Nationalpark Kellerwald-Edersee – der Buchennationalpark

Hier erfahren Sie mehr über die Rotbuche.

Unter Tiere im Nationalpark erfahren Sie mehr über den Grauspecht.

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Die Rotbuche (Fagus sylvatica)

Buchenblätter

Die Buche ist ein bis zu 40 m hoher Laubbaum. Die langen geraden Stämme sind häufig bis zu 20m astfrei und mit einer glatten hellen Rinde bedeckt. Aus spitzen rotbraunen Knospen entfalten sich im Mai die anfangs bewimperten, hellgrünen und eiförmigen Blätter und gleichzeitig beginnt die Blüte. Alle drei bis fünf Jahre können im Herbst die Fruchtbecher (Cupulae) mit den 2-3 dreikantigen Bucheckern, den Samen der Buche, gefunden werden. Im Schatten der Altbäume entwickeln sich daraus junge Buchen.

Buchenkeimling

Die Buche hat ihren Verbreitungsschwerpunkt hier in Mitteleuropa. Während der Eiszeit wurde sie in wärmere Gebiete verdrängt. Vor 9.000 Jahren begann die nacheiszeitliche Wiederverbreitung. Die Buche ist seit 4.000 Jahren der Waldbaum in Hessen. Ohne menschlichen Einfluss wäre sie fast überall verbreitet. Nur Standorte mit stärkeren Frostperioden, Spätfrösten, Dürre, Staunässe und Wechselfeuchte sagen ihr nicht zu. Hier können andere Baumarten wie Eiche oder Erle die Oberhand gewinnen.

Je nach Bodenbeschaffenheit tritt die Buche zusammen mit anderen Pflanzen auf, und es lassen sich verschiedene Pflanzengesellschaften unterscheiden. An sauren Standorten sind Hainsimsen die Begleiter, an nährstoffreichen Standorten kann man im Frühjahr Buschwindröschen, Waldmeister, Maiglöckchen oder Bärlauch entdecken und sogar Orchideen können an sonnigen, trockenen und häufig kalkreichen Standorten Begleiter der Buche sein.

Buchenwald

Natürlicherweise werden Buchen 300 bis maximal 500 Jahre alt. Im bewirtschafteten Wald werden Buchen nach 120-160 Jahren geschlagen. Ihr rötliches Holz, daher auch der Name Rotbuche, wird im Innenausbau und Möbelbau verwendet. In früheren Zeiten diente es als Brennholz und als Rohstoff für die Holzkohleherstellung. Bucheckern wurden an Schweine verfüttert oder es wurde Speiseöl daraus gewonnen.

Hessen ist Buchenland. Die Buche dominiert in 41% der Bestände, im Bundesgebiet sind nur durchschnittlich 14% der Waldfläche Buchenwald. Im Wirtschaftswald wurde statt der natürlicherweise vorkommenden Buche häufig die schneller wachsende Fichte gepflanzt.

Die Vitalität der Buche wird durch Luftschadstoffe stark beeinträchtigt, in Hessen wiesen 2003 41% der älteren Buchen einen Blattverlust von mehr als 25% auf.

Hainsimse
die weiße Hainsimse – typisch für den Buchenwald

Typisch für hessische Mittelgebirgslandschaften ist der Buchenwald saurer Standorte, der Hainsimsen- Buchenwald. Im Nationalpark Kellerwald-Edersee wird diese Waldgesellschaft erstmals auf größerer Fläche geschützt. Im Nationalpark wird der Wald sich selbst überlassen und kann in Ruhe alt werden. Schon jetzt hat er einen außergewöhnlich hohen Anteil an alten Bäumen: 37% der Bäume sind über 140 Jahre alt, im Landesdurchschnitt sind es nur 12%. Die Altersphase von Laubwäldern ist für viele Tiere ein wichtiger Lebensraum. Im Totholz leben viele Insekten, Nahrungsgrundlage für Vögel wie z.B. die verschiedenen Spechtarten.

Totholz

Umgefallene Bäume reißen Lücken in das Laubdach. Ein kleinflächiges Mosaik von Licht und Schatten entsteht. Lichtbedürftige Pflanzen und Tiere können sich ansiedeln. Das alte Holz wird mit der Zeit zersetzt, junge Bäume streben in die Lücke, ein altersgemischter Wald entsteht. Kleinräumig in den Wald eingestreute felsig-trockene Steilhänge und die kleinen Waldwiesen sorgen im Kellerwald zusätzlich für Strukturreichtum und bieten Lebensräume für eine vielfältige Tierwelt.

Der BUND Hessen und der Nationalpark

Bereits seit 1986 setzt sich der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. für einen Nationalpark zum Schutz des Ökosystems "Buchenwald auf bodensauren Standorten" ein. Noch im Winter 1999/2000 wurden alte Bäume im Gebiet des heutigen Nationalparks gefällt. Erst Aktionen der Umweltverbände sorgten für einen Einschlagsstopp. Seit dem 1.1. 2004 ist es nun endlich soweit: der Nationalpark Kellerwald-Edersee wurde begründet. Ein 5724 ha großes Waldgebiet kann, sich selbst überlassen, zu Urwald werden und Lebensraum für viele seltene Tiere bieten.
Der BUND ist in ganz Hessen aktiv für den Wald und für den Naturschutz – auch in Ihrer Nähe!

Weitere Informationen

Erhältlich bei:

© 2004 BUND Hessen
Text: Judith Dähne
Fotos: Markus Schönmüller (Hainsimse); Günther Schumann
(Buchenstämme, Totholz, Buchenblüten); Herbert Zettl (Keimling)
Gestaltung: Julia Beltz (Faltblatt)