29. Oktober 2013

Verhandlungen über eine Regierungskoalition in Hessen: BUND fordert deutliche Stärkung der Aktivitäten zum Schutz der Biologischen Vielfalt

BUND Hessen fordert Schutz der biologischen Vielfalt. (Grafik: Niko Martin)

Der hessische Landesverband des BUND (BUND Hessen) fordert von der zukünftigen Landesregierung eine deutliche Stärkung der Aktivitäten zum Schutz der biologischen Vielfalt in Hessen.

Herwig Winter, BUND-Vorstandssprecher: „Deutschland und Hessen haben sich zum Artenschutz verpflichtet. Die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen ist eine notwendige Voraussetzung für einen intakten Naturhaushalt. Diese über lange Zeiträume gewachsene Lebensgrundlage des Menschen ist jedoch durch die Folgen der intensiven und naturfremden Landnutzung sowie den Klimawandel beeinträchtigt.“

Nach Ansicht des BUND Hessen sind die Gründe für den Artenverlust auch in Hessen die Flächeninanspruchnahmen für Siedlungs- und Verkehrszwecke, die Intensivierung der Landwirtschaft mit hohem Biozid- und Düngereinsatz sowie flächendeckende Stoffeinträge.

Herwig Winter: „In Hessen starben in den letzten 200 Jahren mehr als 140 Pflanzenarten aus, Brutbestände wie die des bodenbrütenden Kiebitzes sanken in den letzten 30 Jahren um 85 Prozent. Die Feldhamsterpopulation geht ebenfalls drastisch zurück. Die ursprünglich in den Gewässern des Vogelsberges, der Rhön, des Spessarts und des Odenwaldes verbreitete Flussperlmuschel gilt inzwischen als ausgestorben. Edelkrebs und Äsche finden sich heute nur noch in wenigen Gewässern.“

Zum Schutz der Biologischen Vielfalt in Hessen fordert der BUND-Hessen konkret:

  • Die Erhöhung des Naturschutz-Haushaltes um 20 Mio €/Jahr,
  • eine deutliche finanzielle Stärkung der Stiftung Hessischer Naturschutz und eine Erweiterung ihrer Aktivitäten um operative Aufgaben,
  • die Wiederaufnahme der NSG-Ausweisung,
  • die Aktualisierung der Natura 2000-Verordnung,
  • eine aktive Begleitung der Ausweisung eines Biosphärenreservates (BSR) Rheingau/Wiesbaden,
  • die Wiedereinführung der Naturschutzbeiräte bei den Oberen Naturschutzbehörden,
  • eine Anbindung der Nationalparkverwaltung und der Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön an die Oberste Naturschutzbehörde,
  • die Novellierung des Waldgesetzes, um  10 % Prozessschutz auf der Staatswaldfläche zu erreichen, um ein Holzernteverbot in der Brut- und Setzzeit
  • durchzusetzen und den Staatswald nach den Kriterien des Forest Stewardship Councils  (FSC) zu zertifizieren.
  • eine grundlegende Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik mit dem Ziel, ökologischen Landbau auf 100% der landwirtschaftlichen Fläche zu betreiben.

Die nicht vermehrbare Ressource Boden ist Standort für wertvolle Biotope ebenso wie für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung, Böden sind wichtiger Bestandteil der wesentlichen Kreisläufe des Naturhaushaltes, wie Stoff-, Energie- und Wasserhaushalt der Ökosysteme und Böden haben aufgrund ihrer Filter- und Puffereigenschaften eine große Bedeutung insbesondere für den Schutz des Grundwassers und stellen wichtige Kohlenstoffspeicher dar.

Herwig Winter: „Die Rate des Flächenverbrauchs in Hessen für Straßen- und Flughafenbau, Gewerbe- und Wohnsiedlungsgebiete von derzeit 3,5 ha pro Tag muss schnellstmöglich auf null zurückgefahren werden. Das 2,5 ha - Ziel bis 2020 in der hessischen Nachhaltigkeitsstrategie ist völlig unzureichend.“

Der BUND Hessen erwartet, dass sich in der neu zu konstituierenden Landesregierung die Kräfte wiederfinden, die in der Lage und Willens sind, diese Forderungen konsequent umzusetzen.

Der komplette BUND Hessen-Forderungskatalog ist zu finden unter
http://www.bund-hessen.de/aktiv_werden/aktionen/landtagswahl_2013/

Rückfragen:

Herwig Winter, BUND-Vorstandssprecher, Tel. 06209 4353
Michael Rothkegel, BUND-Geschäftsführer, Tel. 069 67737612