28. Dezember 2012

Bebauungsplan Vorderheide II: Stadt soll die Planung aufgeben und den Bauwilligen „reinen Wein einschenken“ / BUND: Vorderheide schützen statt bebauen

Rettet die Vorderheide

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht sich in seiner Ablehnung der Bebauung des Streuobstgebietes „Vorderheide“ in der Stadt Hofheim durch den Fund einer Fortpflanzungsstätte der seltenen Bechsteinfledermaus bestätigt. Der BUND fordert, dass die Stadt den B-Plan „Vorderheide II“ aufhebt, die Bebauungsabsicht aufgibt und sich endlich für den Schutz des Gebietes einsetzt. BUND-Naturschutzreferent Thomas Norgall: „Die Stadt sollte den Bauwilligen reinen Wein einschenken und zugeben, dass die Rodung des Streuobstbestandes nach dem Fund der seltenen Fledermäuse noch unwahrscheinlicher wird.“ Der von der Stadt aufgezeigte Lösungsweg führt nach Meinung des BUND in die Sackgasse. „Die mangelhafte Planung rächt sich nun. Die Befürworterinnen und Befürworter der Planung stehen vor einem Scherbenhaufen“, glaubt Thomas Norgall vom BUND.

Anders als die Stadt ist der BUND nicht überrascht, dass in dem wertvollen Streuobstbestand Bechsteinfledermäuse vorkommen, denn die jagenden Tiere wurden schon vor Jahren festgestellt. „Doch dann hat man lieber nicht genauer nachgesehen und einfach behauptet, dass die Bechsteinfledermäuse dort nur ausnahmsweise herumgeflogen wären“, weiß der BUND-Naturschutzreferent. Es sei auch nicht ungewöhnlich, dass Bechsteinfledermäuse alte Streuobstbestände zur Fortpflanzung besiedeln. Der BUND habe diesen Verdacht deshalb auch als Argument gegen die Bebauung vorgetragen. Die meisten Kolonien finde man zwar im Wald, doch werden auch große Streuobstflächen besiedelt. Bei der Vorderheide seien die Bedingungen für Fledermäuse besonders günstig, da der Streuobstbestand an einen alten Laubwald grenze. Ein Umzug der ausgesprochen standorttreuen Tiere in den benachbarten Wald sei extrem unwahrscheinlich.  „Wenn eine Kolonie in einer Höhle erfolgreich Jungtiere großgezogen hat, gibt es für sie keinen Grund diesen guten Platz aufzugeben“, erläutert Thomas Norgall vom BUND. Für die von der Stadt Hofheim angestrebete Aufwertung des angrenzenden Waldes werden in der Literatur Zeiträume von 10 und mehr Jahren diskutiert. Doch niemand weiß, ob die Nutzungseinstellung von Wäldern Bechsteinfledermäuse wirklich zum Umzug veranlasst. Die ausgeprägte Standorttreue und die geringe Fortpflanzungsrate sind auch der Grund dafür, warum die Bechsteinfledermaus die Verluste von Lebensraum, Quartieren oder Individuen nur sehr schwer ausgleichen kann.  Aus der Sicht des BUND ist deshalb überhaupt nicht absehbar, wann und ob die Bechsteinfledermäuse die Vorderheide jemals als Fortpflanzungsstätte aufgeben werden.

Der von der Stadt aufgezeigte Lösungsweg führt nach Meinung des BUND auch deshalb in die Sackgasse, weil nun ganz neue Probleme entstehen. So ist das Konzept der Großbaumverpflanzung nun ebenfalls gescheitert. „Wir haben schon immer bestritten, dass die alten Obstbäume die Verpflanzung überleben werden. Doch nun ist das Konzept gänzlich gescheitert, denn nach einem zweiten so massiven Rückschnitt werden die Hochstämme ziemlich sicher schnell absterben.“, glaubt Thomas Norgall vom BUND.

Der rund 11 Hektar große Bebauungsplan „Vorderheide II“ würde einen der ökologisch wertvollsten Streuobstbestände Hessens zerstören, in dem bisher rund 200 Tierarten festgestellt wurden, von denen 13 Arten landesweit bedroht sind. Die Idee zur Bebauung der ökologisch wertvollen Vorderheide war schon falsch. Dann wurde mangelhaft geplant, weil niemand den Naturschutz ernst nahm. Diesen leichtfertigen Umgang mit der Natur hat der BUND mit seiner Klage und der Unterstützung des Vereins Lebenswertes Hofheim e.V. gestoppt. Nun gerät das ganze Planungskonzept nun aus den Fuge und die Kosten steigen unaufhörlich.

Rückfragen beantwortet Ihnen:

Thomas Norgall, Naturschutzreferent des BUND Hessen              0170 2277238