Der Angreifer ist nun plötzlich mit einem Gesicht konfrontiert; er blickt scheinbar einem Tier, das mindestens Eulengröße hat (der Körper des Falters kann zudem leicht mit dem krummen Schnabel einer Eule verwechselt werden), direkt in die Augen. Es lässt sich leicht vorstellen, was beispielsweise eine Amsel da für einen Schreck bekommt…
Mit 7 bis 8 cm Flügelspannweite übertrifft das Abendpfauenauge deutlich die Spannweite seines allseits bekannten Pendants. Das Tagpfauenauge hat nämlich nur eine Spannweite von 5 bis 6 cm und auch einen wesentlich schlankeren Körper. Doch der dicke und plump wirkende Körper des Abendpfauenauges ist wichtig, denn einmal aus der Puppe geschlüpft nimmt das Tier keine Nahrung mehr zu sich. Es muss also zeit seines Lebens, das allerdings nur einige Wochen dauert, mit den Nahrungsvorräten auskommen, die die Raupe bereits gebildet hat. Das ist wohl auch der Grund, weshalb die Raupe bis zu ihrer Verpuppung zu einem ziemlich stattlichen, Fingerdicke erreichenden Tier heranwächst, indem sie Unmengen von Blättern mit Vorliebe von Weiden und Pappeln in sich hineinfrisst.
Der in unseren Breiten meist im Mai aus der Puppe schlüpfende Falter hat dann nur noch die Aufgabe der Fortpflanzung. Die Weibchen senden Duftstoffe aus, die Männchen folgen dieser Duftspur, wobei das Riechorgan zu ganz außerordentlichen Leistungen in der Lage ist. Mit den Konzentrationen von Duftstoffen in der Luft, die einem Faltermännchen ausreichen um sein Weibchen finden, hätte selbst die modernste durch Menschen entwickelte Nachweistechnik wie beispielsweise ein Gaschromatograph Probleme.