9. März 2018

Der wahre Feind der Weidetierhalter ist nicht der Wolf, sondern LIDL, ALDI und Co

Verständnis hat der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für die Sorgen der Weidetierhalter, die für heute zu einem Mahnfeuer anlässlich der Ausbreitung des Wolfes in Deutschland nach Braunfels eingeladen haben. BUND Vorstandssprecher Jörg Nitsch: „Die Weidetierhaltung ist in der Regel gut für das Vieh und die Umwelt.“ Bevor das staatlich sanktionierte Töten von Problemwölfen in den Mittelpunkt der Diskussion gestellt wird, sollten jedoch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Weidetierhalter*innen und der Herdenschutz weiter verbessert werden, denn so Jörg Nitsch vom BUND: „Die Schadensvermeidung ist immer besser als der Schadensausgleich.”

Die größten Probleme für die Weidetierhaltung sieht der BUND in einer verfehlten Agrarpolitik und den Preiskämpfen der großen Discounter bei Grundnahrungsmitteln. Der so ausgelöste wirtschaftliche Druck muss gemildert werden. BUND Vorstandssprecher Jörg Nitsch: „Der wahre Feind der Weidetierhalter ist nicht der Wolf, sondern LIDL, ALDI und Co.“ Der BUND fordert zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Weidetierhalter*innen eine Weidetierprämie für Schafe, Ziegen und Mutterkuhhaltung. 22 europäische Mitgliedstaaten fördern ihre Schäfer*innen mit rund 500 Millionen Euro im Jahr. Die Weidetierprämie ist das beste Mittel für die Erhaltung der extensiven Weidetierhaltung – das sagt sogar die EU-Kommission. Deutschland ist eines der wenigen Länder in Europa, das auf eine Weidetierprämie verzichtet. Das muss sich ändern!

Der BUND Hessen begrüßt, dass die hessische Landesregierung ab 2018 Haushaltsmittel bereitstellt, um Tierhaltern beim Herdenschutz zu helfen und Entschädigungen für Risse bezahlen. Außerdem begrüßt der BUND, dass Hessen beim Wolfsmonitoring mit drei weiteren Bundesländern kooperieren will.

Schädlich ist hingegen nach Meinung des BUND die Koaltionsvereinbarung von CDU und SPD auf der Bundesebene, weil damit suggeriert wird, dass der Abschuss einzelner Wölfe das Problem lösen würde. Hier wäre es besser gewesen, wenn man sich zur Einführung einer Weidetierprämie entschlossen hätte, die allen Tierhaltern sofort und dauerhaft helfen würde.

Dass Weidetiere und Wölfe gemeinsam existieren können, beweisen die EU-Länder Italien, Schweden, Spanien und Rumänien seit Jahrhunderten. Es geht also nicht um ein Entweder-Oder, sondern um ein faires Miteinander,“ betont BUND Vorstandssprecher Jörg Nitsch.

Wichtig ist für den BUND, dass die Eckpunkte für die Definition von und den Umgang mit Problemwölfen im Einklang mit dem Bundesnaturschutzgesetz und internationalen Naturschutzverpflichtungen bundesweit definiert und in allen Bundesländern möglichst einheitlich gehandhabt werden. Ein verstärktes Monitoring, wie von den vier Bundesländern Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland nun vereinbart, könne ebenfalls zu einer sachlichen Diskussion und zu einem Vertrautwerden der regionalen Öffentlichkeit mit Wölfen beitragen.

Strikt wendet sich der BUND Hessen gegen die Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht, denn wenn wirklich ein Wolf vergrämt, gefangen oder geschossen werden muss, dann ist dies gerade mit der damit verbundenen Gefahrenabwehr eine Aufgabe von Spezialisten im Landesdienst und mit der Jagd auf Rehe und Wildschweine nicht vergleichbar. 

Hintergrundmaterial:

  1. LT-Drs. 19/5937 „Schaf- und Ziegenhalter von Mehraufwand durch Beutegreifer entlasten“: http://starweb.hessen.de/cache/DRS/19/7/05937.pdf  
  2. BUND Forderung Weidetierprämie: https://www.bund.net/aktuelles/detail-aktuelles/news/schafe-als-landschaftspfleger/  
  3. Ländervereinbarung zum Wolfsmanagement: https://umwelt.hessen.de/presse/pressemitteilung/laenderuebergreifendes-wolfsmanagement-zwischen-hessen-baden-wuerttemberg  

Pressekontakt:

Thomas Norgall stellv. Landesgeschäftsführer/Naturschutzreferent   0170 22772381