16. November 2018

Die Wildkatze fühlt sich im Naturpark Lahn-Dill-Bergland wohl – Wildkatzenerfassung bestätigt Vorkommen der seltenen Art im Naturpark-Gebiet

Wildkatze © Fotografie für Naturschutz/Helmut Weller

Die angehängten Fotos sind in Verbindung mit dieser Presseinformation und unter Nennung des Fotografen zur Veröffentlichung freigegeben.
Wildkatze © Fotografie für Naturschutz/Helmut Weller

Lockstockkontrolle (Foto: Werner Schmidt)

Lockstockkontrolle (Foto: Werner Schmidt)

Lockstock mit Haaren (Foto: B. Hennemuth)

Lockstock mit Haaren (Foto: B. Hennemuth)

Pressemitteilung des BUND Hessen und Naturpark Lahn-Dill-Bergland vom 16.11.2018

FRANKFURT. Die Wildkatze ist im Naturpark Lahn-Dill-Bergland wieder heimisch. Dies konnte nun der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mithilfe einer Lockstockaktion nachweisen. Die Untersuchung wurde von Februar bis April dieses Jahres in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Lahn-Dill-Bergland und den HessenForst Forstämtern Herborn, Biedenkopf und Wetzlar durchgeführt. Wöchentlich kontrollierten freiwillige Helferinnen und Helfer sogenannte Lockstöcke auf Haare der scheuen Waldbewohnerin. Mit großem Erfolg: Die genetische Analyse der gefundenen Haare ergab, dass sich 41 Mal mindestens 16 verschiedene Wildkatzen an den Lockstöcken rieben. 

„Die Untersuchung hat unsere Vermutungen bestätigt, dass die Wildkatze scheinbar weite Teile des Lahn-Dill-Berglands wieder besiedelt hat“, so Jörg Nitsch, Vorstandssprecher des BUND Hessen. Susanne Schneider, Wildkatzen-Expertin beim BUND erklärt: „Zwar gab es hier und dort in der Vergangenheit Totfunde an Straßen und auch Sichtungsmeldungen vermutlicher Wildkatzen, eine systematische Untersuchung hat jedoch noch nicht stattgefunden.“ Dies ist insofern von Belang, weil immer noch nicht alle Verbreitungsgebiete der heimlichen Samtpfote in Hessen bekannt sind. Mithilfe von Lockstockuntersuchungen wie im Naturpark Lahn-Dill-Bergland werden Wissenslücken nach und nach geschlossen. Im Naturpark seien die Lebensraumverhältnisse für die Wildkatze ideal: „Die abwechslungsreiche Landschaftsstruktur mit einem Mosaik aus Wald und Offenland bietet der Wildkatze einen sehr guten Lebensraum, in dem sie gute Jagdgründe und Bereiche zur Jungenaufzucht findet“, sagt Marion Klein, Geschäftsführerin des Naturparks Lahn-Dill-Berglands.

Um der Wildkatze auf die Spur zu kommen, wurden 60 Lockstöcke in einem 600 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Biedenkopf, Gladenbach, Hohensolms, und Haiger ausgebracht. Die mit Baldrian besprühten Holzpflöcke werden zur Paarungszeit der Wildkatzen im Winter in den Wäldern aufgestellt. Die Tiere werden durch den Duft angezogen, reiben sich am Holz und hinterlassen dabei Haare. Diese wurden von rund 30 Helfern unter teils harten Witterungsbedingungen im wöchentlichen Turnus abgesammelt und im Forschungsinstitut Senckenberg für Wildtiergenetik genetisch analysiert. Über 70 Haarproben kamen so zusammen.

Mit der Lockstock-Methode ist es bereits gelungen, die Wildkatze in verschiedenen Teilen Hessens nachzuweisen. Durch die Untersuchungen erhofft sich der BUND weitere Erkenntnisse darüber, wie viele Tiere in Hessen leben, wie sie wandern und mit welchen anderen Wildkatzenvorkommen in Deutschland sie verwandt sind.

In der Vergangenheit stark bejagt, erlöschten die letzten Vorkommen im Lahn-Dill-Bergland vermutlich Anfang des 20. Jahrhunderts. Seit knapp 70 Jahren steht die Wildkatze unter Artenschutz und kann sich langsam wieder ausbreiten. Dabei spielt die Vernetzung der Wälder eine entscheidende Rolle. „Sind Wälder durch grüne Korridore miteinander vernetzt, sind Wanderungen und damit ein genetischer Austausch zwischen den verschiedenen Populationen möglich. Für das Überleben der Wildkatze ist das unerlässlich“, erklärt Susanne Schneider. Seit 2004 engagiert sich der BUND daher im Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“ für den Schutz der gefährdeten Tiere und ihres Lebensraums. Das Ziel: Die Wälder Deutschlands wieder miteinander zu verbinden. Grüne Korridore aus Bäumen, Büschen und Sträuchern helfen der Wildkatze dabei, neue Reviere zu erschließen und sich mit anderen Populationen genetisch auszutauschen. Diese Lebensraumvernetzung stützt die biologische Vielfalt, sie hilft nicht nur der Wildkatze, sondern auch vielen weiteren Waldbewohnern wie Rothirsch und Luchs. Denn wo die Wildkatze lebt, fühlen sich auch andere Arten wohl. 

Rückfragen beantworten Ihnen:

Susanne Schneider | BUND Hessen | Tel.: 0171 992 03 31 | E-Mail: susanne.schneider@bund-hessen.de 

Marion Klein | Naturpark Lahn-Dill-Bergland | Tel.: 02776 801 17 | E-Mail: m.klein@lahn-dill-bergland.de