2. Mai 2017

1. Schluss mit der Umweltzerstörung durch den Kalibergbau! 2. Stromautobahn „SuedLink“ ist unnötig, teuer und schädlich

Schluss mit Umweltzerstörung durch Kalibergbau und SuedLink (Grafik: Niko Martin)

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gemeinde Gerstungen haben heute in einer gemeinsamen Pressekonferenz ihre Forderung nach einem Ende der Umweltzerstö­rung durch den Kalibergbau im hessisch-thüringischen Grenzgebiet bekräftigt. Der BUND verschärft seinen Kampf gegen die Verpressung salzhaltiger Abwässer in den Untergrund und wird in seinem bereits anhängigen Klageverfahren gegen die Verpressung einen „Stoppantrag" stellen. „Die Verpressung des Salzwassers ist ein Angriff auf das Trinkwasser, unser Lebensmittel Nr.1, der so schnell wie möglich beendet werden muss", erklärte Hubert Weiger, der Bundesvorsitzende des BUND.

Gemeinsam wollen der BUND, der Bundesverband der Bürgerinitiativen gegen „SuedLink“ (BBgS) und die Gemeinde Gerstungen auch gegen die Stromautobahn „SuedLink“ vorgehen. Bürger­meisterin Sylvia Hartung lehnt den Bau wegen der hohen Belastungen ihrer Kommune durch andere Eingriffe ab und alle drei bestreiten, dass Stromautobahnen für die Energiewende nötig sind. „SuedLink“ verursacht auch bei der Verkabelung zu große Eingriffe, ist zu teuer. Die hohen Kosten für „SuedLink“ sind besser für eine kostengünstigere regionale dezentrale Energieversorgung mit Stromeinsparung, Windenergie und Kraft-Wärme-Kopplung zu verwenden.

Schluss mit der Umweltzerstörung durch den Kalibergbau!

Gerstungen und der BUND arbeiten schon seit einigen Jahren zusammen, um die Umweltzer­störung durch den Kalibergbau zu beenden. Beide klagen gegen die Verpressung des Salzwassers in den Untergrund, um die weitere Versalzung des Grundwassers und die Risikozunahme für das Trinkwasser zu verhindern. Gerstungen hat bereits einen Stoppantrag gegen die Verpressung eingelegt. Nachdem das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in seiner Stellungnahme vom 09.02.2017 die Belastbarkeit des Grundwassermodells bestritten hat, auf die die aktuelle Verpressungsgenehmigung vom 23.12.2016 gestützt wird, und nachdem die Hessische Umweltministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Grüne) den Bescheid trotz der negativen Stellungnahme ihrer Fachbehörde nicht aufheben lässt, vollzieht nun auch der BUND diesen Schritt.

Der BUND und Gerstungen wenden sich außerdem gegen die Pläne von K+S, die Rückstandshalde Hattorf von 86 auf 166 Hektar zu erweitern. Für dieses Vorhaben endet morgen, am 03.05.2017, die Einwendungsfrist. Gegen die Erweiterung spricht eine Vielzahl fachlicher und rechtlicher Gründe. Statt einer weiteren Aufhaldung fordern Gerstungen und der BUND den Versatz der Abfälle unter Tage.

Stromautobahn „SuedLink“ ist unnötig, teuer und schädlich

Der BUND, BBgS und die Gemeinde Gerstungen fordern einen Stopp von „SuedLink“, da dieses Vorhaben auch als Erdkabelvariante zu hohe Eingriffe in Umwelt und Natur hervorruft und zwar unabhängig von der konkreten Leitungsführung. Die Leitung „SuedLink“ ist zentralistisch, zu teuer
und verhindert die Alternative einer kostengünstigeren dezentralen Energiewende in Bürgerhand. Der BUND-Vorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger, stellt gemeinsam mit Guntram Ziepel vom Bundesverband der Bürgerinitiativen gegen „SuedLink“, fest: „Die Planung und der Bau von „SuedLink“ müssen gestoppt werden. Wir haben eine bessere Alternative! Nicht oben als Freileitung, nicht unten als Erdkabel – nicht in Thüringen, nicht in Hessen – sondern dezentrale Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien mit Wind- und Sonnenenergie und Kraft-Wärme­Kopplung anstelle des Baus von „SuedLink“.

Der BUND und die BBgS fordern:

  • Stopp des zentralistischen und intransparenten Netzplanungsverfahrens – Stopp von „SuedLink“
  • Priorität für Ertüchtigung der bestehenden Übertragungs- und Verteilnetze!
  • Neue Regeln des Strommarktes zugunsten regionaler Lösungen!
  • Dezentrale Energiekonzepte der Bürgerenergie mit Energieeinsparung, Ausbau der Windenergie, insbesondere in Bayern sowie von Sonnenstrom und flexibler Kraft-Wärme-Kopplung.

Energiewende geht anders als mit „SuedLink“ – dezentraler, bürgerbezogen, umweltfreundlicher!

Hintergrundinformationen zur Umweltzerstörung durch den Kalibergbau

Verpressung salzhaltiger Abwässer:

Gerstungen musste bisher schon drei seiner acht Trinkwasserbrunnen wegen Versalzung aufgeben und kämpft um den Fortbestand der eigenen kommunalen Trinkwasserversorgung. Um die Auswirkungen der Verpressung zu prüfen, muss allein in Hessen langfristig ein riesiges Gebiet von 847 km2 kontrolliert werden, in dem nach Angaben der HLNUG im Jahr 2014 immerhin 152 Wassergewinnungsanlagen und mindestens 98 Trinkwasserbrunnen lagen. Eine Gefährdung des Heilquellenschutzgebietes von Bad Hersfeld schließt die HLNUG (2017; 32) ausdrücklich nicht aus.

Ablehnung des Haldenwachstums:

Die bereits heute rund 200 Meter aufragende Halde „Hattorf" soll von 86 Hektar auf 166 Hektar erweitert werden (+ 80 ha; 62 ha Haldenfläche + 18 ha Fläche für Nebenanlagen). Rückstands­halden, auf denen die festen Abfallstoffe des Kalibergbaus deponiert werden, sind ökologische Ewigkeitslasten. Über mehr als 1.000 Jahre waschen Niederschläge Salz aus der Halde, wodurch das Grundwasser und die Werra massiv belastet werden. Dabei gelten die Regeln:

  • Je größer die Halde ist, desto größer ist die Salzwassermenge, die ausgewaschen wird und in die Werra gelangt.
  • Jede Abdeckung der Halde, auch eine Haldenbegrünung, verlängert die Standzeit der Halde. Wird die Halde zur Hälfte abgedeckt, verdoppelt sich ihre Standzeit.

Besonders problematisch: Für die Haldenerweiterung „Hattorf" fehlt bis heute der Nachweis der Standsicherheit. Ohne diesen Nachweis besteht das Risiko von Haldenrutschungen, bei denen die Entwässerungstechnik der Halde zerstört wird, so dass das Salzwasser nicht mehr kontrolliert abgefangen werden kann. Auch die Schwermetallaustritte unter dem Haldenkörper, die im Herbst 2016 bekannt wurden, werden nicht wirksam verhindert.

Hintergrundinformationen zur Stromautobahn „SuedLink“

Aktuell beginnt die „Bundesfachplanung" mit zahlreichen Veranstaltungen zur Bewertung der möglichen Leitungsführungen für zwei HGÜ (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung)- Leitungen, die als „SuedLink" bezeichnet werden. Der Bau dieser Leitungen und die gesamte Planung des Stromnetzausbaus werden abgelehnt. Der BUND hat in allen Verfahren zur Netzentwicklungsplanung umfassende Stellungnahmen und Vorschläge eingereicht.

Er hat dort gefordert,

  • dass die Berechnungsverfahren transparent offen gelegt werden,
  • der Bau dezentraler Kraftwerke oder andere Modelle des Strommarktes zur Minderung des Netzausbaus berücksichtigt werden,
  • erneuerbare Energie nicht als Strom sondern auch als Gas zu transportieren und
  • auch die regionalen Verteilnetze einzubeziehen.

Alles dies wurde von den Netzbetreibern und der Bundesnetzagentur abgelehnt. Dr. Werner Neumann, Mitglied im Landesvorstand und Energieexperte des BUND Hessen: „Fehler der Planung wurden nicht korrigiert, Vorschläge von den Netzbetreibern ignoriert und durch die Bundesnetzagentur nicht moniert. Die bisherigen Beschlüsse bieten keine ausreichende Grundlage für den Bau von „SuedLink", weder fachlich noch juristisch!”

Aktuelle Studien, z.B. von Universitätsinstituten (Uni Erlangen, Prognos AG) und dem VDE, bestätigen nun die Auffassungen, dass mit dezentralen, „zellularen" Ansätzen der Stromnetzausbau deutlich geringer ausfallen kann als beim derzeitigen Zentralansatz. Im weitest gehenden Fall ist der Verzicht auf alle (!) HGÜ-Leitungen möglich. Der aktuelle Netzausbau dient nicht dem Ausbau erneuerbarer Energien, sondern stützt den Weiterbetrieb inflexibler großer Kohlekraftwerke, die den Transport von Wind- und Solarstrom blockieren.

Die HGÜ-Leitungen sollen gemäß einer Entscheidung des Bundestags aufgrund von Protesten gegen die Realisierung als Freileitung nunmehr als Erdkabel umgesetzt werden. Zwar treten hier keine weitreichenden elektromagnetischen Felder und keine Risiken für Vögel auf. Doch auch die Erdkabel stellen erhebliche Beeinträchtigungen des Bodens, des Grundwassers, des Naturhaushalts und des Waldes dar.

Allein durch den Stopp von „SuedLink" könnten 10 Mrd. € eingespart werden, die sonst von den Stromkunden bezahlt werden müssten. Statt einer Energiewende mit Offshore-Windanlagen und HGÜ-Stromautobahnen in der Hand großer Konzerne und von Kapitalgesellschaften mit staatlicher Gewinngarantie, sind regionale Wirtschaftskreisläufe mit Energieerzeugung und sparsamer Energienutzung durch Bürgerenergiegesellschaften nötig!

BUND und BBgS plädieren für eine dezentrale, regional und kostengünstige Energiewende mit und für Bürgerinnen und Bürger sowie Kommunen und ihren Stadtwerken. Den Fortbestand und die Wiederherstellung der zentralistischen Energiewirtschaft in Händen von Großkonzernen lehnen BUND und BBgS ab.

Pressekontakt:

  • Michael Rothkegel, Geschäftsführer des BUND Hessen: 0151 120 68 590
  • Thomas Norgall stellv. Landesgeschäftsführer des BUND Hessen: 0170 227 72 381



Suche