9. März 2017

„Frühlingsgefühle“ helfen bei der Suche nach der Wildkatze – BUND erneut auf der Spur der scheuen Jägerin

Wildkatze sitzt auf moosbedecktem Baumstamm (Foto: Thomas Stephan)

Pressefotos: www.bund.net/wildkatzenfotos (Das Copyright entnehmen Sie bitte der Fotobeschreibung.)

FRANKFURT. Wenn im Winter für die europäische Wildkatze in Deutschlands Wäldern die Ranz – also die Paarungszeit – beginnt, begibt sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) wieder auf die Suche nach neuen Nachweisen der seltenen Katze. „Wir hoffen, dass sich die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzt und die Wildkatze sich weiter ausbreitet. In diesem Jahr untersuchen wir einerseits bekannte Wildkatzenregionen wie den Krofdorfer Forst bei Gießen, um zu sehen, ob sich die Tiere dauerhaft etablieren. Andererseits überprüfen wir bis dato ungeklärte ‚weiße Flecken’ wie etwa den Odenwald“, erklärt Susanne Schneider, Wildkatzen-Expertin beim BUND Hessen. „Als Lockstoff nutzen wir Baldrian. Sein Geruch ist den Sexuallockstoffen der Wildkatze sehr ähnlich, so dass er die Tiere magisch anzieht.“

Mit dem „Rettungsnetz Wildkatze“ engagiert sich der BUND seit über zehn Jahren für die Europäischen Wildkatze in Deutschland. Um ihrer Verbreitung auf die Spur zu kommen, nutzen die Experten, darunter viele ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer, die sogenannte Lockstock-Methode. Lockstöcke sind mit einer Baldriantinktur eingesprühte Holzstöcke, deren Geruch die Katzen anlocken. Sie werden in den Untersuchungsgebieten nach einem speziellen Schema gesetzt und regelmäßig überprüft. Denn wenn sich die Tiere am Lockstock reiben, bleiben an der rauen Oberfläche Haare hängen, die in Probentütchen verpackt und im Labor analysiert werden. „In dieser Saison hoffen wir besonders auf Nachweise der Wildkatze im Odenwald“, erläutert Susanne Schneider. „Hier warten wir schon lange auf eine Bestätigung der scheuen Samtpfote.“

Die Europäische Wildkatze ist, anders als unsere Hauskatzen, eine echte Ureinwohnerin Europas. Sie lebt bevorzugt in naturnahen Wäldern und steht damit wie kaum ein anderes Tier für eine intakte, strukturreiche Waldlandschaft in Deutschland. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast ausgerottet, gibt es heute schätzungsweise deutschlandweit 5.000 bis 7.000 Exemplare.

„Die größte Bedrohung für die Wildkatze ist die Zerschneidung und Verarmung ihres Lebensraums durch strukturarme Monokulturen, Straßen und Siedlungen“, so Susanne Schneider. „Damit sie und viele andere gefährdete Tiere eine echte Überlebenschance haben, braucht es dringend ein Netzwerk an verbundenen Wäldern“, sagt Susanne Schneider. „Wir vom BUND fordern deshalb eine ‚grüne Infrastruktur‘ für Deutschland.“

Weitere Informationen: www.bund-hessen.de/wildkatze

Rückfragen beantwortet Ihnen:

Susanne Schneider, Managerin Naturschutzprojekte, E-Mail: susanne.schneider@bund-hessen.de, Tel. 069 677376-16