19. Juni 2019

Insektenschutz: BUND fordert konsequentes Verbot von Pestiziden in Schutzgebieten

Wildbiene auf Grashalm

Wildbiene auf Grashalm (Foto: Niko Martin)

Es summt und brummt immer weniger in der Natur. Das Sterben der Insekten hat dramatische Ausmaße und ist wissenschaftlicher Fakt. Alle Forschungsergebnisse nennen für das Insektensterben zwei Hauptgründe: den Klimawandel und die intensive Landwirtschaft. Selbst in jedem dritten Naturschutzgebiet werden einer aktuellen Recherche des Politikmagazins Fakt zu Folge Pestizide eingesetzt. Damit muss Schluss sein, fordert der BUND im Rahmen seiner Insektenkampagne „Lass brummen” und dem bundesweiten Aktionstag in sieben Bundesländern.

„Das Bundeskabinett muss in seinem Aktionsprogramm Insektenschutz den Einsatz von Pestiziden in Nationalparken und speziell für den Naturschutz ausgewiesenen Gebieten konsequent verbieten”, fordert Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen. „Der Schutz von Natur und biologischer Vielfalt muss in Naturschutzgebieten absoluten Vorrang vor allen wirtschaftlichen Interessen haben. Anders lässt sich auch das massive Insektensterben nicht aufhalten.”

Beim Einsatz von Pestiziden ist im Regelfall davon auszugehen, dass auch sogenannte Nichtzielorganismen vom Einsatz der Ackergifte betroffen sind, die dem Schutzzweck des jeweiligen Schutzgebietes unterstehen. Jörg Nitsch weiter: „Viele Pestizide wirken nicht spezifisch auf eine Pflanzen- oder Insektenart, sondern schädigen oder töten mehrere Arten und Artengruppen. Glyphosat und andere Totalherbizide töten beispielsweise alle Pflanzen ab. Und besonders die Gruppe der Neonikotinoide schädigen Honig- und Wildbienen.”

Eine aktuelle, repräsentative Umfrage von Kantar Emnid für den BUND zeigt zudem, dass eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger eine gesetzliche Änderung zum Einsatz von Pestiziden in Schutzgebieten fordert. 76 Prozent sprechen sich dafür aus, in Wasserschutzgebieten, Naturschutzgebieten oder geschützten Biotopen den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln generell zu verbieten. „Wo Schutzgebiet draufsteht, muss auch Schutz enthalten sein. Die Menschen haben ein gutes Gespür dafür, dass Gifte in Schutzgebieten nichts zu suchen haben. Bis das bundesweite Pestizidverbot für Schutzgebiete im Bundesnaturschutzgesetz verankert ist, muss die Landesregierung Verantwortung übernehmen”, so Nitsch weiter. „Sie muss dafür Sorge tragen, dass der Einsatz von Pestiziden in Schutzgebieten nicht länger von den zuständigen Behörden genehmigt wird.”

Aus Sicht des BUND muss zudem das heutige Zulassungsverfahren für Pestizide geändert werden und Umweltaspekte mehr berücksichtigt werden. „So wie die Pestizidzulassung zur Zeit geregelt ist, ist es keinesfalls ein Garant für die ökologische Unbedenklichkeit der Stoffe”, kritisiert Jörg Nitsch weiter.

Hintergrund

Im Rahmen seiner Insektenkampagne übergab der BUND am heutigen Mittwoch an Bundesumweltministerin Svenja Schulze über 100.000 Unterschriften. Die Menschen fordern mit ihrer Unterschrift von der Bundesumweltministerin, aber auch von der Bundeslandwirtschaftsministerin, eine gemeinsame Anstrengung und gemeinsames Handeln, um unsere Insekten und damit die Artenvielfalt zu retten.

Weitere Informationen finden Sie unter: aktion.bund.net/lass-brummen

BUND-Umfrage zum Schutz von Insekten, inklusive Pestizideinsatz in Schutzgebieten, finden Sie unter: www.bund.net/insektensterben-umfrage (pdf; ca. 50 KB).

Pressekontakt

  • Thomas Norgall, Naturschutzreferent des BUND Hessen, Mobil: 0170 2277238