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Kletterkünstler par excellence: Der Kleiber

Der Kleiber (Sitta europaea) ist der unumstrittene König der Kletterkunst in der Vogelwelt. Während Spechte und Baumläufer ihren Schwanz zur Unterstützung beim Klettern benötigen und immer nur aufwärts oder vorwärts klettern, hält sich der Kleiber alleine mit seinen Füßen fest und schafft es mühelos, sogar kopfüber an einem Ast entlangzulaufen oder ihn spiralförmig zu umkreisen. Am Baumstamm sieht man ihn häufig mit dem Kopf voran in Abwärtsbewegung. Diese Fähigkeit kommt ihm bei der systematischen Futtersuche sehr zupass.

Kleiber – auch kopfüber sicher unterwegs (Foto: Herwig Winter)
Kleiber – auch kopfüber sicher unterwegs (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Charakteristisch ist der lange, spitze Schnabel, der zum einen als Pinzette dient, um Insekten und deren Larven aus Ritzen und Löchern im Holz zu ziehen, zum anderen aber auch als Meißel, um Baumrinde zu entfernen und so an Beute zu gelangen oder um Samenschalen zu knacken.

Der Kleiber hat etwa die Größe eines Haussperlings. Die Färbung seines Gefieders ist allgemein eher blass, auf der Oberseite blaugrau und auf der Unterseite ockerfarben bis rostrot. Auffällig sind große, weiße Flecken auf den Schwanzdecken seines vergleichsweise kurzen Schwanzes und ein schwarzer Augenstreif. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt.

Der Name kennzeichnet sein Handwerk

Als Kleiber bezeichnete man im Mittelhochdeutschen Handwerker, die Lehmwände errichteten. Der Kleiber baut zwar keine Wände, aber er benutzt feuchten Lehm, den er mit seinem Schnabel festklopft, um damit den Eingang seiner Bruthöhle genau auf die Größe zu verengen, dass er gerade noch durchschlüpfen kann. Dadurch hält er sich Nistplatzkonkurrenten wie den Star vom Leib oder Nesträuber wie beispielsweise Marder von seiner Brut fern. Aber er schafft es auch immer wieder, einem viel größeren Specht dessen frischgezimmerte Höhle abspenstig zu machen. Die Bezeichnung Spechtmeise, die man in der Literatur für den Kleiber finden kann, wird ihm dagegen weniger gerecht. Er ist nämlich weder mit den Spechten noch mit den Meisen verwandt, weist aber durchaus Eigenschaften der beiden Gattungen in Bezug auf Verhalten und Aussehen auf.

Kleiber (Foto: Herwig Winter)
Kleiber (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Beim Nestbau eher liederlich

Von einem Nest kann man beim Kleiber eher nicht sprechen. Es handelt sich lediglich um Rindenstücke und trockene Blätter, die auf den Boden der Bruthöhle geschichtet und auf denen die fünf bis neun Eier abgelegt werden. Wobei der Kleiber unter den Singvögeln einer der ersten im Jahr ist, der mit seiner Brut oft schon Ende März beginnt. Das Weibchen bebrütet die Eier etwa zweieinhalb Wochen lang, die dann schlüpfenden Jungen werden ungefähr dreieinhalb Wochen von beiden Eltern mit Insekten und deren Larven gefüttert, um dann auszufliegen. Der Kleiber macht nur eine Brut im Jahr.

Waldbewohner in ganz Europa

In Mischwäldern oder Parks mit altem Baumbestand ist der Kleiber in ganz Europa anzutreffen. Er ist sehr standorttreu und er lässt seine laut pfeifende Stimme das gesamte Jahr über hören, besonders aber in der beginnenden Balzzeit im März. Der Kleiber gehört, obwohl ihm und seiner Brut zahlreiche Beutegreifer wie Sperber, Marder, Elstern, Eichelhäher und Krähen nachstellen, zu den noch häufigen und nicht bestandsgefährdeten Vogelarten. Das hat sicher damit zu tun, dass er sich im Winter gut auf Samen aller Art als Nahrungsgrundlage umstellen kann und dass er eine hohe Reproduktionsrate aufweist.

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