14. Februar 2019

Am „Grünen Band“ entsteht ein Urwald für morgen – Bündnis der hessischen Naturschutzverbände begrüßt Planungen der Landesregierung für neue Naturwälder

25 Waldschutzgebiete fur Hessen / Ausschnitt Titelblatt / Grünes Band Deutschland

Die Landesregierung plant am „Grünen Band“ im Werra-Meißner-Kreis eine neue große Naturwaldfläche. Der künftige Gebietsname „Grünes Band bei Wanfried“ weist auf die besondere Lage des neuen großen Naturwaldgebiets an der ehemaligen innerdeutschen Grenze hin. Der neue Naturwald soll eine Größe von 888,1 Hektar erhalten. Wenn künftig die forstliche Bewirtschaftung in diesem Schutzgebiet bei Wanfried eingestellt wird, werden sich die ökologischen Bedingungen deutlich verbessern. Das Bündnis der hessischen Naturschutzverbände, bestehend aus BUND Hessen, Hessischer Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, NABU Hessen und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, begrüßt die Planung, die am 14.02.2019 im Forstamt Wehretal vorgestellt werden soll. Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen, sieht in dem neuen Gebiet einen Gewinn für die Natur und den Tourismus: „Durch einen Urwald von morgen am „Grünen Band“ wird das Wandern an der ehemaligen innerdeutschen Grenze noch interessanter und die touristische Attraktivität der Gemeinde Wanfried im Werra-Meißner-Kreis gestärkt.“

Die Ausweisung der Naturwaldfläche ist Teil der Umsetzung der Hessischen Biodiversitätsstrategie und geht auf einen Vorschlag zurück, den die Naturschutzverbände im Frühjahr 2018 vorgelegt hatten. Danach will Hessen den Anteil ungenutzter Wälder bei der gesamten hessischen Waldfläche auf fünf Prozent steigern und als Naturwälder schützen. Besonders positiv sehen die Naturschutzverbände, dass Naturwälder, die größer als 100 Hektar sind, als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden und damit auch einen hohen rechtlichen Schutz erhalten sollen. Bestandteil des neuen Gebietes wird eine bereits vorhandene kleinere Naturwaldfläche von 47 Hektar sein. Besonders geschützt werden mit dem „Grünen Band bei Wanfried“ Kalk-Buchenwälder, die sich durch das Vorkommen seltener Orchideen auszeichnen.

In Naturwäldern kann sich der Wald ganz ohne Zutun des Menschen natürlich entwickeln. Menschen sind weiterhin eingeladen, den Wald zu betreten und zu erleben, es werden aber keine Bäume mehr gefällt. Alte, umgefallene Bäume bleiben anders als im Wirtschaftswald stehen, bis sie morsch werden und zusammenbrechen. Das schafft einzigartigen Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Pilze. Je größer der einzelne Naturwald, desto größer ist seine Standortvielfalt und desto mehr ökologische Nischen können sich entwickeln. Dieser Prozess des Wachsens und Weichens dient dem Artenschutz und ist auch für den Klimaschutz sinnvoll. In Naturwäldern speichern der Baumbestand und vor allem der Boden Jahr für Jahr Kohlenstoff und entziehen ihn so der Atmosphäre.

Hintergrundinformationen

  • Das Naturwälderkonzept der Naturschutzverbände „Land der Naturwälder – 25 Waldschutzgebiete für Hessen“ finden Sie hier:
    http://naturwaelder-in-hessen.de 
  • Das „Grüne Band“: Mitten durch Deutschland zieht sich ein rund 1.400 Kilometer langes Band wertvollster Biotope: die ungenutzten Flächen der ehemaligen innerdeutschen Grenze, das „Grüne Band“. Mehr als 1.200 Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste Deutschlands leben hier. Die Idee wurde auf den ehemaligen „Eisernen Vorhang“ übertragen. Am 24.09.2014 wurde die „European Green Belt Association e. V.“ gegründet, die mittlerweile 29 Mitglieder hat. Infos zur Entstehungsgeschichte des „Grünen Bandes“ in Deutschland und in Europa finden Sie hier:
    https://www.bund.net/gruenes-band/chronik/ 
    https://www.bund.net/gruenes-band/gruenes-band-europa/chronik/ 

Pressekontakt:

  • Oliver Conz, HGON, Vorsitzender 0170 2739055
  • Mark Harthun, NABU, Leiter Naturschutz und stellv. Landesgeschäftsführer 06441 6790416
  • Manuel Schweiger, ZGF, Wildnisreferent 069 94 34 46 33
  • Thomas Norgall, BUND, stellv. Landesgeschäftsführer/Naturschutzreferent 0170 22772381