25. April 2016

Schützen, sanieren, sparen / BUND legt Eckpunkte für den Leitbildprozess zur Wassernutzung vor

Leitbild Wassernutzung: Schützen, sanieren und sparen (Grafik: Niko Martin)

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert eine Korrektur in der Wasserpolitik des Landes Hessen. „Die Wasserpolitik des Landes Hessen muss sich künftig viel stärker an den grundlegenden Umweltaspekten orientieren, denn nur so kann auf Dauer sauberes Trinkwasser im Einklang mit der Natur und gesunden Wäldern gefördert werden“, meint Jörg Nitsch, Vorstandssprecher des BUND Hessen. Der vom Umweltministerium angestoßene, morgen beginnende Prozess, bei dem mit einer Vielzahl gesellschaftlicher Gruppen das „Leitbild für ein nachhaltiges Management der Wasserressourcen des Rhein-Main-Gebietes“ formuliert werden soll, kann nach Meinung des BUND eine wichtige Lücke in der hessischen Umweltpolitik schließen und muss die Fehler der Vergangenheit korrigieren.

Kritisch sieht der BUND die Vereinbarung „Ballungsraum Rhein-Main 2015-2045 – Initiative für eine sichere und nachhaltige Wasserversorgung“, die das Umweltministerium mit den Großstädten Wiesbaden, Frankfurt und Darmstadt sowie dem Wasserverband Hessisches Ried am 28.01.2016 unterzeichnet hat. BUND-Vorstandssprecher Jörg Nitsch: „Diese Vereinbarung engt den Blick noch zu sehr auf die Frage der Wasserversorgung ein und blendet die Fehler der Vergangenheit sowie die Notwendigkeit zur Sanierung der Schäden an der Natur und der Leitungsinfrastruktur weitgehend aus.“

Der BUND hat deshalb ein Eckpunkte-Papier für das neue Leitbild mit der Überschrift „schützen, sanieren, sparen“ und folgenden Inhalten beschlossen:

  • Schützen: Die Qualität der Wasserressourcen ist insbesondere vor chemischen Verschmutzungen landesweit zu schützen. Wegen der Vielzahl realer und potenzieller Belastungsfaktoren gilt dies für die Oberflächengewässer und das Grundwasser im Rhein-Main-Gebiet in besonderem Maße. Wir brauchen verstärkte Schutzbemühungen zur Vermeidung von Schadstoffeinträgen und einen Ausbau der Kläranlagen zur verbesserten Abwasserreinigung.
  • Sanieren: Die ökologischen Schäden der in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts politisch veranlassten Grundwasserabsenkungen im Hessischen Ried müssen endlich saniert werden. Hierzu müssen die Empfehlung des Runden Tisches zur Aufspiegelung des Grundwassers nach dem Konzept der Machbarkeitsstudie in den Aufspiegelungsgebieten 9.1, 9.2 und 9.3. im Jägersburger-Gernsheimer Wald sofort umgesetzt und der Grundwasserbewirtschaftungsplan Hessisches Ried mit dem Ziel der Waldgesundung durch Anpassung der relevanten Grenzgrundwasserstände fortgeschrieben werden. Heute verschmutze Trinkwasserbrunnen und ihre Einzugsbereiche müssen saniert und - dem Gesetzesauftrag zur ortsnahen Wasserversorgung folgend – reaktiviert werden. Die weitere Konzentration der Wassergewinnung in die Waldschadensgebiete im Hessischen Ried ist zu beenden.
  • Sparen: Wasser, insbesondere Trinkwasser ist das Lebensmittel Nr. 1 und muss sparsam bewirtschaftet werden. Der Klimawandel verstärkt diesen Auftrag. Die hessische Wasserpolitik ist derzeit auf eine reine Angebotspolitik reduziert. Demgegenüber hat mit Vorrang zu gelten: Die gewaltigen Rohrleitungsverluste von über 20 Millionen Kubikmetern im Jahr, die allein für den Bereich der Wasserbilanz Rhein-Main dokumentiert sind, müssen vorrangig beseitigt werden. Durch Wassereinsparprogramme kann der Wasserbedarf gesenkt, durch die „Brunnensanierung“ im gesamten Rhein-Main-Gebiet sowie eine verstärke Nutzung von Uferfiltrat entlang des Rheins, z. B. als Beregnungswasser für die Landwirtschaft, kann das Angebot an Trink- und Nutzwasser in Südhessen vergrößert werden. Dazu sind frühere Planungsüberlegungen wieder aufzugreifen. Wasserexport aus Mittelhessen ist unnötig und Mittelhessen ist auch nicht der problemlose „Durstlöscher“ für das Rhein-Main-Gebiet. Gleichzeitig dürfen sensible Naturräume hinsichtlich ihrer Beanspruchung für die Wasserversorgung nicht gegeneinander ausgespielt werden (Hessisches Ried, Vogelsberg, Burgwald).

Hinsichtlich der Finanzierung fordert der BUND eine strikte Ausrichtung am Verursacherprinzip und die Einführung einer Grundwasserabgabe.

Pressekontakt:

Thomas Norgall, stellv. Landesgeschäftsführer/Naturschutzreferent
0170 2277238