15. Juni 2012
Zweite Phase der Wiedervernetzung deutscher Wälder startet – Waldkorridore und Gen-Datenbank sollen Überleben der Wildkatze und anderer bedrohter Arten sichern

Das Foto ist in Verbindung mit dieser Pressemitteilung und unter Nennung des Fotografen zur Veröffentlichung freigegeben (Fotograf: Thomas Stephan/BUND). In höherer Auflösung runterladen: Wildkatze (Foto: Thomas Stephan) (1,9 MB)
Ergänzende Informationen zur Pressemitteilung des BUND-Bundesverbandes zur Umsetzung des Projektes „Wildkatzensprung” in Hessen
Zusätzlich zur Pressemitteilung des BUND-Bundesverbandes (unten) erhalten Sie hier wichtige Eckpunkte zur Umsetzung des Projektes „Wildkatzensprung” in Hessen
Das Projekt Wildkatzensprung in Hessen
Kontakt: Thomas Norgall, Naturschutzreferent des BUND Hessen: 0170 2277238
Ein erster Erfolg:
Der BUND Hessen und seine Helferinnen und Helfer konnten bereits den Erstnachweis der Wildkatze im Odenwald erbringen. Die weitere Erfassung der Wildkatze mit der Lockstockmethode wird zeigen, ob es sich um ein Einzeltier handelt oder ob schon eine kleine Population den Odenwald „erobert“ hat.
Wissenschaftlich besonders spannend ist für den BUND, ob die Odenwälder Wildkatze ein Nachkomme derjenigen Wildkatzen ist, die der BUND vor einigen Jahren im Spessart wiederansiedeln konnte. In diesem Fall wäre nicht nur die Wiederbesiedlung des Spessart gelungen, sondern die BUND-Aktion wäre auch die Initialzündung zur Wiederbesiedlung des Odenwaldes gewesen.
Der BUND hofft, dass die weiteren Untersuchungen auch klären, ob die Wildkatze von Norden – aus dem hessischen Odenwald – nach Baden-Württemberg einwandert.
Finanzvolumen und Laufzeit
Für den Anteil des BUND Hessen am Projekt „Wildkatzensprung“ beträgt die Bewilligung 416.512,48 €. Davon müssen mindestens 25 % aus Eigenmitteln des BUND aufgebracht werden.
Die Laufzeit endet am 31.10.2014.
Gen-Datenbank/Wildkatzen-Bestandserfassung
Der hessische Beitrag bei der systematischen Erfassung der Wildkatze mit der „Lockstockmethode“ erfolgt auf drei Teilflächen. In zwei dieser Flächen, die im Hessischen Rothaargebirge und dem Odenwald liegen, hat die Erfassung schon im Februar 2012 begonnen. Am Meißner (Werra-Meißner-Kreis) wird der BUND die Erfassung im nächsten Winter starten.
Zusätzlich sollen über Hessen verteilt Stichproben-Erfassungen erfolgen.
Die Erläuterung der Lockstockmethode finden Sie hier: http://www.bund.net/themen_und_projekte/wildkatze_netze_des_lebens/rettungsnetz_wildkatze/kontrolle_mit_lockstoecken/
Waldbiotopverbund
Der Wald-Biotopverbund soll die Vernetzung der großen Waldgebiete im Rothaargebirge und im Knüll verbessern. Dazu sollen im Rahmen des Projektes Wildkatzensprung im südlichen Bereich des Landkreises Waldeck-Frankenberg in zwei Bereichen Grundstücke gekauft und bepflanzt werden, so dass die Wildkatzen künftig bessere Ausbreitungsmöglichkeiten vom Rothaargebirge in den Nationalpark Kellerwald/Edersee und in den Burgwald haben. Die Verbesserung der Wanderkorridore hilft auch vielen anderen Arten.
Umweltbildung
Die nächste BUND-Informationsveranstaltung zur Wildkatze findet morgen im Hessenpark statt: „Die Wildkatze und Co. im Hessenpark“, 16. Juni 2012 (17:00-23:59 Uhr), Freilichtmuseum Hessenpark, Neu-Anspach:
„Bei der langen Museumsnacht im Hessenpark dreht sich am BUND-Stand alles um die Wildkatze und die Fledermäuse. Es gibt Filme und Präsentationen sowie Spiele für Groß und Klein.“
Weitere Hinweise: www.bund-hessen.de/themen_und_projekte/natur_und_artenschutz/rettungsnetz_wildkatze/aktuelles_und_termine/detail/cal/event///view-list|page_id-18581/tx_cal_phpicalendar//die_wildkatze_und_co_im_hessenpark/;
BUND Wildkatzenprojekt unterstützen – Werden Sie Wildkatzenretter
Ab einer vierteljährlichen Spende von 15,– Euro oder einer jährlichen Spende von 60,– Euro werden Sie ein Teil der Wildkatzenfamilie in Hessen. Mit Ihrer Unterstützung pflanzen wir Wanderkorridore, organisieren Infostände, erforschen das Wildkatzenvorkommen u.v.m.
Denn nur gemeinsam können wir das Rettungsnetz in Hessen umsetzen und der Wildkatze und vielen anderen Arten eine Chance zum Überleben geben.
Zum Dank erhalten Sie von uns ein Begrüßungspaket mit einer Paten-Urkunde auf Ihren Namen. Außerdem informieren wir Sie mit einem Newsletter über die Aktivitäten im hessischen Rettungsnetz und laden Sie zu einer Wildkatzenveranstaltung ein.
Weitere Informationen: http://www.bund-hessen.de/wildkatzenpate
Spendenkonto des BUND-Hessen
• Konto: 369 853
• BLZ: 500 502 01
• Frankfurter Sparkasse
Unbedingt angeben: Verwendungszweck „Wildkatze“
Bitte geben Sie außerdem Ihren Namen und Adresse an, damit wir Ihnen eine Spendenbescheinigung schicken können. Sie erhalten Ihre Spendenbescheinigung automatisch am Anfang des folgenden Jahres.
Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vom 15. Juni 2012
Zweite Phase der Wiedervernetzung deutscher Wälder startet – Waldkorridore und Gen-Datenbank sollen Überleben der Wildkatze und anderer bedrohter Arten sichern
Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will sich künftig noch stärker für die Wiedervernetzung der Wälder einsetzen. Im Rahmen des Projekts „Wildkatzensprung“ sollen in den kommenden drei bis sechs Jahren neue Waldverbindungen in den Bundesländern Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen entstehen. Die bis zu 50 Meter breiten Baumstreifen zwischen bisher isolierten Waldgebieten sollen Wildkatzen und anderen Tierarten Schutz für Wanderungen in neue Lebensräume bieten. Gleichzeitig ist der Aufbau einer bundesweiten Gendatenbank für Wildkatzen geplant. Langfristiges Ziel des Projektes ist, ein Netzwerk verbundener Waldgebiete von 20000 Kilometern Länge in Deutschland zu schaffen. Das Projekt ist damit eines der größten Naturschutzvorhaben Europas. Seit 2007 hat der BUND in einer ersten Umsetzungsphase bereits in drei Regionen in Deutschland Baumstreifen angepflanzt.
Der BUND erhält für die Wiedervernetzung der Wälder und den Schutz der bedrohten Wildkatzen 3,8 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Ergänzt durch Eigenmittel des Verbandes und andere Förderer stehen für das Projekt „Wildkatzensprung“ insgesamt 5,2 Millionen Euro zur Verfügung.
Bundesumweltminister Peter Altmaier: “Das von der Bundesregierung 2011 neu eingerichtete Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ fördert mit einem Titelansatz von 15 Millionen Euro im Jahr besonders gute und beispielhafte Projekte, die zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt beitragen können. Das Wildkatzenprojekt des BUND, eines der ersten Projekte des neuen Förderprogramms, setzt sich deutschlandweit für den Erhalt einer Art ein, für die Deutschland auch aufgrund ihrer Gefährdung eine besondere Verantwortung trägt. Hier handelt es sich um ein Vorzeigeprojekt für den Naturschutz“.
BUND-Vorsitzender Hubert Weiger: „Mit dem Projekt Wildkatzensprung zeigen wir, dass Biotopvernetzung gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort praktisch umsetzbar ist. Mithilfe von Freiwilligen und der Unterstützung von Politik, Behörden und Landnutzern können wir es schaffen, die Wiedervernetzung von selten gewordenen alten Laubwäldern deutlich voranzubringen – zum Wohle der Natur und damit auch zum Wohle des Menschen“.
„Dieses Vorhaben zeigt, dass das Bundesprogramm `Biologische Vielfalt` zum Motor und Impulsgeber für den Schutz und den nachhaltigen Umgang mit der biologischen Vielfalt in Deutschland wird“, sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.
Das Projekt Wildkatzensprung wird in zehn Bundesländern von den jeweiligen Landesverbänden des BUND umgesetzt. Die bundesweite Gendatenbank für Wildkatzen wird gemeinsam mit dem auf dem Feld der Artenforschung tätigen Senckenberg-Institut in Frankfurt entwickelt. Die Datenbank ist die erste ihrer Art für ein Säugetier in Deutschland. Verteilt über das gesamte Verbreitungsgebiet der Wildkatze werden mithilfe von Duft-Lockstöcken Haarproben von Wildkatzen gesammelt und so wertvolle Informationen über Verbreitung, Teilbestände und Wanderverhalten gewonnen. Experten können so erforschen, wie stark einzelne Wildkatzenpopulationen voneinander isoliert sind.
Die Zahl der Wildkatzen in Deutschland wird auf 5000 bis 7000 Tiere geschätzt. Die Wildkatze steht stellvertretend für zahlreiche Waldtierarten, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft oder den Bau von Autobahnen gefährdet sind.
Einen interaktiven Wildkatzenwegeplan gibt es im Internet unter: www.bund.net/wildkatzenwegeplan. Eine Grafik zu den deutschlandweiten Vernetzungsprojekten sowie druckfähige Bilder zur Wildkatze finden Sie unter: www.bund.net/wildkatzenfotos (© BUND/T. Stephan).
Pressekontakt:
Mark Hörstermann, BUND-Öffentlichkeitsarbeit „Wildkatzensprung“, Tel: 030/27586-475,
E-Mail: mark.hoerstermann@bund.net, www.bund.net/wildkatze