11. Dezember 2018

Schadstoffe im Spinat sind ein Alarmsignal – BUND fordert Grundwasseruntersuchungen und Bewirtschaftungshinweise für Landwirte und Gartenbesitzer

Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind die Funde des Pflanzenschutzmittels Dikegulac im Spinat, der mit Grundwasser bewässert wurde, ein Alarmsignal. „Die Verschmutzung des Grundwassers im Ried ist offenbar problematischer als bisher angenommen“, befürchtet Jörg Nitsch, der Vorsitzende des BUND Hessen.

Der BUND fordert vom Land Aufklärung darüber, wo überall das Grundwasser so stark mit dem Pflanzenschutzmittel Dikegulac oder anderen Schadstoffen verunreinigt ist, dass es nicht mehr zur Bewässerung von Spinat und anderen Gemüsesorten genutzt werden kann. Der Verband sieht das Land in zweifacher Hinsicht gefordert. „Die Landesregierung muss erstens verhindern, dass kritisch belastetes Grundwasser zur Bewässerung von Gemüsefeldern und Äckern benutzt wird und es muss zweitens den betroffenen Landwirten, dort wo kritische Belastungen vorliegen, die Möglichkeiten und Grenzen der weiteren Bewirtschaftung aufzeigen“, fordert Jörg Nitsch vom BUND.

Bestätigt sieht sich der BUND hinsichtlich seiner Ablehnung zur Entwicklung einer naturfernen Landwirtschaft. Wenn das Pflanzenschutzmittel Dikegulac heute zu Problemen bei der Grundwassernutzung führt, obwohl seine Produktion nach Angaben von Merck schon 1999 eingestellt wurde, dann zeigt das, wie problematisch synthetische Pflanzenschutzmittel tatsächlich sind und über welche langen Umwege sie eine gesundheitsbedenkliche Wirkung entfalten können. 

Dass nun ein Bio-Bauer seinen Spinat nicht verkaufen darf, weil er ihn unwissentlich über die Bewässerung mit Grundwasser mit dem synthetischen Pflanzenschutzmittel Dikegulac belastet hat, ist für den BUND Vorsitzenden „tragisch“. Eine persönliche Verantwortung des betroffenen Bio-Bauern sieht der BUND nicht. „Jeder Landwirt und jeder Gartenbesitzer muss sich darauf verlassen können, dass das Grundwasser sauber ist und keine Gifte enthält, die Feldfrüchte belasten“, meint Jörg Nitsch. 

Seit dem Spurenstoffgutachten Hessisches Ried von 2016 ist bekannt, dass das Grundwasser im Hessischen Ried teilweise mit Schadstoffen belastet ist. Dikegulac ist nur eine davon. In dem Gutachten wurden weitere, auch gesundheitlich wesentlich bedenklichere Substanzen genannt. Bisher war der BUND davon ausgegangen, dass diese Belastungen keine unmittelbaren Folgen haben. Nach dem Fall des Bio-Bauern, der nun seinen Spinat nicht verkaufen darf, muss hier möglicherweise eine Neubewertung erfolgen.

Auf jeden Fall zeigt sich nun, wie wichtig die konsequente weitere Vorsorge ist. Ziel müsse es sein, die Belastungen genauer zu ermitteln und dann abzustellen. Der BUND begrüßt deshalb, dass die Landesregierung sich in der laufenden Legislaturperiode dem Problem zugewandt, eine Spurenstoffstrategie vorgelegt habe und die Nachrüstung bei belasteten Kläranlagen durch den Bau weiterer Reinigungsstufen nun fördere. Dieser Weg muss, so der BUND, konsequent weiter beschritten werden. 

Pressekontakt:

Thomas Norgall, stellv. Landesgeschäftsführer/Naturschutzreferent   0170 22772381