Wiesbadener Erklärung des Aktionsbündnisses "Keine Gentechnik auf Hessens Feldern und in Hessens Lebensmitteln"

  • Aktionsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
  • ALNATURA
  • attac
  • Bioland
  • Bundesverband Naturkost
  • Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft
  • BUND
  • demeter
  • EUROTOQUES
  • FiBL
  • GREENPEACE
  • Naturland
  • tegut
  • Umweltbeauftragter der Ev. Kirche Kurhessen-Waldeck
  • Siebenkorn, die Bäcker
  • Vereinigung ökologischer Landbau

Wiesbaden, den 13. Oktober 2003

  • Die Zukunft der europäischen und deutschen Landwirtschaft liegt in der hohen Qualität ihrer Produkte und im Vertrauen der Verbraucher. Hierfür ist eine Landwirtschaft ohne Gentechnik die Basis. Auch zukünftig muss es deshalb möglich sein, ohne Gentechnik zu produzieren.
  • Über 70 Prozent der Verbraucher in der EU lehnen den Einsatz von Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmitteln ab, ca. 70 Prozent der Bauern wollen diese Risikotechnologie nicht einsetzen. Diesen Anliegen muss Rechnung getragen werden. Das Recht auf eine Ernährung ohne Gentechnik muss gesetzlich verankert und ein konsequenter Verbraucherschutz umgesetzt werden.
  • Das hessische Aktionsbündnis "Keine Gentechnik auf Hessens Feldern und in Hessens Lebensmitteln" sieht die Notwendigkeit, auch in Hessen eine Landwirtschaft ohne Gentechnik beizubehalten. Die kleinräumigen hessischen Strukturen lassen keine Koexistenz von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik zu, ohne das Risiko einzugehen, dass sich gentechnisch veränderte Organismen (GVO) auch auf die Felder ausbreiten, die eigentlich gentechnikfrei bleiben sollen. Gentechnik im Ernährungsbereich bringt ungeklärte Risiken für Anwender, Umwelt und Verbraucher mit sich und soll deshalb in Hessen nicht zum Einsatz kommen.
  • Produkte, die ohne Gentechnik hergestellt wurden, müssen ein Markenzeichen für hessische Qualität bleiben. Wir fordern die hessischen Landwirte deshalb auf, weiterhin auf den Einsatz von Gentechnik zu verzichten.
  • Der hessische Lebensmitteleinzelhandel und auch die Futtermittelindustrie werden aufgefordert, Lebens- und Futtermittel bzw. Rohstoffe ohne Gentechnik nachzufragen und durch ein breites Angebot von Produkten, die ohne Gentechnik hergestellt wurden, dafür zu sorgen, dass die Produktion von Genfood keinen Sinn macht.
  • Wir fordern die hessischen Grundeigentümer, insbesondere das Land, die Kommunen und die Kirchen auf, im Interesse der Werterhaltung von Grund und Boden, den Einsatz von gentechnisch verändertem Saat- und Pflanzgut auf ihren Flächen zu verhindern.
  • Wir fordern die hessischen Verbraucher auf, bei ihrem Einkauf konsequent Produkte nachzufragen, die ohne Gentechnik hergestellt sind. Damit können sie ihre Nachfrage - Macht so einsetzen, dass die Produktion von Genfood keinen Sinn macht.

Forderungen an die Politik

  • Die Hessische Landesregierung soll sich im Bundesrat dafür einzusetzen,
    • dass der Schutz einer Landwirtschaft, die ohne den Einsatz von Gentechnik produzieren will, sichergestellt wird - z.B. durch gentechnikfreie Zonen
    • dass klare und strenge Regeln für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen durchgesetzt werden,
    • dass die Verursacher von Schäden durch den Einsatz von Gentechnik die Folgekosten tragen und für entstandene Schäden haften
    • dass ein bundesweites Flächenkataster für den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen erstellt wird
    • dass eine Koordinationsstelle für das Monitoring von freigesetzten gentechnisch veränderten Organismen geschaffen wird
  • Das Aktionsbündnis fordert die hessische Landesregierung auf:
    • ein Schutzgesetz für die gentechnikfreie Landwirtschaft in Hessen zu verabschieden
    • die Überwachung der Landwirte, die Gentechnik in der Produktion einsetzen, sicherzustellen
    • die Lebensmittelüberwachung so zu stärken, dass die neuen Anforderungen der Verordnung für die Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebens- und Futtermittel umgesetzt werden
    • die hessischen Agrarmarketinginstrumente gezielt und schwerpunktmäßig zur Profilierung einer gentechnikfreien Landwirtschaft einzusetzen
  • Die EU-Kommission soll neue gentechnisch veränderte Sorten in Europa nicht eher zulassen, bevor es verbindliche und wirksame Regelungen zum Schutz einer Landwirtschaft, die auch in Zukunft ohne Gentechnik arbeiten will, gibt. Für die Verbraucher muss die Wahlfreiheit langfristig gewährleistet werden.
  • Die EU-Kommission will bei der Neufassung der Saatgut-Richtlinie eine hohe Verunreinigung des Saatgutes (bis 0,7 Prozent) mit GVO zulassen, ohne dass dies gekennzeichnet werden muss. Wir fordern die EU-Kommission auf, bei der neuen Saatgut-Richtlinie ein Reinheitsgebot für Saatgut umzusetzen. Wir fordern als Kennzeichnungspflicht die technische Nachweisgrenze von maximal 0,1 Prozent. Um die Erzeugung von Saatgut ohne Gentechnik zu gewährleisten, muss die EUKommission die Ausweisung von "gentechnikfreien Zonen" akzeptieren.
  • Wir fordern die Bundesregierung auf, dafür zu sorgen, dass der Schutz der Gesundheit, der biologischen Vielfalt und einer Landwirtschaft, die ohne Gentechnik produzieren will, in Deutschland sichergestellt wird. Wir brauchen klare und strenge Regeln für den Einsatz der Gentechnik, falls die EU genveränderte Pflanzen künftig für den Anbau zulassen sollte.
    Die Bundesregierung soll sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass bei Saatgut bereits ab einer Verunreinigung mit GVO von 0,1 Prozent gekennzeichnet werden muss.