Was hat den Steinkrebs an den Rand des Aussterbens gebracht?
Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich in ganz Europa die Krebspest, ein Fadenpilz, der hochinfektiös ist und dem die heimischen Krebsarten bislang keine Abwehrkräfte entgegensetzen können, was zum raschen Tod der befallenen Tiere führt. Die aus Nordamerika Anfang beziehungsweise Mitte des letzten Jahrhunderts eingeführten Kamber- und Signalkrebse sind resistent gegen die Krebspest, so dass sie zum einen als direkte Lebensraum-Konkurrenten, zum anderen als Überträger der Krebspest den heimischen Großkrebsen kaum noch eine Chance auf Regeneration ihrer Bestände lassen.
Allesfresser mit langem Leben und vielen Nachkommen
Der Steinkrebs paart sich im Herbst. Die Weibchen tragen die etwa 50 Eier unter dem Schwanzfächer, der dabei eingeklappt wird. Doch erst im Juni des darauffolgenden Jahres schlüpfen die Larven und nach etwa zwei Wochen haben sich daraus die Jungkrebse entwickelt, die mehrere Häutungen durchmachen, um zu wachsen. Geschlechtsreife erlangen sie allerdings erst mit drei bis vier Jahren. Sie können bis zu zwölf Jahre alt werden, was für ein wirbelloses Tier ein stolzes Alter bedeutet.
Der Steinkrebs ist dämmerungs- und nachtaktiv. Als Allesfresser ist er dann auf der Suche nach Wasserinsekten beziehungsweise deren Larven, ebenso nach Kleinkrebsen, aber er verschmäht auch Aas ebenso wenig wie Wasserpflanzen oder ins Wasser gefallenes Laub.
Feinde und Gefahren für den Fortbestand der Art
Feinde hat der Steinkrebs viele in allen Entwicklungsstadien. Larven und Jungkrebse werden von der Wasseramsel gefangen, aber auch von Fischen, die sich als Beutegreifer betätigen. Die großen Beutegreifer unter den Fischen können auch einem ausgewachsenen Steinkrebs gefährlich werden und auch der Graureiher verschmäht die Krustentiere nicht. Aber all diese Feinde stellen keine ernsthafte Bedrohung für eine intakte Krebspopulation dar.
Gefährlich für den Steinkrebs sind dagegen neben der Krebspest ins Gewässer gelangende Insektizide, denen gegenüber die Art äußerst empfindlich ist. Es ist trotz aller Schutzbemühungen sehr fraglich, ob es gelingen wird, die verbliebenen Populationen zu sichern und eines Tages auch wieder zu verbreiten.