13. März 2017

Wieder ein verlorenes Jahr für die sterbenden Wälder im Hessischen Ried! BUND fordert Grundwasseraufspiegelung

Bild des sich auflösenden Ried-Waldes (Foto: Henner Gonnermann)

Bild des sich auflösenden Ried-Waldes (Foto: Henner Gonnermann)

Zwei Jahre nach dem Ende des Runden Tisches zur Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die unzureichende Umsetzung der dort einstimmig gefassten Empfehlungen. BUND Vorstandsmitglied Guido Carl: „Das letzte Jahr war schon wieder ein verlorenes Jahr für die Rettung der Wälder.“ Der BUND fordert, dass die Landesregierung nun endlich mit der Planung zur Aufspiegelung des Grundwassers beginnt, um die wertvollen Eichenwälder im Jägersburg-Gernsheimer Wald zu retten. „Angesichts der dramatischen Situation des Waldes müssen die Wassergewinnung und die Walderhaltung endlich in Einklang gebracht werden“, fordert Guido Carl vom BUND.

Am 12.03.2015 wurde der Staatssekretärin im Hessischen Umweltministerium der Abschlussbericht des Runden Tisches zur Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried übergeben. Doch die Verbesserung der Wasserversorgung der Bäume kommt bis heute nicht in Gang. Ausdrücklich empfohlen hatte der Runde Tisch:

  • Im Gernsheimer Wald sollte mit der Aufspiegelung des Grundwassers begonnen werden – als Pilotprojekt. Ob zusätzlich auch eine Aufspiegelung weiteren Waldgebieten erfolgen soll, kann nach dem Probelauf zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.
  • Die Wasser-Projekte zur Rettung des Waldes und zum Schutz von Landwirtschaft und Kellern in den Waldgebieten „Darmstadt 1 (Harras und Triesch), Groß-Gerau 3 (Büttelborner Wald) und Darmstadt 5 (Pfungstädter Moor) (v.a. das "Westwaldprojekt")” sollten optimiert und fortgesetzt werden.

Planerisch vorbereitet wird bisher lediglich ein Versuch zur kleinflächigen Oberflächenbewässerung, der aber nach Meinung des Runden Tisches den festgestellten akuten Handlungsbedarf nicht ersetzt, zumal unklar ist, ob die Oberflächenbewässerung Standsicherheit der Bäume nicht sogar schwächt, weil die Wurzeln dann nicht mehr so tief in den Boden eindringen (vgl. Runder Tisch - Abschlussbericht, S. 39).

Hintergrundinformation:

Seit vielen Jahren ist bekannt, dass die vor gut 50 Jahren ausgelösten radikalen Grundwasserabsenkungen ein Waldsterben im Hessischen Ried verursachten, das sich bis heute fortsetzt. Alle bisherigen Gegenmaßnahmen wie der auch nun wieder propagierte Waldumbau blieben erfolglos, weil die nötige Wasserversorgung der Wälder nicht wiederhergestellt wurde. Der Hessische Landtag bekräftigte zwar immer wieder seinen Willen zur Waldrettung, doch eine durchgreifende Verbesserung konnte bisher nicht einmal ansatzweise erzielt werden.

Mit der Vorlage einer Machbarkeitsstudie zur Grundwasseraufspiegelung bei gleichzeitigem Vernässungsschutz entstand erstmals ein Konzept, die Anforderungen der Wälder mit dem Belangen der Wasserversorgung deutlich besser zu vereinbaren. Der Hessische Landtag forderte daraufhin die Landesregierung am 07.03.2012 auf,

„bis Oktober diesen Jahres im Ausschuss für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landtags einen umfassenden Bericht über Möglichkeiten und Konzepte zur Lösung der Grundwasserproblematik im Hessischen Ried vorzulegen und parallel einen runden Tisch als sinnvolles Instrument zur Lösung der Problematik einzurichten, ...“.

Die zentralen Ergebnisse des Runden Tisches lauten:

  • Gezielte Anhebung des Grundwasserstandes (über den derzeit maßgeblichen Grundwasserbewirtschaftungsplan hinaus) mit Schutzmaßnahmen für Siedlungen und Landwirtschaft.
  • Waldbau intensiver auf Sanierung und Naturschutz ausrichten.
  • Die Realisierung dieser Maßnahmen sicherstellen.

Link zum Abschlussbericht des Runden Tisches: https://umweltministerium.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/abschlussbericht_vom_april_2015.pdf

Pressekontakt:

Thomas Norgall, stellv. Landesgeschäftsführer/Naturschutzreferent
0170 2277238