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Erschwindelt Dienstleistungen: Die Bienen-Ragwurz

Blüte der Bienen-Ragwurz (Foto: Herwig Winter)
Blüte der Bienen-Ragwurz (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Insektenbestäubende Pflanzen zahlen für Dienstleistungen stets unverzüglich. Die Währung, in der der Überbringer des Pollens entlohnt wird, heißt Nektar. Süßer Blütensaft für die Botentätigkeit, ein fairer Handel. Nicht so bei der Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), der diese Währung völlig unbekannt ist. Sie arbeitet vielmehr mit einem Trick, den man aus der Sicht des Pollenbotens nur als üblen Schwindel bezeichnen kann.

Pflanzlicher Heiratsschwindel

Die Unterlippe der Blüte ist in Form und Farbe dem Körper des Bestäubers angeglichen und ähnelt im Fall der Bienen-Ragwurz einer Reihe von Wildbienenarten. So werden beispielsweise Hornbienen beobachtet, deren Männchen sich auf der Suche nach einem paarungsbereiten Weibchen durch die Bienen-Ragwurz täuschen lassen und den Begattungsversuch auf der Unterlippe der Blüte starten. Dabei wird ihnen gleich ein ganzes Pollenpaket (die so genannten Pollinien) auf den Rücken geklebt, das der verführte Bienenmann dann möglicherweise sofort zur nächsten Ragwurzblüte transportiert. Doch weitaus häufiger beschreiben Botaniker bei der Bienen-Ragwurz den Vorgang der Selbstbestäubung beziehungsweise die Tatsache, dass oft nur rund 10% einer Ragwurzpopulation überhaupt zur Bestäubung gelangt. Da eine einzige Blüte aber nach erfolgreicher Bestäubung ungefähr 10.000 winzige Samen produziert, ist für reichhaltigen Nachwuchs auf jeden Fall gesorgt.

Bienen-Ragwurz (Foto: Herwig Winter)
Bienen-Ragwurz (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Extrem gefährdeter Bestand

Dennoch gehört die Bienen-Ragwurz zu den seltensten und am meisten bedrohten Pflanzenarten in Deutschland. Das liegt an den hohen Ansprüchen, die sie an ihren Lebensraum stellt. Sie benötigt Halbtrockenrasen oder lichte Trockenwälder mit kalkreichem und lockerem Boden sowie einem milden Klima. Unter diesen Bedingungen blüht sie im Juni und Juli. Da ihr aber diese Bedingungen in Gegenden mit intensiver Land- und Forstwirtschaft mehr und mehr streitig gemacht werden, findet man sie meist nur noch in eigens für sie und ihresgleichen ausgewiesenen Naturschutzgebieten. Denn sie ist eigentlich eine Hungerkünstlerin, die mit wenig Wasser und noch weniger Nährsalzen, insbesondere Stickstoffverbindungen, ihr Auskommen hat. Wird der Standort jedoch gedüngt, wird sie binnen kürzester Frist durch Konkurrenten verdrängt, die mit Hilfe des Düngers ein rascheres und höheres Wachstum als sie an den Tag legen.

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