Wer als Insektenlarve wachsen und sich häuten will, muss viel fressen. Und da sind die Eintagsfliegenlarven nicht wählerisch. Sie weiden Algenteppiche von Steinen genauso ab wie sie totes organisches Material fressen, ob es nun von ins Wasser gefallenen Blättern oder verendeten Fischen oder sonstigen Lebewesen stammt. Hin und wieder fallen manchen von ihnen auch Kleinstlebewesen wie zum Beispiel Wasserflöhe zum Opfer.
Doch viel häufiger werden sie selbst zum Opfer, denn die Feinde der Eintagsfliegen zu Wasser, zu Land und in der Luft sind Legion. Bereits die gerade aus dem Ei geschlüpften Larven werden von anderen im Wasser lebenden Larven beispielsweise von Libellen oder Schwimmkäfern gefressen. Kaum sind sie nach einigen Häutungen etwas größer geworden, stellen ihnen kleine Fische ebenso nach wie die Wasseramsel bei ihrer Unterwasserjagd. Und wenn sie sich anschicken, sich nach der vorletzten Häutung in flugfähige Insekten zu verwandeln, werden sie schon von Gebirgsstelzen erwartet, die am Bachufer patrouillieren. Haben sie es schließlich geschafft, sich in die Luft zu erheben, ist sogleich eine wahre Armada an fliegenden Jägern hinter ihnen her: Schwalben und Libellen am Tag und Fledermäuse in der Nacht. Und rund um die Uhr müssen sie sich in acht nehmen vor den zahllosen Spinnennetzen im Geäst der Uferpflanzen. Gegen so viele Feinde hilft nur ein Rezept: Eine Vermehrungsrate, die so gewaltig ist, dass selbst das größte Heer an Feinden immer nur einen Teil der Population erwischt.
Fällt dann eine Eintagsfliege nach der Paarung sterbend ins Wasser, sind die Forellen schon zur Stelle. Das ist die beste Zeit für das Fliegenfischen, das unter Anglern als die hohe Kunst des Angelns betrachtet wird, denn es gilt, mit gut gewählten Attrappen am Haken die Schnur so auszuwerfen, dass der Forelle das Herabfallen einer Eintagsfliege vorgegaukelt wird, sie hochsteigt und zupackt.