BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


4. Oktober 2018

Abwasserchemikalien der Chemiefirma Merck im Trinkwasser von Frankfurt und Wiesbaden / BUND fordert Fortsetzung der Grundwasseruntersuchung

Grundwasseruntersuchung jetzt (Grafik: Niko Martin)

Das Trinkwasser des Wasserwerks Dornheim im Hessischen Ried, das für die Versorgung von Frankfurt und Wiesbaden wichtig ist, ist mit mehr als zweihundert Chemikalien der Firma Merck belastet. Voraussetzung zum besseren Schutz des Grundwassers sind vertiefende chemische Analysen. Doch seit drei Jahren werden diese nicht in Auftrag gegeben. „Es ist unerträglich, dass die nötigen chemischen Untersuchungen immer noch nicht begonnen haben. Das Hessische Umweltministerium hat im Sommer eine ‚Spurenstoffstrategie' zur Beseitigung vorhandener und Verhinderung neuer von Schadstoffeinträge in das Grundwasser beschlossen, die wir gelobt haben. Doch nun muss es auch voran gehen und die nötigen Analysen veranlassen“, ärgert sich Jörg Nitsch, der Vorsitzende des BUND Hessen, über den Zeitverzug.

Notwendig sind vertiefende chemische Untersuchungen, um das Wasserwerk, dessen Förderkapazität derzeit beschränkt ist, besser schützen zu können. Bereits im letzten Jahr hatte der BUND die Auskunft erhalten, dass für den Auftrag zur Gutachtenvergabe nur noch die Zustimmung aus dem Ministerium nötig sei. Doch bis heute wurde das Gutachten nach Informationen des BUND immer noch nicht vergeben. Seit drei Jahren geht es nun mit dem Trinkwasserschutz nicht voran. Für den BUND ist die Wasserpolitik des Landes widersprüchlich, denn während einerseits die Fördermengen von Wasserwerken ausgeweitet werden, obwohl die Wälder im Ried unter den Grundwasserabsenkungen leiden, akzeptiert man, dass das Wasserwerk Dornheim seine Förderrechte wegen des Chemiecocktails nicht ausnutzen kann und verschmutztes Trinkwasser fördert. Der trockene Sommer 2018 zeigt, dass der Schutz des Grundwassers im Hessischen Ried besonders wichtig ist, denn der vorhandene Grundwasserkörper für die Versorgung des Rhein-Main-Gebiets mit Trinkwasser unverzichtbar.

Bereits im September 2015 war durch ein Gutachten im Auftrag des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) bekannt geworden, dass die Trinkwasserbrunnen des Wasserwerkes Dornheim bei Groß-Gerau im Hessischen Ried mit organisch-chemischen Spurenstoffen belastet sind. So wurden u. a. bis zu 235 Chemikalien nachgewiesen, „die dem industriellen Abwasser der Firma Merck zugeordnet werden konnten“(1). Diese Brunnen speisen die Riedleitung, die große Teile Frankfurts und Wiesbadens mit Trinkwasser versorgt. Eine Entfernung der Spurenstoffe gibt es im Wasserwerk nicht. Die verwendete moderne Analysenmethode konnte durch einen Vergleich des Brunnenwassers und des Abwassers der Firma Merck den Beweis erbringen, dass Merck der Verursacher ist; andere Belastungen stammen aus kommunalen Kläranlagen(2). Doch um konkrete Maßnahmen zu ergreifen, damit solche Chemikalienbelastungen des Trinkwassers in Zukunft verhindert werden können, wie es die Trinkwasserverordnung rechtlich vorschreibt, müssten zu den industriellen Einträgen weitere Untersuchungen zur genauen Identifizierung und Quantifizierung vorgenommen werden. Zur Zeit ist auch nicht bekannt, ob einzelne dieser Chemikalien möglicherweise gesundheitsschädlich sind.

Der BUND fragt seit mehr als zwei Jahren immer wieder nach, wann die Untersuchungen endlich beginnen, erhielt aber bisher immer nur unbefriedigende Antworten(3). Nun gibt es seit Juni 2018 die offizielle Strategie des Ministeriums zu den Belastungen des Grundwassers im Hessischen Ried mit Chemikalien. Diese sieht auch vor, dass Belastungen industriellen Ursprungs untersucht werden. Dabei wird ausdrücklich die chemische Identifizierung, quantitative Erfassung und die Bewertung im Hinblick auf die Giftigkeit der Stoffe im Abwasser gefordert. Doch bei einer Veranstaltung des Ministeriums zur Vorstellung der Strategie erhielt der BUND auf eine sehr konkrete Frage wieder keine klare Antwort mit einer Terminzusage zum Untersuchungsbeginn. „Bei mir drängt sich inzwischen der Verdacht auf, dass hier Rücksichtnahmen der politischen Spitze des Umweltministeriums gegenüber der Firma Merck im Spiel sind“, so Dr. Grommelt, Sprecher des Landesarbeitskreises Wasser, abschließend.

Hintergrundinformationen:

 

 

Rückfragen beantworten:

 

 

 


Quelle: http://www.bund-hessen.de/nc/presse/pressemitteilungen/detail/artikel/abwasserchemikalien-der-chemiefirma-merck-im-trinkwasser-von-frankfurt-und-wiesbaden-bund-fordert/