12. August 2019

Stadtbäume im Klimawandel: „Wir müssen radikal umdenken“

Stadtbäume in Frankfurt am Main (Foto: Lynn Anders / BUND Hessen)

Angesichts des zweiten trocken-heißen Sommers in Folge sieht der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Notwendigkeit die Grünplanung in Städten grundlegend neu auszurichten. „Wir müssen radikal umdenken“, fordert Jörg Nitsch, der Vorsitzende des BUND Hessen. „Gegen den Hitzekollaps brauchen wir mehr Stadtgrün und vor allem mehr großkronige Bäume und zugleich müssen wir ihre Wasserversorgung ohne Trinkwasser sicherstellen.“ Der BUND fordert von den Städten und Kommunen eine eigenständige Grünplanung aus Gründen des Gesundheitsschutzes.

Extreme Sommerhitze mit Tropennächten, in denen es nicht unter 20 Grad Celsius abkühlt, ist insbesondere für ältere Menschen gefährlich. Sie tritt in Deutschland als Folge der Klimaerwärmung immer häufiger auf. Wie gefährlich Hitzeperioden sind, verdeutlichen Angaben des Umweltbundesamtes (UBA). Danach hat der heiße Sommer 2003 in Europa schätzungsweise 52.000 Menschen das Leben gekostet, in Hessen sollen es 781 Menschen gewesen sein. Bäume wirken in der Stadt wie natürliche Kühlaggregate. Sie gewinnen bei steigenden Temperaturen eine neue gesundheitliche Schutzfunktion, sind aber selbst durch die Trockenheit gefährdet.

Die außergewöhnlich trocken-heißen Sommer 2018 und 2019 zeigen für den BUND Hessen einen akuten Handlungsbedarf auf. „Je länger wir warten, desto mehr Menschen und Bäume werden sterben,“ warnt Jörg Nitsch vom BUND Hessen.

Grünplanung muss in der Stadtplanung mindestens einen gleichberechtigten Stellenwert neben der Bau- und Verkehrsplanung erhalten. Bereits kurzfristig sind Konzepte erforderlich, wie der vorhandene Baumbestand ohne die Verwendung des viel zu wertvollen Trinkwassers ausreichend bewässert werden kann. Hinzu kommt als planerische Daueraufgabe die Herstellung und Sicherung von Grünachsen mit großen Bäumen, die den Luftaustausch mit dem Umland je nach örtlicher Situation verbessern oder sogar erstmals herstellen.

Die heute noch übliche Verwendung von Trinkwasser zur Bewässerung des Stadtgrüns sollte künftig so schnell und soweit wie möglich eingeschränkt werden. Trinkwasser ist ein viel zu wertvolles Lebensmittel und für die Bewässerung von Bäumen vor allem in Zeiten der Dürre zu schade. Trinkwasser ist mancherorts bereits knapp und seine Gewinnung ist in Hessen auf großer Fläche mit ökologischen Schäden und Risiken verbunden. Die Erhaltung der Stadtbäume darf nach Meinung des BUND Hessen nicht dazu führen, dass eine verstärkte Grundwasserentnahme die Risiken für die Wälder im Hessischen Ried, im Burgwald oder im Vogelsberg erhöht. Unbedingt erforderlich sei vielmehr die Sanierung der geschädigten Wälder im Ried und die konsequente Umstellung der Baumbewässerung in den Städten auf die Verwendung von Brauchwasser, Flusswasser oder gering verunreinigtem Wasser.

Hintergrund

  1. BUND Analyse und Forderungen: „Grün in der Stadt – bei Trockenheit bewässern?” (pdf; 180 KB)

  2. Sommerhitze als Gesundheitsgefahr:
    Auch wenn die konkrete statistische Berechnung noch Fragen aufwirft, ist die Zusammenhang zwischen Hitze und Gesundheitsbelastung unstrittig. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) warnt vor Hitzebelastungen: „Besonders anfällig auf diese Belastungen reagieren ältere Menschen, chronisch Kranke und Kinder. Die Gesundheitsbelastung durch Hitze – in Verbindung mit dem demographischen Wandel – stellt das Gesundheitswesen vor neue Herausforderungen; diese waren bereits im Sommer 2003 spürbar. Hitzebedingte Erkrankungen sind beispielsweise Hitzeschlag, Hitzekollaps, Sonnenstich und Herz-Kreislauf-Probleme.“
    HLNUG: https://www.hlnug.de/themen/nachhaltigkeit-indikatoren/indikatorensysteme/klimafolgenindikatoren-hessen/hitzewarntage.html 
    UBA Ratgeber „Klimawandel und Gesundheit - Informationen zu gesundheitlichen Auswirkungen sommerlicher Hitze, Hitzewellen und Tipps zum vorbeugenden Gesundheitsschutz": https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/ratgeber-klimawandel-gesundheit

  3. Die erschreckende Zunahme der Hitzewellen zeigt der Bildungsserver:
    http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Hitzewellen_Europa

  1. Künftig sind mehr und nicht weniger Bäume erforderlich:
    Als Schutzmaßnahme gegen die Aufheizung der Siedlungsbereiche werden künftig mehr Bäume in der Stadt erforderlich. Nötig ist die Schaffung von Grünachsen mit großkronigen Bäumen, die den Luftaustausch des überhitzten Siedlungsbereichs mit dem kühleren Umland gewährleisten und die nächtliche Abkühlung verbessern. Städte und Kommunen stehen vor einer großen Aufgabe. Die Planung der nun erforderlichen Grünachsen ist wie die Schaffung eines ausreichenden Fahrradwegenetzes eine eigenständige planerische Aufgabe und wird Jahre dauern. Die Zeit, in denen Bäume vor allem aus ästhetischen Gründen gepflanzt und erhalten wurden, ist vorbei.

 

Kontakt

Thomas Norgall, stellv. Landesgeschäftsführer / Naturschutzreferent BUND Hessen, Tel.: 0170 2277238

Presseabteilung BUND Hessen e.V.

Lynn Anders
BUND Landesverband Hessen e.V.
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D-60599 Frankfurt am Main

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