9. Februar 2017

Mit Dachlatten und Baldrian auf Wildkatzensuche im Krofdorfer Forst – Wildkatzenerfassung höchst erfolgreich

Wildkatze auf Baumstamm (Foto: Thomas Stephan/BUND)

Das angehängte Foto ist in Verbindung mit dieser Pressemitteilung unter Nennung des Fotografen zur Veröffentlichung freigegeben. Wildkatze (Foto: Thomas Stephan/BUND)

FRANKFURT. Dachlatten und Baldrian – mehr braucht es nicht, um der seltenen Wildkatze auf die Spur zu kommen. Seit 2013 untersucht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gemeinsam mit dem Forstamt Wettenberg und dem NABU Wettenberg, wie es um die Wildkatzenpopulation im Krofdorfer Forst bestellt ist. Mit großem Erfolg: Bisher konnten in vier Untersuchungsjahren fast 40 verschiedene Wildkatzen festgestellt werden. Alleine im Jahr 2016 hinterließen 14 Individuen ihre Haare an den so genannten Lockstöcken, wie jetzt die Ergebnisse der genetischen Analyse zeigen. Bei fünf Katzen handelt es sich um bereits bekannte Tiere aus den Vorjahren, neun Tiere wurden neu nachgewiesen.

Susanne Schneider, Koordinatorin des Wildkatzenprojekts beim BUND Hessen erklärt: „Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort – jedes Jahr kommen viele Wildkatzen dazu, die wir noch nicht kennen. Ebenso viele lassen sich nicht mehr nachweisen, sie haben also entweder ihre Streifgebiete verlagert, sind abgewandert oder auch gestorben.“ Gründe für diese hohe Dynamik können laut Schneider sehr vielfältig sein und sollen im Rahmen der Langzeitstudie mithilfe von weiterführenden wissenschaftlichen Untersuchungen erforscht werden. Dazu werden auch Wildkatzen-Totfunde an Straßen rund um den Krofdorfer Forst genetisch untersucht und mit der Datenbank der im Projekt nachgewiesenen Individuen abgeglichen.

Die Langzeitstudie, die bei ausreichenden finanziellen Mitteln bis 2020 durchgeführt werden soll, ermöglicht den Naturschützern ganz spezifischen Fragestellungen auf den Grund zu gehen. „Wir können zum Beispiel herausfinden, mit welchen anderen hessischen Wildkatzen unsere Krofdorfer Katzen verwandt sind und wissen so, von wo aus sie vermutlich eingewandert sind. Zudem können wir abschätzen, wie lange einzelne Katzen ihre Streifgebiete besetzen. Die Klärung dieser Fragen trägt maßgeblich zum besseren Verständnis der Lebensweise der Wildkatze bei“, erläutert Forstamtsleiter Harald Voll. Planungen zum Schutz der immer noch verhältnismäßig seltenen Art können so effektiver gestaltet werden. Die Aktion wird durch die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Naturschutzzentrums Hessen e.V. und die BUND Hessen Naturschutzstiftung finanziell unterstützt. Ein Gewinn bei der Umweltlotterie GENAU im Sommer letzten Jahres lieferte zudem eine kräftige Finanzspritze.

Unterdessen ist die Lockstockaktion in die fünfte Runde gegangen. Seit Anfang Februar suchen Mitarbeiter des Forstamts Wettenberg und Mitglieder des NABU die Lockstöcke wieder nach Haaren der Wildkatze ab. Lockstöcke sind mit Baldrian besprühte Holzlatten, die zur Paarungszeit der Wildkatzen im Winter in den Wäldern aufgestellt werden. Die Tiere werden durch den Duft angezogen, reiben sich am Holz und hinterlassen dabei Haare. Diese werden von Februar bis April regelmäßig eingesammelt und im Senckenberg Institut für Wildtiergenetik in Gelnhausen genetisch analysiert. Mit der Lockstock-Methode ist es bereits gelungen, die Wildkatze unter anderem im vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Projekt "Wildkatzensprung" in verschiedenen Teilen Hessens nachzuweisen. Durch die Untersuchungen erhofft sich der BUND weitere Erkenntnisse darüber, wie viele Tiere in Hessen leben, wie sie wandern und mit welchen anderen Wildkatzenvorkommen in Deutschland sie verwandt sind.

Tote „verdächtige“ Katze gefunden?

Bei Totfunden von Katzen, die Wildkatzen sein könnten, wenden sich Finder im Landkreis Gießen bitte an Herrn Brusius vom Forstamt Wettenberg unter Tel. 0641 46046019 oder E-Mail: holger.brusius@forst.hessen.de. Weitere Kontaktinfos auf der Homepage des Forstamts unter http://www.hessen-forst.de/forstamt-wettenberg-das-forstamt-1985.html

Hintergrundinformation

Weitere Informationen zum Wildkatzenprojekt des BUND finden Sie unter
www.bund-hessen.de/wildkatze 

Rückfragen beantworten Ihnen:

Susanne Schneider
BUND Hessen
Geleitsstraße 14
60599 Frankfurt
Tel. 069 67737616
E-Mail: susanne.schneider@bund-hessen.de

Harald Voll
Hessen-Forst Forstamt Wettenberg
Burgstraße 7
35435 Wettenberg
Tel. 0641 46046041
E-Mail: harald.voll@forst.hessen.de