Tiere im Nationalpark Kellerwald-Edersee

Der Grauspecht (Picus canus)

Grauspecht Männchen beim Füttern
Typisch beim Grauspecht: der rote Stirnfleck des Männchens



Der Grauspecht ist mit ca. 25 cm etwa so groß wie eine Amsel und kleiner als der ähnlich aussehende Grünspecht. Nur das Grauspecht- Männchen hat einen roten Stirnfleck und der schmale Bartstreif ist schwarz.

Der Grauspecht sucht wie der Grünspecht einen großen Teil seiner Nahrung auf dem Boden und wird deshalb auch Erdspecht genannt. Ameisen und ihre Puppen sind für beide Arten die wichtigste Nahrungsquelle. Der Grauspecht braucht aber auch auf dem Boden liegendes Totholz in seinem Lebensraum, das er nach holzbewohnenden Insekten absucht.

Holzpilze / Baumpilze



Strukturreiche Wälder mit alten Bäumen sind der bevorzugte Lebensraum des Grauspechts. Hier findet er Bäume zum Höhlenbau oder kann andere Spechthöhlen übernehmen.

Grauspechtmännchen mit Jungtier
Grauspechtmännchen mit Jungtier



Schon Ende Januar und besonders zum Höhepunkt der Balzzeit im April hört man seine Rufe - ein lachendes zum Ende hin abfallendes "gigigigügügü" - aber auch das charakteristische Trommeln. Dabei hämmern die Spechte in schnellem Takt auf klingende Äste - nicht zu verwechseln mit der Nahrungssuche im Holz.
Im Mai brüten Männchen und Weibchen in ca. 17 Tagen abwechselnd die 5-7 weißen Eier aus. In dieser Zeit ist es still in den Brutrevieren. Die zunächst völlig hilflosen Jungen sind nach ca. vier Wochen flügge und werden auch außerhalb des Nestes noch eine Weile gefüttert.

Fraßspur eines Spechtes
Fraßspur eines Spechtes



Grauspechte sind wie die anderen Spechtarten gut an ein Leben mit Bäumen angepasst. Der meißelartige Schnabel macht es möglich, Löcher in das Holz zu hacken, um an Insekten oder Baumsaft zu gelangen oder um Höhlen zu schaffen. An den Füßen gibt eine nach hinten drehbare Zehe Halt beim Klettern. Auch der kurze Schwanz wirkt als Stütze. Schließlich verfügen Spechte noch über relativ lange Zungen, mit denen sie in Ritzen und Spalten kleine Waldinsekten fangen können.

Der Grauspecht zählt zu den selteneren Vogelarten in Hessen, ist aber in den Mittelgebirgen flächendeckend verbreitet. Sein in den letzten Jahren rückläufiger Bestand wird mit mehr als 1.500 Brutpaaren angegeben.

Der Nationalpark Kellerwald-Edersee bietet für den Grauspecht einen idealen Lebensraum: Der ausgedehnte Buchenwald hat einen außergewöhnlich hohen Anteil an alten Bäumen: 37% der Bäume sind über 140 Jahre alt, im Landesdurchschnitt sind es nur 12%. Die Altersphase von Laubwäldern ist für viele Spechte der geeignete Lebensraum. Das Totholz mit der darin lebenden Insektenfauna ist besonders für den Grauspecht wichtig.

Landschaftsbild Waldwiese

Die kleinräumig in den Wald eingestreuten felsigtrockenen Steilhänge und die kleinen Waldwiesen verleihen dem Gebiet einen Strukturreichtum, den der Grauspecht ebenfalls benötigt. An offenen Wiesenbereichen und Waldrändern leben häufig Ameisen, die besonders zur Brutzeit eine wichtige Nahrungsquelle sind.

Im Nationalpark kann der Wald weiter in Ruhe alt werden und der einzigartige Lebensraum für die Grauspechte bleibt auf Dauer erhalten.

Weitere Informationen

Erhältlich bei:

© 2004 BUND Hessen
Text: Judith Dähne
Fotos: Julia Beltz (Totholz, Frassspur); Markus Schönmüller
(Landschaftsbilder); Herbert Zettl (Spechtbilder)
Gestaltung: Julia Beltz (Faltblatt)