1. Februar 2019

Wälder brauchen Rücksichtnahme / Wald- und Naturschutzverbände beklagen die Folgen ungezügelter Freizeitnutzung

Hessisches Verbändepapier Wege im Wald (Foto: Niko Martin)

Ein breites Bündnis von zehn Wald- und Naturschutzverbänden fordert mehr Rechtssicherheit und eine fachlich abgeleitete Wegeplanung für die hessischen Wälder. „Es ist wunderbar, dass immer mehr Menschen sich im Wald erholen und dort joggen und Fahrrad fahren. Doch die neuen Entwicklungen schaffen neue Probleme und machen neue Antworten notwendig“, begründet Jörg Nitsch, der Vorsitzende des BUND Hessen die Initiative der Verbände und Michael Freiherr von der Tann, der Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes, beklagt die Folgen einer Entwicklung, bei der der Wald nur noch als Kulisse für die eigenen sportlichen Aktivitäten wahrgenommen wird: „Wälder sind keine Sportstätten, sondern Räume der Vielfalt. Sie sind Wirtschafts- und Erholungsraum sowie ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen, der von natürlichen Kreisläufen bestimmt wird.“ 

Die wachsenden Probleme haben zu einer bemerkenswerten Allianz geführt. Gemeinsam fordern

  • der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland,
  • der Hessische Waldbesitzerverband,
  • der Hessische Wanderverband,
  • die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz,
  • die Hessische Vereinigung für Naturschutz und Landschaftspflege,
  • die Forstleute in der Gewerkschaft IG BAU,
  • der Landesjagdverband Hessen,
  • der Naturschutzbund Deutschland,
  • der Ökologische Jagdverband Hessen und
  • der Verband Hessischer Fischer

Maßnahmen und Planungen, um den zunehmenden Fehlentwicklungen der letzten Jahre entgegenzutreten. Die Verbände beklagen eine Tendenz zur flächendeckenden Beunruhigung unserer Wälder und führen an:

  • die Klagen über immer mehr illegale Mountainbike-Wege und rücksichtsloses Verhalten haben landesweit zugenommen und werden von der Mehrheit der Waldbesucher geteilt,
  • Zukunftstrends wie der Vormarsch des E-Bikes, des Geocachens insbesondere des „Nightcachens“ oder des Wertewandels im Wald hin zum „egozentrischen Waldnutzer“ erfordern weitergehende Maßnahmen zur Beruhigung des Waldes,
  • angelegte Waldwege werden in den letzten Jahren immer häufiger zur gewerbsmäßigen und damit illegalen Beerntung von Waldpilzen (§ 39 Abs. 3 und 4 BNatSchG) verlassen, so dass das Wild und die gesamte freilebende Tierwelt insbesondere in den frühen Morgenstunden immer häufiger gestört wird,
  • eine rechtliche Klarstellung, auf welchen Wegen gemäß Hessischem Waldgesetz tatsächlich nicht geradelt oder nicht geritten werden darf, ist bisher vermieden worden,
  • es gibt eine schnell wachsende Zahl im Internet angelegter digitaler Routen, zum Beispiel von sogenannten „Mountainbike-Trails“ abseits der rechtlich erlaubten Wege, bei der weder die waldrechtlichen Vorgaben beachtet noch die Zustimmung der Waldeigentümer eingeholt wird,
  • Routenplanungen der öffentlichen Hand und von Verlagen veröffentlichte Führer-Literatur orientieren sich meist am Kriterium der sportlichen und touristischen Attraktivität ohne ausreichende Berücksichtigung von Schutzgebieten, Wildschutzzonen, Wildwechseln, Lebensraumgutachten; Studien über den Zusammenhang von Störung und Schädigung im Wald bleiben unberücksichtigt.

Eine Lösung zum Wohle aller Waldbesucher und der verschiedenen Nutzungsansprüche sehen die Verbände insbesondere in einer Raum- und Wegekonzeption für die hessischen Wälder. Nur eine landesweit digital geprüfte Besucherlenkung unter Federführung einer Landesbehörde (wie z.B. HessenForst) kann die zunehmenden Freizeitkonflikte im hessischen Wald dauerhaft steuern und beruhigen.

Verbändepapier: „Wege im Wald: Für mehr Rechtsklarheit und fachliche Wegeplanungen“ (pdf; ca. 220 KB)

Pressekontakte:

  • Rolf Strojec, Beauftragter Freizeit-, Sport- und Tourismus im BUND Hessen; Fon: 06409 6619333, mobil: 01714041319
  • Claudia Mävers, Vorsitzende der Landesvertretung der Beamtinnen/Beamten und Angestellten in Forst und Naturschutz in der IG BAU; Fon: 06633 642102, mobil: 01604706704
  • Markus Stifter, Pressesprecher des LJV; Fon: 06032 9361-17
  • Günter Hoff-Schramm, Geschäftsführer des VHF; Fon 0611 302080