15. Mai 2018

Schluss mit der Salzbelastung von Werra und Weser! Protest vor der Aktionärshauptversammlung von K+S

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre e.V. protestieren heute anlässlich der Aktionärshauptversammlung von K+S und fordern die Umsetzung eines umweltverträglichen Entsorgungskonzeptes und Sanierungsmaßnahmen für die bereits eingetretenen massiven Umweltschäden. Jörg Nitsch, stellvertretender Bundesvorsitzender des BUND: „Es ist ein Skandal und eine Gefährdung für den Fortbestand des Unternehmens, dass bis heute kein Konzept für die umweltverträgliche Entsorgung der festen und flüssigen festen Abfälle aus dem Kalibergbau besteht.“ Christian Russau vom Vorstand der Kritischen Aktionäre fordert K+S auf, sich „ab sofort der Nachbergbauphase zu stellen, da die Lagerstätten im hessisch-thüringischen Kaligebiet in etwa 40 Jahren erschöpft sein werden“.

Der BUND und die kritischen Aktionäre machen K+S auch in diesem Jahr für ganz erhebliche Schäden an der Umwelt, insbesondere für die Salzbelastungen von Werra und Weser und des Grundwassers, verantwortlich. Sie begrüßen, dass der Vorstand die akuten Probleme aus der Produktion künftig nicht mehr leugnen, sondern angehen will. Die daraus resultierende Aufgabe sei aber wegen der Versäumnisse der letzten Jahrzehnte gewaltig. Die mit dem BUND Ende letzten Jahres verbindlich vereinbarte Einstellung der Verpressung salzhaltiger Abwässer in den Untergrund zum 31.12.2021 war ein wichtiger Fortschritt. Die durch die Verpressung ausgelösten Probleme werden jedoch mit dem Ende der Verpressung nicht aufhören. In den zurückliegenden 80 Jahren wurden im hessisch-thüringischen Kalirevier fast eine Milliarde Kubikmeter Salzwasser in den Untergrund verpresst. Dieses Abwasser verbleibt dort nicht, sondern es steigt auf, verunreinigt das Grundwasser, gefährdet Trinkwasserbrunnen und trägt über die Grundwasserströme als sogenannte „diffuse Einleitungen“ maßgeblich zur Versalzung der Werra bei. Ohne ein tiefgreifendes Sanierungskonzept wird dieses Problem zu einer Ewigkeitsbelastung, die noch Jahrhunderte in der Nachbergbauphase die Umwelt schädigen wird.

Der Fortbestand von K+S ist nach der Ansicht des BUND und der Kritischen Aktionäre in Deutschland unmittelbar von der Umstellung auf eine umweltgerechte Produktion und Entsorgung abhängig. Die jahrzehntelange umweltpolitische Ignoranz hat das Unternehmen in eine gefährliche Situation gebracht. Betriebsstillstände bei geringer Wasserführung in der Werra haben in den letzten Jahren deutlich gezeigt, welche Folgen die fahrlässige Unterlassung der Entwicklung von Aufbereitungstechniken zur Reduzierung des Salzabstoßes hat. Die Gefahr, dass K+S neuerliche drastische Betriebsbeschränkungen durch niedrige Wasserstände in der Werra erfahren wird, liegt weiterhin in der Luft. Die Folgen der umweltpolitischen Rücksichtslosigkeit der letzten Jahrzehnte haben die Handlungsspielräume sehr stark eingeschränkt und schweben heute wie ein Damoklesschwert über dem Unternehmen.

Nur eine konsequente Kurskorrektur und Neuausrichtung bietet deshalb die Chance, die Lagerstätten im Werra-Revier in den nächsten 40 Jahren wirtschaftlich erfolgreich zu nutzen. Die künftige Entsorgungs- und Sanierungsstrategie muss sich zum Ziel setzen, dass

  1. Werra und Weser wieder zu Süßwasserflüssen werden,
  2. die Abfälle aus der Kaliproduktion entweder aufbereitet und wirtschaftlich genutzt oder vollständig als Feststoffe wieder in die ausgebeuteten Bergwerke eingebaut werden und
  3. die vorhandenen Belastungen der Grund- und Oberflächengewässer aus der Verpressung und den bestehenden Abraumhalden durch Sanierungskonzepte reduziert werden.

Ausgehend von dieser Zielsetzung, fordern der BUND und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre den Vorstand auf:

  1. Verzichten Sie auf die Oberweserpipeline! Bekennen Sie sich zur Entsorgung unvermeidbarer Produktionsabfälle in den Bergbaugebieten!
  2. Beenden Sie die Politik des ständigen Haldenwachstums und verpflichten Sie sich zum Versatz fester Abfälle in die ausgebeuteten Bergwerke!
  3. Nutzen Sie endlich alle technischen Möglichkeiten zur Eindampfung und Rohstoffgewinnung aus den salzhaltigen Abwässern!
  4. Stellen Sie sich ab sofort der Nachbergbauphase! Entwickeln Sie Sanierungskonzepte, damit die Gewässerbelastungen aus dem Haldenabwasser und den verpressten Abwässern nicht zu Ewigkeitslasten werden, sondern verringert werden!

Pressekontakt:

Thomas Norgall stellv. Landesgeschäftsführer/Naturschutzreferent   0170 22772381