Die Zukunft des Waldes im Rhein-Main-Gebiet ist akut gefährdet!

Zusammenfassung des Vortragstextes von Thomas Norgall

(Naturschutzreferent des BUND Hessen)
für das 3. Umweltsymposium Rhein-Main am 24. Januar 2001 in Mörfelden-Walldorf

Es ist seit vielen Jahren bekannt, dass die Wälder im Rhein-Main-Gebiet sich großflächig auflösen. Ebenso ist bekannt, dass die jährlichen Säureeinträge die Pufferkapazität der Böden um voraussichtlich über 300 % übertreffen. Der Ausbau des Frankfurter Flughafens wird die wichtigsten Vorläufersubstanzen des Säureeintrags, die Stickstoffemissionen, nach einer Abschätzung in der sog. Mediation um über 80 % erhöhen. Dies wird den Auflösungsprozess der Wälder beschleunigen. Ob und in welchem Umfang diese Entwicklung die Trinkwassergewinnung beeinträchtigt wäre dringend zu prüfen. Angesichts dieser Entwicklung relativiert sich sogar die Bedeutung der Größe der direkten und indirekten Rodungsfläche.

Allein die unmittelbare Rodung für die neue Bahn soll nach Angaben der Flughafen AG zwischen 313 ha und 389 ha betragen. Andere Quellen nennen einen Flächenbedarf bis zu ca. 650 ha. Zur Rodungsfläche selbst müssen die umbrechenden Waldrandbereiche von derzeit unbekannter Größe addiert werden. Außerdem sind umfangreiche weitere Eingriffe durch zusätzlich notwendige Verkehrswege zu erwarten, deren Fläche durchaus der Rodungsfläche entsprechen kann.

Weitere Probleme ergeben sich aus der Fragmentierung der heutigen Waldflächen, da kleinere Waldflächen stets weniger Tier- und Pflanzenarten beherbergen als größere. Die so ausgelösten Veränderungen des Waldinnenklimas verschlechtern außerdem die Lebensbedingungen für typische Waldarten der Fauna und Flora.

Unklar ist auch, in welchem Umfang der Wald seine Fähigkeit als Schadstofffilter verliert und sich dann die kleinklimatische Belastungssitution der Siedlungen nachteilig verändert.

Obwohl seit Jahren bekannt ist, dass die Wälder im Rhein-Main-Gebiet sich auflösen, wurden die Konsequenzen für den Wald im sog. Mediationsverfahren ausgeklammert. Auch der politische Abwägungsprozess läßt eine Behandlung der ökologischen Zusammenhänge bisher nicht erkennen. Die Berücksichtigung der beschriebenen ökosystemaren Problemkreise im Genehmigungsverfahren wird auch aus der Erfahrung mit anderen Verfahren sehr skeptisch beurteilt. Sollte keine Behandlung erfolgen, ist aber damit zu rechnen, dass Betroffene diese Vorgehensweise gerichtlich überprüfen lassen werden.

1. Einleitung

Die Auseinandersetzung um den Bau der Startbahn 18-West legte den politischen Grundstein dafür, dass die Waldflächen rund um den Frankfurter Flughafen als Bannwald ausgewiesen wurden. In der Bannwalderklärung vom 06.07.1993 heißt es "Die Waldflächen ... werden ... als Bannwald ausgewiesen, weil sie wegen ihrer besonderen Bedeutung für das Gemeinwohl unersetzlich sind". Bannwald darf nach dem Hessischen Forstgesetz nicht gerodet oder in eine andere Nutzungsart umgewandelt werden.

Die Öffentlichkeit hat nach dem Beginn der neuerlichen Diskussion zur Erweiterung des Frankfurter Flughafens im Herbst 1997 gelernt, dass die Mehrheit des Hessischen Landtags die Sachlage heute anders beurteilt. Obwohl die ökologische Situation des Waldes im Rhein-Main-Gebiet sich in den letzten Jahren weiter verschlechtert hat und obwohl gleichzeitig die Bedeutung des Waldes zugenommen hat, soll *die Bannwalderklärung für den Ausbau des Flughafens aufgehoben werden.

Damit stellt sich erneut und mindestens so drängend wie vor 20 Jahren die Frage nach den Funktionen des Waldes in der europäischen Boomregion Rhein-Main. Die heutige Tagung fragt im Titel, ob der unser Wald noch eine Zukunft hat. Man kann festhalten, dass diese Zukunft ganz wesentlich davon abhängt, ob es gelingt, die ökologischen und sozialen Leistungen des Waldes im Ballungsgebiet in der laufenden Diskussion zu verdeutlichen. Einige der Fragen, die hierzu im Genehmigungsverfahren beantwortet werden müssen, sollen mit diesem Vortrag herausgearbeitet werden.

Wie wenig Interesse dem Wald und seiner Bedeutung in der Politik und den verschiedenen Lobby-Gruppen entgegengebracht wird, verdeutlicht auch die personelle Besetzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in der Mediation und im Regionalen Dialogforum. Statt eines Mitglieds der Forstgewerkschaft, das die ökologischen Fragen betonen könnte, wird der DGB vom Vorsitzenden der hessischen ötv, Gerold Schaub, vertreten. Herr Schaub ist gleichzeitig der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der FAG und damit dem Unternehmen in besonderer Weise verpflichtet. Im übrigen hat sich die viel gelobte Einrichtung "Mediation" i. W. darauf beschränkt festzustellen, wie man die nun für manche lästige Bannwalderklärung rechtsstaatlich einwandfrei entsorgen kann.

2. Zum bio-ökologischen Wert von Wäldern

Das Schrifttum zur bio-ökologische Bedeutung von Wäldern ist umfangreich. Allgemein bekannte Faktoren sind die Baumartenzusammensetzung, der Strukturreichtum, das Bestandesalter oder die Bestimmung der Pflanzengesellschaften und der Arten. Als wertbestimmende Kriterien weniger bekannt sind außerhalb von Fachkreisen das historische Alter und die Flächengröße.

Für biologische Fragestellungen, also insbesondere für das Vorkommen von Tieren und Pflanzenarten, aber auch für das Verständnis der Entwicklungsprozesse im Ökosystem Wald, spielt das historische Alter eines Waldes eine maßgebliche Rolle. Gerade die oft kleinen, unscheinbaren Tierarten der mitteleuropäischen Wälder mussten im Laufe ihrer Evolution kaum Strategien zur Art-Ausbreitung entwickeln. Ihre Verbreitungskraft ist deshalb oft gering und sie können schon an der Überquerung eines breiten Wirtschaftsweges scheitern. Solche Arten kommen nur in sehr alten Wäldern, die die mittelalterliche Waldverwüstung überdauert haben, vor. Diese Voraussetzung ist bei den Wäldern rund um den Flughafen gegeben. Als Jagdgebiet des Adels waren die Wälder dem Zugriff der Bevölkerung entzogen. Wälder, die seit nachweislich weit über 1.000 Jahren kontinuierlich Wald waren, sind in Deutschland selten. Bei der Bewertung von drohenden Eingriffen ist ein qualitativer und quantitativer Vergleich mit dem verbleibenden Rest historisch alter Wälder im Naturraum bzw. in Hessen unverzichtbar.

Etwas bekannter ist die Bedeutung der Flächengröße von Wäldern. Je größer ein zusammenhängender Lebensraum ist, desto größer ist die zu erwartende Artenzahl. In der Fachwelt spricht man von der sog. Arten-Areal-Kurve. Um die unterschiedliche Dynamik der verschiedenen Arten zu berücksichtigen, sollte sowohl die Waldfläche incl. der linienhaften Zerschneidungselemente (Wege, Versorgungsleitungen) als auch die Größe der völlig unzerschnittenen Teilflächen berücksichtigt werden. Auch hier gilt, dass der Vergleich mit der Situation im Naturraum bzw. im Bundesland Hessen letztlich erst die richtige Einschätzung erlaubt.

3. Waldzerstörung durch direkte Flächenreduktion

Die für ein Vorhaben benötigte Rodungsfläche ist oftmals der meistbeachtete Wert. Für die derzeit von der Flughafen Frankfurt Main AG noch diskutierten Ausbauvarianten wird eine Flächeninanspruchnahme von 313 ha (NW-Variante), 378 ha (NE-Variante) und 389 ha (S-Variante) angegeben. Um den Umfang der Zerstörung etwas bildlicher zu machen, sollen zwei Beispiele folgen:

  • Die geplante Flächeninanspruchnahme entspricht der Größe von 400 bis 500 Fußballplätzen.
  • Für den hier typischen Eichen-Hainbuchenwald läßt sich aus Literaturdaten eine Dichte von 100 Vogelbrutpaaren je 10 ha abschätzen. Je nach Variante wird also der Lebensraum für 3.000 bis 4.000 Brutpaare dauerhaft zerstört.

Die Stadt Offenbach geht in ihrer Stellungnahme vom 11.09.00 übrigens von einem Flächenbedarf aus, der um 180 bis 250 ha höher ist als nach den Angaben der FAG.

Tatsächlich können die vom Vorhaben ausgelösten weiteren Rodungen aber sogar größer sein als die unmittelbare Eingriffsfläche. Noch ist zum Beispiel völlig unklar, wie die Okrifteler Straße südlich des Flughafens verlegt werden soll. Auch die Konsequenzen für die Strom-Freileitung und die Okrifteler Straße im Bereich der NW-Variante sind unklar. Da die notwendige, zusätzliche Anbindung des Flughafens an das Verkehrsnetz noch nicht bekannt ist, sind hierzu nur Spekulationen möglich. Tatsache ist, dass die prognostizierte Zahl von 40 Tsd. neuen Arbeitsplätzen und über 80 Mio. Passagieren das vorhandene Verkehrsnetz überlasten und der Neubau bzw. die Erweiterung der Verkehrswege unverzichtbar sein werden.

Es ist bekannt, dass Waldbäume entlang frisch entstandener Waldränder vermehrt absterben. "Dies führt in den neu entstandenen Waldrandbereichen in einer Tiefe von bis zu mehreren 100 m vermehrt zu Windwurf, Sonnenbrand, Vergrasung und Bodenaushagerung" (Forstlicher Rahmenplan Südhessen 1997).

Je größer die Länge der neuen Waldränder ist, desto größer werden auch die Folgeschäden sein. Ein Teil dieser Schäden ist irreparabel. Zumindest benötigt die Wiederherstellung des Waldes oder eines ökologisch funktionsfähigen Waldrandes selten weniger als 10 bis 20 Jahre. Muss Hochwald ersetzt werden, dauert dies 100 Jahre und mehr.

Damit ist die Abschätzung des Waldverlustes durch den Flughafenausbau heute erst annäherungsweise möglich. Auf der Ebene der Raumordnung ist die Zusammenstellung aller waldbeanspruchenden Planungen im Naturraum bzw. im Rhein-Main-Gebiet notwendig, um die tatsächlichen Auswirkungen in einer Gesamtschau zu überblicken. Völlig inakzeptabel sind aktuelle Überlegungen, die Wiederaufforstungsverpflichtung und die Kompensationspflicht des Naturschutzrechts auszuhöhlen. Auch die hiervon ausgehenden Konflikte müssen bewältigt werden. Ob das Raumordnungsverfahren hierzu befriedigende Ergebnisse bringen wird, bleibt abzuwarten.

4. Waldzerstörung durch Zerstörung ökologischer Funktionen

Der Verlust ökologischer Funktionen in den entstehenden Waldrandbereichen wurde oben angesprochen. Umfang und Wirkung des Funktionsverlustes in der Fläche wird nach dem Eindruck des BUND aber stark unterschätzt. Ich kenne z. B. kein Genehmigungsverfahren, bei dem dieser Frage die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Die spezialisierte Tier- und Pflanzenwelt der Wälder benötigt ein Waldinnenklima, das sich durch geringere Temperaturschwankungen im Tagesgang auszeichnet und dessen Luft kühl-feuchter ist als über Freiflächen. Dieses Bestandsklima wird durch Rodungen bis weit in die verbleibenden Waldfragmente hinein verändert.

Gleichzeitig ist der Unterschied zwischen dem Waldinnenklima und dem Freiflächenklima der Grund für ständige Luftbewegungen zwischen dem Wald und den angrenzenden Freiflächen. Der Effekt begründet die positive luftklimatische Wirkung des Waldes. Der Wald um den Flughafen wird in der Landesplanung deshalb als positiv für das Kleinklima in den Siedlungsgebieten eingestuft und dämpft die bekannte klimatische Belastungssitution im Rhein-Main-Gebiet (Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung 1997: Klimafunktionskarte 1:200.000).

Unklar blieb bei Genehmigungsverfahren stets der Umfang der zu erwartenden Veränderungen. Die einschlägige Forst-Richtlinie arbeitet zur Bestimmung mit pauschalen Vorgaben, ist auf Effekte im Waldrandbereich begrenzt und dient der Ermittlung monetärer Verluste. Örtlich konkrete Erhebungen oder differenzierte Rechenmodelle, die Bestimmung von Minimalgrößen oder Schwellenwerten zur Einschätzung der Folgen fehlen fast durchgängig. Die Wirkungsbereiche "Folgen der Fragmentierung für das Ökosystem (Rest-)Wald" und "Folgen der Waldfragmentierung für das Kleinklima" werden in der Regel nicht erkannt und differenziert behandelt.

Die Dimension des geplanten Eingriffs in den Wald durch den Flughafenausbau erzwingt die Erörterung der aufgeworfenen Probleme. Außerdem stellt sich die Frage, in welchem Umfang Schadstoffe die verbleibenden Waldreste durchdringen und bis in die Siedlungen hineinwirken können.

5. Waldzerstörung durch Luftschadstoffe – Gefahr für das Grundwasser

Seit vielen Jahren sind die Säureeinträge hessenweit größer als die Pufferkapazität der Böden. Die Belastung aus dem Niederschlag pendelt sich zur Zeit auf 1,7 kmol/ha/Jahr ein (HMULF 2000: Waldzustandsbericht); die Pufferkapazität liegt landesweit mit etwa bei 0,5 kmol/ha/Jahr weit unterhalb der Einträge (HMULF 1999: Waldschadensbericht). Die Pufferkapazität der Sandböden im Rhein-Main-Gebiet ist sogar deutlich geringer als im Landesmittel. Der überwiegende Teil der pufferungsfähigen Kalzium- und Magnesiumvorräte befindet sich hier in der organischen Auflage. "Säurebedingte Nährstoffauswaschungen waren und sind auf den Flug- und Terrassensanden bei ohnehin angespannter Nährstoffsituation besonders kritisch" (Pries, L; 1999: Konzept zur Walderhaltung und Waldstabilisierung in: Gefährdung der Wälder im Rhein-Main-Gebiet; Mitt. Hess. Landesforstverwaltung Bd. 35, S. 171).

Nach der deutlichen Reduktion der Schwefelemissionen verbleibt als wichtigste Säurequelle der Stickstoffeintrag (N-Eintrag). Die N-Emissionen des Flughafens haben sich zwischen 1985 und 1995 mehr als verdoppelt (Umweltbundesamt; Vortrag beim 1. Umweltsymposium 1999). Die Zahl der Flugbewegungen hat sich seit 1995 von 370.000 auf 460.000 im vergangenen Jahr (2000) erhöht. Da keine durchschlagende Reduktion der N-Emissionen durch den technischen Fortschritt der letzten Jahre in den Flugzeugflotten erfolgte, muß ein weiterer Anstieg der N-Emissionen um knapp 30 % unterstellt werden. Hinzu kommt die Zunahme der KFZ-bedingten N-Emissionen. Die Feststellung "Für das Rhein-Main-Gebiet betragen die Stickstoffeinträge mit 20-30 kg/ha/Jahr das Doppelte bis Dreifache der natürlichen Raten", ist heute richtiger denn je (Pries, L und N. Altstädt;1999: Konzept zur Walderhaltung und Waldstabilisierung in: Gefährdung der Wälder im Rhein-Main-Gebiet; Mitt. Hess. Landesforstverwaltung Bd. 35, S. 65).

Die Folge dieser Konstellation sind Wälder, die sich seit Jahren in Auflösung befinden und in denen selbst die Pflanzung nur noch schwer gelingt:

  • "Die Prozesse der Waldauflösung laufen, gemessen an der Generationsdauer der Bäume, in einem hohen Tempo ab." (Pries, L und N. Altstädt;1999: Konzept zur Walderhaltung und Waldstabilisierung in: Gefährdung der Wälder im Rhein-Main-Gebiet; Mitt. Hess. Landesforstverwaltung Bd. 35, S. 93).
  • "Seit 1984 liegt vor allem bei den jüngeren Bäumen die durchschnittliche Kronenverlichtung in der Rhein-Main-Ebene deutlich höher als im Land. Dieser Befund unterstreicht die Schwierigkeit der Neubegründung stark geschädigter Wälder in der Rhein-Main-Ebene" (HMULF 2000: Waldzustandsbericht).

Nach Einschätzung der sog. Mediation werden die jährlichen N-Emissionen durch den Ausbau des Flughafens um 84 % steigen. Angesichts der bedrückenden Ausgangslage ist die Zukunft des Waldes im Rhein-Main-Gebiet großflächig akut gefährdet. Die Diskussion um die unmittelbare Größe der Rodungsfläche für die neue Landebahn bzw. Start- und Landebahn verkennt die tatsächliche Gefahr für den Wald, der laut der Bannwalderklärung für das Gemeinwohl unersetzlich ist. Die Rodungen und Folgeschäden durch den Flughafenausbau sowie die angekündigte Steigerung der Flugbewegungen und die hiervon ausgelösten Verkehrsemissionen sind eine unmittelbare Gefahr für den Fortbestand des bestehenden Waldökosystems in der Rhein-Main-Ebene.

Gleichzeitig zeigen die Böden rund um den Frankfurter Flughafen nach Bastian (1999; Potentielle Grundwassergefährdung durch Versauerung im Hessischen Ried; Heft 269 der Reihe Umweltplanung, Arbeits- und Umweltschutz der HLUG) eine "erhöhte Gefährdung" der Grundwasserversauerung durch Säureeinträge. Grundwasser gilt bei pH-Werten von < 6-5 als "versauernd" und bei einem pH von < 5 als "versauert". Die Abbildungen in der o. g. Arbeit von Bastian zeigen, dass die Grundwassermessstellen rund um den Flughafen die niedrigsten Werte in der Rhein-Main-Ebene aufweisen. Der Mittelwert für die Jahre 1995 bis 1997 liegt bei den Messstellen, die bis höchstens 30 m Tiefe abgedichtet sind, zwischen 6,5 und 5,0.

An zahlreichen Messpunkten lässt sich bereits der Übergang in den Aluminium-Puffer des Bodens erkennen. Werden die geringen Pufferkapazitäten weiter aufgebraucht - und alles spricht dafür, dass dies nach dem Ausbau des Flughafens beschleunigt geschieht -, dann wird vermehrt Aluminium freigesetzt. Aluminium ist giftig. Mit Aluminium-Ionen versetztes Grundwasser hat seine Eignung als Trinkwasser verloren. Die Gefahr der großflächigen Zerstörung der Trinkwasserqualität durch die Bodenversauerung ist danach nicht auszuschließen. Tatsächlich wird aber ein großer Teil des im Rhein-Main-Gebiet benötigten Trinkwassers unter den Waldflächen in Frankfurt, dem Kreis Offenbach und dem nördlichen Teil des Kreises Groß-Gerau gewonnen.

6. Fehlende ökosystemare Betrachtung

Trotz des umfangreichen theoretischen Wissens fehlt die Verknüpfung der Fakten aus den einzelnen Disziplinen zur ökosystemaren Betrachtung in Genehmigungsverfahren. Auch die gesetzlich vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) schafft hier keine Abhilfe. Hinzu kommt, dass der einzelne Antragsteller nach bisheriger Auffassung der Genehmigungsbehörden nur solche Untersuchungen vorlegen muß, die kausal als Folgen seines Vorhabens abgeleitet werden können. Dort, wo Vorwirkungen und Kombinationswirkungen zum Problem werden, versagt (angeblich) das Planungsrecht und kann die Vorsorge nicht leisten.

Typisch für die sektorale Betrachtung ist die Untersuchung zum Grundwasser, die in der sog. Mediation vorgelegt wurde. Dort wurde die Tatsache, dass die Grundwasserspende unter Wald geringer ist als unter niedrigen Vegetationsformen, als wichtigstes Bewertungskriterium herangezogen. Die Frage der langfristigen Grundwasserqualität nach dem Ausbau wurde nicht behandelt, obwohl eine großflächige Qualitätsabnahme unter Versorgungsgesichtspunkten schnell zur Mengenfrage wird.

Die o. g. Ausführungen sollten mögliche Wirkungsketten aufzeigen. Notwendig wäre ein Untersuchungsprogramm, dessen Einzelerhebungen sich aus Wirkungszusammenhängen herleitet, wie sie oben beschrieben wurden. In der Regel ist jedoch eine fachspezifische Fragestellung für die Auftragsvergabe entscheidend. Die so gewonnenen Ergebnisse lassen sich dann nur schwer im Zusammenspiel von Wirkungszusammenhängen interpretieren.

Anläßlich der Erörterungen beim Scopingtermin für die Umweltweltverträglichkeitsuntersuchung zur Erweiterung des Frankfurter Flughafens vom 01.-03.11.00 wurde dies erneut deutlich. Ob im Rahmen des Regionalen Dialogforums (RDF) eine andere Vorgehensweise vereinbart werden kann, bleibt abzuwarten. Bisher hat der Naturhaushalt auch dort nur einen untergeordneten Stellenwert.

Angesichts der seit Jahren bekannten Probleme der Zukunft des Waldes im Rhein-Main-Gebiet muß das Genehmigungsverfahren die hier zusammengestellten Fragen beantworten. Wie weit dies im Raumordnungsverfahren (ROV) geschieht, ist derzeit nicht erkennbar. Je später notwendige Freiland-Untersuchungen eingeleitet werden, desto eher sind Planungsverzögerungen die Folge. Die Fortführung der Ignoranz gegenüber den Komplexwirkungen im Genehmigungsverfahren würde mit Sicherheit gerichtliche Überprüfungen provozieren.

Weitere Auskünfte gibt Ihnen der BUND Landesverband Hessen e.V.

Ansprechpartner des BUND Hessen ist Thomas Norgall.



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