3. August 2015

BUND Hessen begrüßt den Wolfsmanagementplan / Schäfer nicht mit Problemen allein lassen – Bundesprogramm „Wiedervernetzung“ reaktivieren

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt den Wolfsmanagementplan, den die Hessische Umweltministerin Priska Hinz heute der Öffentlichkeit vorgestellt hat. BUND Naturschutzreferent Thomas Norgall: „Die Landesregierung setzt mit der Schaffung von Transparenz und Information die richtigen Akzente.“ Wichtig ist für den BUND, dass die Schäfer die angekündigte Beratung und Unterstützung tatsächlich erhalten, damit sie ihre Herden vor dem Wolf schützen können. „Herdenschutz muss eindeutig Vorrang vor der Diskussion um mögliche Probleme mit Nutztieren haben“, sagt Thomas Norgall vom BUND. Außerdem fordert der BUND eine Neuauflage des Bundesprogramms „Wiedervernetzung“, mit dem der Straßentod wildlebender Tiere vermindert wird.

Wölfe polarisieren. Während manche Menschen mit Sorge und Verunsicherung reagieren, sind andere fasziniert und freuen sich auf die natürliche Rückkehr des Wolfs nach Hessen. Dabei zeigen die Erfahrungen aus Bundesländern, in denen schon länger wieder Wölfe leben, dass Information und Aufklärung sowie eine gute Dokumentation des Auftretens und Verhaltens der Wölfe die Schlüsselrolle für den angemessenen Umgang mit diesem großen Beutegreifer einnehmen.

Der BUND lobt ausdrücklich, dass das Wolfsmanagement in Hessen „je nach Erkenntnisstand und Notwendigkeiten kontinuierlich weiterentwickelt werden soll“. BUND Naturschutzreferent Thomas Norgall: „Da der Wolf weit über 100 Jahre aus Hessen verschwunden war und sich die Situation seither deutlich geändert hat, werden wir mit Sicherheit noch neue Erfahrungen machen.“ Anders als früher ist der Tisch für den Wolf heute viel reichlicher gedeckt, denn gibt es in den Wäldern mehr Rehe und Hirsche als jemals zuvor. Andererseits gibt es heute durch unsere intensive Freizeitnutzung viel mehr Unruhe im Wald und außerhalb der Wälder ist der Wolf mit einem dichten Verkehrsnetz konfrontiert.

Die letzten Wölfe wurden in Hessen im Jahr 1841 erlegt. Erst ca. 170 Jahre später, etwa ab dem Jahr 2006, konnte im Reinhardswald nördlich von Kassel wieder ein einzelner Wolf bestätigt werden. Danach gelangten noch drei weitere sichere Nachweise des Wolfs. In allen drei Fällen wurden die Wölfe zu Verkehrsopfern. Nur einer von ihnen überlebte zunächst. Er wurde später aber von einem Jäher erschossen. Die beiden anderen Wölfe starben unmittelbar bei dem Unfall.

Zwei der drei aktuellen Nachweise erfolgten in der ersten Hälfte dieses Jahres und lösten einen kleinen Boom weiterer Meldungen aus, von denen aber keiner bestätigt werden konnte. Wann in Hessen wieder ein sicherer Nachweis oder ob vielleicht sogar die längere Ansiedlung eines Wolfpaares gelingt, kann niemand vorhersagen.

„Angesichts des dichten Straßennetzes und der hohen Verkehrszahlen, wird der Verkehrstot für den der Wolf in Hessen sicher auch in Zukunft die Todesursache Nr. 1 sein und eine dauerhafte Ansiedlung mindestens stark erschweren“, meint der BUND Naturschutzreferent Thomas Norgall. Der BUND fordert deshalb die Reaktivierung des Bundesprogramms „Wiedervernetzung“. Dieses Programm hatte die Bundesregierung 2012 zum Schutz der Autofahrer und der Wildtiere gestartet, um Verkehrsunfälle und den Straßentod von Wildtieren zu vermindern. Mittlerweile wurde das Programm aber eingestellt und die entsprechende Seite von der Hompage des Bundesumweltministeriums gelöscht, obwohl das Risiko des Wildunfalls sich ständig erhöht und der Verkehrstot nicht nur für den Wolf, sondern für viele Arten, wie Fledermäuse, Frösche und Kröten oder die seltene Wildkatze eine wachsende Bedrohung darstellt.

Quellen zum Wolf:

Quellen zum Bundesprogramm Wiedervernetzung:

Pressekontakt:

Thomas Norgall, stellv. Landesgeschäftsführer/Naturschutzreferent                    0170 2277238