31. Juli 2018

„Ein echter Fortschritt für die nachhaltige Waldbewirtschaftung“

Buchenblätter (Foto: Niko Martin)

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt die heute Nachmittag verkündete Umstellung des Staatsforstes in allen hessischen Forstämtern auf die Regeln des Forest Stewardship Council (FSC). Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen: „Die Umstellung ist ein echter Fortschritt für die nachhaltige Waldbewirtschaftung."

FSC garantiert nicht nur besonders naturnahe Wirtschaftswälder aus heimischen, standortgerechten Baumarten, sondern auch eine Abstimmung mit sozialen Belangen und den Ansprüchen der Waldeigentümer. Der BUND erneuert seinen Wunsch, dass auch möglichst viele hessische Kommunen sich dem Vorbild des Landes Hessens anschließen und die Bewirtschaftung ihrer kommunaler Wälder den FSC-Regeln anpassen würden.

Der BUND Hessen hatte die Einführung des FSC-Standards immer wieder gefordert, weil damit höhere und vor allem klar nachprüfbare ökologische Standards für die Waldbewirtschaftung durch Hessen-Forst eingeführt werden. Gerade in Zeiten des Klimawandels brauchen wir artenreiche Wälder aus standortgerechten heimischen Baumarten, die auch ohne den bei FSC weitgehend verbotenen Gifteinsatz gegen Schädlinge überleben.

Bereits jetzt zeigt sich, dass die in Hessen nicht heimische Baumart Fichte in den Tieflagen unterhalb von 300 Metern von ihren natürlichen Feinden, den Borkenkäfern, regelrecht aufgefressen werden und nicht mehr anbauwürdig sind. Der BUND begrüßt auch, dass der Anbau der Baumart „Douglasie“ nach FSC nur noch begrenzt möglich ist. Die aus Nordamerika stammende Douglasie bietet nämlich nur wenigen Tieren Lebensraum, verdrängt als invasive Art auf trockenen Standorten die heimische Waldvegetation und die Erwartung an hohe Holzerträge ist sehr unsicher, weil sich bei einem vermehrten Anbau die Krankheiten und Schädlinge der Douglasie ausbreiten werden.

Wichtig ist dem BUND auch, dass die Einhaltung sozialer Standards nun ebenfalls als Teil der Bewirtschaftungsvorgaben gesichert wird. Mit der Umstellung in der Staatswaldbeförsterung erfüllt die schwarz-grüne Landesregierung eine der zentralen waldpolitischen Forderungen des BUND Hessen. 

Hintergrundinformationen:

Der Forest Stewardship Council (FSC) geht auf eine Initiative von Menschenrechtsorganisationen, Umwelt-NGOs sowie einer Gruppe von Händlern und Industriebetrieben im Jahre 1990 in Kalifornien zurück. Aufgrund der aus Sicht großer internationaler Umweltschutzorganisationen unbefriedigenden Ergebnisse beim Schutz von Wäldern beim Umweltgipfels von Rio hielt man die Idee des FSC für geeignet, zu einer besseren Forstwirtschaft beizutragen. Die Entwicklung der Organisation FSC basiert maßgeblich auf dem Engagement von WWF, Greenpeace, Gewerkschaften und Interessensvertreter indigener Völker, die gemeinsame Interessen identifizierten. Weitere Informationen insbesondere zur gleichberechtigten Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Interessen in einem Kammersystem findet man hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Forest_Stewardship_Council

 

Pressekontakt:

Thomas Norgall stellv. Landesgeschäftsführer/Naturschutzreferent   0170 22772381