23. November 2017

Betonierte Äcker bieten keine Zukunft – BUND wirft Frankfurter Kommunalpolitikern Kurzsichtigkeit vor

Asphalt mit stilisierten Pflanzen (Bild: Niko Martin)

Frankfurt am Main, 23.11.2017

Mit Nachdruck wendet sich der BUND-Landesverband Hessen gegen die Planungsabsichten der Stadt Frankfurt, die an der A5 etwa 190 ha bester Ackerböden unter Beton und Asphalt verschwinden lassen möchte.

OB Feldmann vertritt in diesem Zusammenhang die Auffassung, dass man nicht Agrarflächen auf Kosten unserer Kinder sichern könne.

BUND-Landesvorstandssprecher Herwig Winter: „Das ist nichts weiter als Kurzsichtigkeit zu Lasten künftiger Generationen. Gerade für unsere Kinder müssen wir die Agrarflächen sichern, denn auf Beton und Asphalt lassen sich nun einmal keine Nahrungsmittel erzeugen.“

Nach Ansicht des BUND haben die verantwortlichen Planer und Politiker noch nicht einmal annähernd die Brisanz der Lage erfasst, die sich angesichts einer immer weiter fortschreitenden Flächenversiegelung ergibt. Wenn der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef das Ziel von 2,5 ha Flächenversiegelung pro Tag, das der hessische Wirtschaftsminister Al-Wazir im Landesentwicklungsplan vorgesehen hat, als Restriktion kritisiere, dann verkenne er, dass mit dieser Festschreibung das grundsätzliche Problem des Flächenverbrauchs nicht gelöst wird.

Herwig Winter: „Unsere Volksvertreter halten sich für Realpolitiker, obwohl sie der Meinung sind, man könne von einem Kuchen jeden Tag ein Stück abschneiden und aufessen, ohne dass der Kuchen je alle wird. Nur eine Flächenversiegelung von Netto Null ist zukunftsfähig. Das heißt, wenn an einer Stelle Fläche versiegelt wird, dann muss an anderer Stelle eine gleichgroße Fläche entsiegelt werden. Doch von solchen Überlegungen ist die Politik auf allen Ebenen noch meilenweit entfernt.“

Der BUND verweist darauf, dass in den Jahren 1992 bis 2012 die Landwirtschaftsfläche bundesweit um rund 860.000 ha abgenommen hat, was mehr sei als die gesamte Landwirtschaftsfläche Hessens, die rund 770.000 ha umfasse.

Nach Auffassung der Vereinten Nationen hängt aber die Zukunftsfähigkeit einer Nation unter anderem davon ab, ob sie dauerhaft in der Lage ist, die in ihr lebenden Menschen auf der Basis der im Land zur Verfügung stehenden Agrarflächen ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Deshalb hatten die UN das Jahr 2015 zum Internationalen Jahr des Bodens erklärt.

Nach Ansicht des BUND vergrößern Städte und Kommunen, die ihr Heil in immer neuen Flächenausweisungen für Siedlungs- und Gewerbegebiete suchen, zunehmend die Abhängigkeit der EU von Nahrungsmittelimporten aus den Entwicklungsländern und exportieren so den Hunger dorthin. Die EU nutzt derzeit außerhalb Europas bereits rund 640 Mio. Hektar Land. Das ist eineinhalb Mal so viel wie die Landesfläche aller 28 Mitgliedsstaaten zusammen.

Herwig Winter: "Niemand bei uns darf sich wundern oder gar beschweren, wenn in Zukunft vermehrt auch Menschen aus Gebieten, in denen nicht mehr genügend Nahrungsmittel für den eigenen Bedarf angebaut werden, sich als Flüchtlinge auf den Weg nach Europa machen."

Rückfragen: Herwig Winter, BUND-Landesvorstandssprecher: Tel. 06209 4353