BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Ein gefährliches Leben

Heute kaum mehr vorstellbar, aber noch vor 150 Jahren war die Wildkatze fast überall in Europa häufig. Mittlerweise ist die Waldbewohnerin an vielen Orten verschwunden oder vom Aussterben bedroht. Nachdem erst die Jagd ihre Anzahl dezimierte, macht ihr nun die intensive Nutzung der Landschaft das Leben schwer.

Früher: Verfolgt und bejagt

„Ein Raubtier, das sich sogar am Reh vergreift!“ Mit falschen Aussagen wie dieser wurde im 19. Jahrhundert in Deutschland die Jagd auf die Wildkatze ausgerufen. Innerhalb weniger Jahrzehnte war sie als vermeintliche Konkurrentin des Menschen beinahe ausgerottet. Nur in abgelegenen Rückzugsgebieten konnten noch einige wenige der scheuen Tiere überleben. Vor rund 70 Jahren wurde die Jagd auf die Wildkatze verboten.
Problematisch bleiben der Abschuss von verwilderten Hauskatzen aufgrund der Verwechslungsgefahr sowie der Einsatz von Fallen. Die Verluste durch die Jagd sind heute aber vergleichsweise gering.

Heute: Verdrängt und überfahren

Agrarlandschaft in Süddeutschland (Foto: Thomas Stephan)
Ausgeräumte Agrarlandschaften bieten keine Deckung (Foto: Thomas Stephan)
Autobahnkreuz: Hindernis und Todesfalle zugleich! (Foto: Thomas Stephan)
Autobahnkreuz: Hindernis und Todesfalle zugleich! (Foto: Thomas Stephan)

Industrie, Wohngebiete, Äcker … Die Nutzungsansprüche an unser Land sind immens. Nur ein kleiner Teil des einstigen „Waldlandes” Deutschland ist heute noch mit Wald bedeckt, das meiste davon wird forstwirtschaftlich genutzt. Der Wildkatze bleiben nur wenige geeignete Rückzugsräume, die verstreut und isoliert wie Inseln im Meer liegen. Die dort lebenden Vorkommen sind klein und dadurch anfällig für Inzucht und Krankheiten. Eine Ausbreitung in neue Reviere ist für die wanderfreudige Wildkatze aber unmöglich. Die ausgeräumten Landschaften bieten ihr keinerlei Deckung. Straßen stellen eine Todesfalle dar, wie die vielen Totfunden jedes Jahr belegen.

Von Windkraftanlagen im Wald geht nach derzeitigem Wissensstand keine Gefahr für Wildkatzen aus, allerdings können kurzfristige „Scheucheffekte” in der Bauphase nicht ausgeschlossen werden.

Morgen: Grüne Korridore statt Roter Liste?

Wildkatze läuft auf Baumstamm (Foto: Thomas Stephan)
Wildkatze (Foto: Thomas Stephan)

Ohne eine Vernetzung ihrer Lebensräume und die Möglichkeit zur Ausbreitung hat die Wildkatze auf Dauer keine Chance! Bereits jetzt gehört sie zu den seltensten einheimischen Säugetierarten und steht in der Roten Liste Deutschlands als „gefährdet“. Von wichtigen internationalen Abkommen wie der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) wird sie streng geschützt.

Doch die Unter-Schutz-Stellung hilft nur, wenn daraus auch aktives Handeln erwächst!

Durch grüne Korridore zwischen Waldgebieten kann die Wildkatze wieder unbeschadet auf Wanderschaft gehen. So können neue Gebiete besiedelt und der notwendige genetische Austausch zwischen den isolierten Populationen gefördert werden.

Quelle: http://www.bund-hessen.de/themen_und_projekte/natur_und_artenschutz/rettungsnetz_wildkatze/steckbrief_wildkatze/gefaehrdung/