zum Naturerlebnis einhergeht. Dem charismatischen jungen Schäfer gelingt es dabei immer wieder, seine Zuhörer zu begeistern. Selbst Gruppen mit Rollstuhlfahrern scheuen nicht die Fahrt auf die holprigen Bergweiden.

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Probleme

Mit der Sicherung der Rhönschafherde ist das begonnene Projekt nicht abgeschlossen. Eine Reihe von Problemen und Aufgaben sind zu lösen. Einige davon sollen nachfolgend genannt werden:

Silagegewinnung
Die Winter in der Rhön sind lang. Meist stehen die Tiere von November bis Ende April im Stall. Das bedeutet, dass vom Schäfer in großem Umfang für Winterfutter gesorgt werden muss. Rückblickend auf den überwiegend verregneten Sommer 1998 wird deutlich, dass allein über die Heumahd die notwendige Menge an Raufutter kaum zu erzeugen ist. Den heutigen betriebswirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung tragend, werden vom Schäfer 45 ha zur Silagegewinnung genutzt. Dies hat, ohne Frage, Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Hier gilt es, in den nächsten Jahren über ein landwirtschaftliches Pflege- und Nutzungskonzept, evtl. in Verbindung mit Vertragsnaturschutz, eine Harmonisierung der betriebswirtschaftlichen Interessen wie auch denen des Naturschutzes zu erreichen.

Vermarktung der Schafe
Ohne eine eigene Vermarktungsinitiative kommt der Schafhalter heute nicht mehr aus. Viehhändler drücken die Preise für ein Jungtier auf unter 50 €. Unter Züchtern wird für ein solches Herdbuchschaf immerhin bis zu 150 € erlöst. Ansonsten sind höhere Erlöse nur bei der Fleischvermarktung in Zusammenarbeit mit Privatkunden und der heimischen Gastronomie möglich. Gerade hinsichtlich der Zusammenarbeit mit der heimischen Gastronomie haben sich für die Schäfer hoffnungsvolle Perspektiven ergeben. Gerade in diesem Bereich der Vermarktung sowie im Marketing sieht das Biosphärenreservat für die Zukunft eine wichtige Aufgabe.

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Und der Naturschutz?

Die Rhön

In der landwirtschaftlichen Ungunstlage der Rhön sind die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft äußerst schwierig. Auch die Einrichtung des Biosphärenreservats hat das Höfesterben nicht aufhalten können. Wenngleich heute noch 100 % der Fläche bewirtschaftet wird, hat sich in den letzten 5 Jahren die Anzahl der Betriebe um 20 % reduziert. Schäfer Weckbach bietet bei einer solchen Entwicklung die Perspektive, einen wichtigen Beitrag für den Erhalt des charakteristischen Landschaftsbildes des "Landes der offenen Fernen" zu leisten. Durch die extensive Beweidung mit Rhönschafen und deren guter Futterverwertung sowie gehölzverbeißender Eigenschaften können hohe Folgepflegekosten vermieden werden. Das heute vielfältige Grünlandmosaik des oberen Ulstertals mit seinen Lesesteinwällen, den Gebüschsäumen, Waldarealen und zum Teil blocküberlagerten Weiden kann so auf der gegenwärtig bewirtschafteten Fläche von 120 ha gesichert werden.
Die Schafhaltung mit ihrem Festmist verhindert auch die Ausbringung von Gülle auf den talwärts gelegenen befahrbaren Wiesen.
Das Vorhandensein des Schäfers eröffnet auch die Perspektiven, sensible, als Naturschutzgebiet und Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Borst- und Magerrasen, sachgerecht zu beweiden. Es sind wertvolle Grünlandbereiche, die vom Schäfer genutzt werden, wie die Hanglagen des Stirnbergs, das Hölltal oder die Hänge des Ehrenbergs. Der Wanderer trifft in diesen Bereichen sowohl auf Türkenbund, Akelei, Trollblumen oder auch auf eine Vielzahl von Knabenkräutern. Auch die Charakterpflanze der Rhön, die Silberdistel, ist vereinzelt zu finden. In Teilbereichen konnten sich auch noch Vorkommen des Fransenenzianes halten.
Daneben sind die Weiden Lebensraum für Wiesenpieper, Bekassine und Dorngrasmücke. Raubwürger und Neuntöter sind hier und auf den noch höher gelegenen Gemeinschaftshuten regelmäßig anzutreffen. Auch eine Reihe von seltenen Schmetterlingen wie der Schwalbenschwanz, der Trauermantel oder der Eisvogel haben hier Rückzugsgebiete gefunden.

So profitieren vom Rhönschaf-Projekt nicht nur die Landwirtschaft und der örtliche Fremdenverkehr, sondern auch der Naturschutz. Für das Biosphärenreservat stellt das Projekt unter dem Leitbild "Schutz durch Nutzung" ein wichtiges Modell dar, um Ökonomie und Ökologie, auch unter der Zwangsläufigkeit von Kompromissen, zu harmonisieren.

Jörg Nitsch

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Spendenkonto Rhönschaf-Projekt

Sie können mit einer Spende an den Bund Naturschutz, der bayerischere Landesverband des BUND, der sich bereits seit 1985 mit Rhönschafprojekten engagiert, und den BUND Hessen dazu beitragen, dieses oder ähnliche Projekte zu unterstützen.

Bitte überweisen Sie auf das Konto:

BUND Landesverband Hessen e.V.
Konto 369853
BLZ 500 502 01
Frankfurter Sparkasse

Ab 50,- Euro erhalten Sie eine Spendenbescheinigung von uns, darunter gilt der Einzahlungsbeleg als Nachweis für das Finanzamt. Bitte geben Sie für Spendenquittungen Ihre Adresse auf der Überweisung an.
Über Dauerspenden freuen wir uns besonders.

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Weitere Informationen

Der hessische Rundfunk interviewt die BUND-Rhönschafe (Foto: Reiner Cormelius)
Der hessische Rundfunk interviewt die BUND-Rhönschafe (Foto: Reiner Cormelius)


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