Weshalb betätigt sich der Sonnentau als Fleischfresser, wo er doch wie andere Pflanzen auch in der Lage ist, mit Hilfe des Sonnenlichts in seinen grünen Blättern Nährstoffe selbst herzustellen? Nun, er hat ein entscheidendes Problem: In dem Untergrund, auf dem er wächst, sind so gut wie keine Stickstoffverbindungen vorhanden. Torfböden sind extrem nährsalzarm. Die im Torfboden fehlenden Stoffe holt sich der Sonnentau also aus den von ihm gefangenen und verdauten Tieren. Insofern verwundert es auch nicht, dass er ein sehr schwach ausgeprägtes, nur wenige Zentimeter tief reichendes Wurzelsystem hat, das in erster Linie der Verankerung dient und der Wasserversorgung, die im Moor kein Problem darstellt.
Der Sonnentau überwintert nach Rückbildung der Blätter in einer Winterknospe, aus der er ab Mai wieder auskeimt und im Juni und Juli kleine, weiße und duftende Blüten auf etwa 20 Zentimeter langen Stängeln treibt. Die Blüte bildet zahlreiche, kleine Samen zur Verbreitung der Pflanze.
Der Sonnentau ist sehr selten geworden; er gehört zu den vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten. Das liegt zum einen daran, dass sein Lebensraum durch Torfgewinnung und Trockenlegung großflächig vernichtet wurde und immer noch wird, zum anderen an dem vermehrten Stickstoffeintrag durch den Ausstoß von Stickoxiden aus den Verbrennungsmotoren der Autos. Den Stickstoff nutzen die Konkurrenten des Sonnentaus und verdrängen ihn damit durch schnelleres Wachstum.