20. Januar 2017

Seltene Wildkatze im Büdinger Wald nachgewiesen

Wildkatze im Schnee (© BUND Projekt Wildkatzensprung/Thomas Stephan)

Das angehängte Foto ist in Verbindung mit dieser Pressemitteilung unter Nennung des Fotografen zur Veröffentlichung freigegeben. Wildkatze im Schnee (© BUND Projekt Wildkatzensprung/Thomas Stephan)

FRANKFURT/BÜDINGEN. Die seltene Wildkatze ist auch im Büdinger Wald zu Hause. Dies hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Rahmen einer Lockstockuntersuchung nachgewiesen, deren Ergebnisse Susanne Schneider vom BUND Hessen am Donnerstagabend im Heuson-Museum in Büdingen zahlreichen interessierten Zuhörern präsentierte. „Mithilfe von Lockstöcken ist es uns endlich gelungen, der scheuen Samtpfote im Büdinger Wald auf die Spur zu kommen“, freut sich Susanne Schneider. Unterstützt wurde der BUND bei seiner Arbeit vom Forstamt Nidda, das bei der Kontrolle der vier von Januar bis April letzten Jahres zwischen Büdingen und Rinderbügen platzierten Lockstöcke half. „Ein Lockstock wurde mehrere Male durch eine männliche Wildkatze besucht“, sagt Susanne Schneider und erklärt: „Die mit Baldrian besprühten Latten ziehen die Tiere insbesondere in der Paarungszeit an, sie reiben sich daran und hinterlassen Haare. Diese können dann genetisch untersucht werden.“

Warum interessiert es die Naturschützer, ob es im Büdinger Wald Wildkatzen gibt? Nachdem sie in der Vergangenheit in vielen Teilen des Landes, auch im Büdinger Wald, durch eine intensive Jagd ausgerottet wurde, kann sich die Wildkatze in Hessen zwar langsam wieder ausbreiten. Doch immer noch gibt es Wissenslücken bezüglich ihrer Verbreitung, die erst nach und nach geschlossen werden können. Susanne Schneider erläutert: „Besonders bei seltenen und bedrohten Arten wie der Wildkatze ist es wichtig, die Bestände genau zu beobachten, um sowohl Ausbreitungen, als auch Rückgänge feststellen zu können. Nur so können wirksame Schutzmaßnahmen ergriffen werden.“ Zudem sei der Büdinger Wald eine wichtige Verbindung zwischen den Wildkatzengebieten im Spessart und Vogelsberg, die den so wichtigen genetischen Austausch zwischen den beiden Populationen erlaube.

Die aktuelle Untersuchung ist bereits die zweite im Büdinger Wald. Schon 2014 wurden im Rahmen des Projekts „Wildkatzensprung“ in der Region Lockstöcke aufgestellt. Damals konnten drei Wildkatzen nördlich von Nidda nachgewiesen werden, nicht aber im Büdinger Wald. Daher entschied sich der BUND für eine Fortsetzung der Untersuchung – mit Erfolg. „Leider können wir aufgrund der erhobenen Daten nicht sagen, ob es eine stabile Population im Büdinger Wald gibt oder ob es sich zum Beispiel um ein durchziehendes Tier handelte“, sagt Susanne Schneider und ergänzt: „Es ist jedoch wahrscheinlich, dass hier dauerhaft Wildkatzen leben. Weitergehende Untersuchungen könnten da Klarheit bringen.“ Doch die müssten laut Schneider warten, bis wieder eine Finanzierung in Aussicht steht. Die jüngste Untersuchung wurde durch den Wetteraukreis finanziert.

Mit der Lockstock-Methode ist es bereits gelungen, die Wildkatze in verschiedenen Teilen Hessens nachzuweisen. Durch die Untersuchungen erhofft sich der BUND weitere Erkenntnisse darüber, wie viele Tiere in Hessen leben, wie sie wandern und mit welchen anderen Wildkatzenvorkommen in Deutschland sie verwandt sind.

Hintergrund

Seit 2004 engagiert sich der BUND daher im Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“ für den Schutz der gefährdeten Tiere und ihres Lebensraums. Das Ziel: Die Wälder Deutschlands wieder miteinander zu verbinden. Grüne Korridore aus Bäumen, Büschen und Sträuchern helfen der Wildkatze dabei, neue Reviere zu erschließen und sich mit anderen Populationen genetisch auszutauschen. Diese Lebensraumvernetzung stützt die biologische Vielfalt, sie hilft nicht nur der Wildkatze, sondern auch vielen weiteren Waldbewohnern wie Rothirsch und Luchs.

Rückfragen beantwortet Ihnen:

Susanne Schneider, Managerin Naturschutzprojekte, E-Mail: susanne.schneider@bund-hessen.de, Tel. 069 677376-16