Sehr geehrte Damen und Herren,
der BUND Kreisverband Groß Gerau vergibt seit Ende der 80er Jahre im zweijährigen Abstand den Umwelthammer. Mit diesem Preis sollen Menschen, Institutionen oder Firmen ausgezeichnet werden, die seit der letzten Preisverleihung einen herausragen Beitrag zur Zerstörung der Umwelt im Kreis Groß Gerau geleistet haben.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe BUNDmitglieder,
in diesem Jahr ehrt der Kreisverband Groß Gerau des BUND die Fraport AG. Leider hat die Fraport AG heute keine Möglichkeit, den Preis entgegenzunehmen. Herr Becker, den einige vielleicht kennen, sprach davon, dass man leider so viele internationale Preise bekäme, dass die Anwesenheit bei der Verleihung nicht immer gelingt.
Uns allen ist dieses Unternehmen ein Begriff. Mit dem Namen Fraport verbinden wir nicht nur Lärm, sondern auch Arroganz gegenüber den Problemen der Nachbarn und Anlieger. Mit der alten Bezeichnung FAG, Flughafen Frankfurt Main AG, sind die Auseinandersetzungen um die Startbahn 18-West untrennbar verbunden. Unter dem Namen Fraport will das Unternehmen nun an seine Tradition der Waldvernichtung anknüpfen.
Der Flughafen hatte 1935 bei bzw. kurz nach Gründung eine Fläche von 280 ha. 1955 betrug die Betriebsfläche des Flughafens 940 ha. 1975, nur 20 Jahre später, waren es schon über 1.200 ha. Hätte man 1935 einen Baum gepflanzt, vielleicht eine Eiche, dann hätte sie 1975 das zarte Jugendalter gerade verlassen - der Flughafen hatte sich in dieser Zeit in der Fläche vervierfacht.
1995 hatte der Flughafen schon eine Fläche von über 1.800 ha, die Eiche wäre vielleicht 30 m hoch, aber mit nun 50 Jahren noch lange nicht erwachsen. 2005, also im Alter von 70 Jahren will der Flughafen ein Betriebsgelände von weit über 2.000 ha haben. Er würde nach der Erweiterung größer sein als Hessens größtes Naturschutzgebiet, das Europareservat "Kühkopf-Knoblochsaue", das ca. 2.200 ha groß ist. Unsere zur Gründung des Flughafens gepflanzte Eiche wird dann wohl in zarter Jugend schon gefällt sein, wie so viele andere Bäume rund um den Flughafen. Denn wo einer so stark wächst, bleibt für andere und vor allem für Bäume und den Wald kein Raum.
Im Herbst 1997 begann die neue Diskussion um die Erweiterung des Frankfurter Flughafens. Wir erinnern uns sicher alle noch gut an die sog. Mediation. Mediation, so wurde uns gesagt, bedeutet das Herstellen von Verhandlungspositionen und die Identifikation der Interessen. Kennzeichen der Mediation sind Freiwilligkeit und die gemeinsame Entscheidung für die Problemlösung.
Der BUND hat sich gegen die vielen Widersprüche und Regelverletzungen, mit denen die Mediation begann und endete, gewehrt. Dafür wurden wir damals getadelt. Heute beklagt selbst Prof. Oeser, dass Fraport, die Lufthansa und die hessische Landesregierung sich nicht an die Regeln und die Vereinbarungen der Mediation halten.
Wer die heutige Pressemitteilung des Wirtschaftsministers zur Umsetzung des sog. Mediationsergebnisses kennt, der muss sich verwundert die Augen reiben. Die Hessische Landesregierung treibt den Ausbau einer neuen Bahn in Hessen voran, doch das Nachtflugverbot zwischen 23.00 und 5.00 Uhr soll nun die EU durchsetzen. Eine schöne Abfolge: Erst garantiert der Ministerpräsident das Nachtflugverbot, dann sagt der Wirtschaftsminister, dies ginge nur mit Zustimmung der Bundesregierung und nun soll die EU-Kommission zuständig sein.
Ministerpräsident Koch gibt beinah zeitgleich Interviews, in denen er behauptet, Fraport werde das Nachtflugverbot am Ende selbst beantragen. Das ist eine bemerkenswerte These: Fraport bittet die Landesregierung um ein Verbot. Der Ministerpräsident meint sicherlich etwas anderes. Fraport kann das Nachtflugverbot nämlich so wenig beantragen wie ein Häuslebauer ein Verbot zum Ausbau seines Dachstuhls. Man wird Fraport sagen müssen, wenn ihr zwischen 23.00 und 5.00 Uhr nicht fliegen wollt, dann müsst ihr selbst die Einschränkung eurer Betriebszeit beantragen. Und spätestens nun fragt man sich: Ja, warum tut Fraport dies nicht. Was soll denn diese ganze Diskussion um das Nachtflugverbot, wenn Fraport die Sache selbst so einfach selbst lösen kann.
Nun, man kann, nein man muss annehmen, dass Fraport nicht will. Denn der Aufsichtsrat mit dem Ministerpräsidenten an der Spitze hatte beschlossen, dass das Unternehmen nicht gegen ein Nachtflugverbot klagen wird. Zu einem Antrag auf nächtliche Flugruhe haben sich der Vorstand und der Aufsichtsrat von Fraport bisher nicht geäußert. Nachdem die Garantie zum Nachtflugverbot des Ministerpräsidenten schon eine Bauchlandung erlebt hat, dürfen wir gespannt sein, ob seine neuerliche Ankündigung mehr als eine lahme Ente ist.
Liebe Anwesende,
die Preisverleihung richtet sich insbesondere auch deshalb an Fraport, weil das Unternehmen in seinen Unterlagen zum Raumordnungsverfahren immer wieder unterschiedliche Flächengrößen zur Waldinanspruchnahme formuliert. Fraport hat weder Respekt vor dem Bannwald noch vor den Regeln des Rechtsverfahrens.
Die UVS stützt sich auf folgende Totalverluste von Wald (Band 05.6.2, Seite 199, Tab. 6-4
| NW-Variante | NE-Variante | S-Variante |
Summe | 328 | 383 | 407 |
In Band 03.3.7, Seite 80 sind dagegen folgende Werte nachlesbar
| NW-Variante | NE-Variante | S-Variante |
Summe | 333 | 475 | 582 |
An einer dritten Stelle, der Waldsynopse werden wieder andere Zahlen präsentiert: Für die NW - Variante wird z. B. mitgeteilt, dass es zu einem Verlust von 190 ha kommt, für die NE - Variante sollen es 254 ha sein und für die S-Variante von 285 ha (G.2. Waldsy
| NW-Variante | NE-Variante | S-Variante |
Summe | 190 | 254 | 285 |
Die Unsicherheit über den Umfang der Waldinanspruchnahme wird noch verstärkt, weil die Planung zu Einzelpunkten keine nachvollziehbaren Aussagen trifft.
- Standort, Lage und Zufahrtswege der notwendigen zusätzlichen Feuerwehrstation ist für alle Varianten unklar.
- Die Position des zusätzlichen Flugsicherungsgebäudes ist unklar.
- Wurde die Verlegung des E-Werkes bei der NW-Variante einbezogen? - Woher kommt die Sicherheit, dass die Verlagerung keine zusätzlichen Stromtrassen erforderlich macht?
- Es ist die Umwandlung einer planfestgestellten Aufforstungsfläche am Fernbahnhof in Parkflächen vorgesehen. Die Bilanz unterschlägt diese Waldverlust in Höhe von ca. 5 ha.
- Die Haltestellen und Wendeschleifen für die Busanbindung des Bahnhofs Zeppelinheim werden nicht ohne Rodung von Bannwald möglich sein.
Den tollsten Bock findet man hinsichtlich der über 100 ha großen Fläche zwischen der geplanten Südvariante und dem heutigen Flughafengelände. Es sei, so Fraport, nicht klar, ob dieser Wald stehen bleiben könne.
Sehr geehrte Anwesende,
leider ist es damit immer noch nicht genug. Der BUND hatte in der Diskussion immer wieder darauf hingewiesen, dass zusätzliche Schadstoffbelastungen und Waldrodungen das überaus stark geschädigte Waldökosystem des gesamten Frankfurter Bannwaldes und weiterer Flächen gefährdet. Wir wissen durch die Veröffentlichungen der Landesforstverwaltung, dass der Wald im Rhein-Main Gebiet schon die Fortsetzung der heutigen Schadstoffbelastung nicht aushält. Die aus dieser Problematik anwachsende Bedrohung wird verdrängt, gerade weil der Prozess der Bodenversauerung bereits dramatische Züge angenommen hat. Rund um den Flughafen, aber vermutlich auch in anderen Bereichen wird aus den Böden schon das Aluminium freigesetzt. Aluminium ist in geringen Konzentrationen giftig. Die chemische Bodenzerstörung verläuft langsam und ihr Umfang ist derzeit kaum vorhersehbar. Sie stellt auch eine potentielle Gefahr für das Grundwasser und die Trinkwassergewinnung dar. Die Situation wird in den Raumordnungsunterlagen bestätigt. Trotzdem wird die Frage des Flughafenausbaus nicht unter diesem Gesichtspunkt behandelt. Begründung: Da der Prozess der Versauerung schon läuft und die Autos in Deutschland künftig weniger Schadstoffe herausblasen, ergibt sich kein Problem für den Flughafenausbau.
Diese Darstellung ist skandalös. Niemand hat berechnet, wie sich die Schadstoffeinträge in die hiesigen Waldökosysteme im Ausbaufall gegenüber heute oder einem Nichtausbau verändern. Statt Fakten werden in einer der wichtigsten Fragen der Raumordnung nur vage Thesen über einen - hoffentlich eintretenden - Bundestrend präsentiert, ohne Bezug zum Raum und zur konkreten Planung.
Sehr geehrte Damen und Herren,
diese Vorgehensweise ist ein Hammer und verdient den Umwelthammer.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Thomas Norgall
Naturschutzreferent des BUND Hessen