26. Juli 2012

Novelle Wald-Gesetz: Mountainbikes können zum Problem werden / BUND sieht im Gesetzentwurf beim Waldbetretungsrecht Klarstellungsbedarf

BUND sieht im Gesetzentwurf beim Waldbetretungsrecht Klarstellungsbedarf

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht Probleme bei bestimmten Formen des Mountainbike-Fahrens. BUND Vorstandssprecher Otto Löwer: „Mountainbiker, die auf Fußwegen und Waldpfaden oder gar querfeldein fahren, beeinträchtigen die Tier- und Pflanzenwelt und gefährden andere Waldbesucher.“ Misslungen ist nach Meinung des BUND § 15 Abs. 4 Waldgesetz-Entwurf, in dem das Wandern und Spazierengehen kleiner Gruppen geregelt ist. „Der Gesetzestext muss unbedingt überarbeitet werden. Die jetzt enthaltene „Feudalregelung“, kann niemand ernsthaft unterstützen“, bemängelt Otto Löwer vom BUND.

Der BUND wünscht sich mehr Sachlichkeit in der Debatte um das Waldbetretungsrecht. Damit sich möglichst viele Menschen im Wald erholen können und die Wälder weiterhin Lebensraum möglichst vieler Tiere und Pflanzen bleiben, sind in unserem dicht besiedelten Land Regeln notwendig. Ökologisch wichtige Waldbereiche müssen von intensivem Erholungsverkehr verschont und die Sicherheit aller Erholungssuchenden muss gewahrt bleiben.

Das von der „Deutschen Initiative Mountainbike e.V.“ (DIMBI) unter dem Slogan „Open Trails“ propagierte Befahren schmaler unbefestigter Wege und Pfade ist ein Problem, weil es in der Praxis andere Waldbesucher von diesen Waldwegen verdrängt. „Wer zum Beispiel mit dem Mountainbike schnell auf schmalen Strecken bergab fahren will, der benötigt dafür spezielle, eigene Wege, weil er sonst andere Waldbesucher gefährdet“, meint BUND Sprecher Löwer. Aus Sicht des BUND ist es nicht richtig, einfach alle Fußwege und Waldpfade als „Single-Trails“ zu bezeichnen, so dass die große Zahl der Wanderer und Spaziergänger dort dadurch plötzlich wie Störer erscheinen.

Die vom DIMBI selbst geforderten Verhaltensregeln werden in der Praxis nach den Feststellungen des BUND viel zu wenig beachtet. Dort wo Radfahrer, Biker und Fußgänger sich begegnen, muss genügend Platz sein und es muss langsam gefahren werden. Würden die Regeln des DIMBI eingehalten, dann gäbe es die in der online-Petition der Mountainbike-Initiative angesprochen Unfälle und Konflikte nicht.

Für § 15 Abs. Waldgesetz-Entwurf schlägt der BUND statt der bisherigen Formulierung

„(4) Betreten mehrere Personen den Wald zur Verfolgung eines gemeinsamen Zweckes, steht ihnen das Betretungsrecht nur zu, wenn nach den örtlichen Gegebenheiten eine Beeinträchtigung des betroffenen Waldgebietes nicht zu erwarten ist.“

die folgende, neue Formulierung vor, damit die bisherige private Nutzung durch Wandergruppen möglich bleibt:

„(4) Für die Durchführung organisierter Veranstaltungen im Wald gilt das Betretungsrecht nur, wenn nach den örtlichen Gegebenheiten keine Beeinträchtigung des betroffenen Waldgebietes zu erwarten ist. Dies gilt insbesondere für Maßnahmen mit geringer Teilnehmerzahl, die zum Zwecke der Umweltbildung durchgeführt werden.“

Rückfragen beantwortet Ihnen:

Thomas Norgall, Naturschutzreferent des BUND Hessen
0170 2277238
thomas.norgall@bund.net