23. August 2012

Walderhaltung durch Grundwassersanierung / Läuft der Runde Tisch ins Leere? BUND fordert Moratorium in den laufenden Wasserrechtsverfahren

Bild des sich auflösenden Ried-Waldes (Foto: Henner Gonnermann)

Bild des sich auflösenden Ried-Waldes (Foto: Henner Gonnermann)

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist besorgt, dass  der morgen erstmals tagende Runde Tisch zur Walderhaltung durch Grundwassersanierung ins Leere läuft. BUND Vorstandsmitglied Jörg Nitsch: „Seit bekannt ist, dass der Runde Tisch eingerichtet wird, schafft das Regierungspräsidium Fakten zu Lasten des Waldes.“ Der BUND fordert deshalb, dass die Landesregierung diese Entwicklung stoppt. „Entweder es wird sofort ein Moratorium in den wasserrechtlichen Verfahren erlassen oder alle Bemühungen am Runden Tisch werden ins Leere laufen.“ Der Runde Tisch soll verhindern, dass im Hessischen Ried weit über 10.000 Hektar ökologisch hochwertiger Wälder durch die unveränderte Fortsetzung der Grundwasserentnahme absterben.

Für den BUND ist die Einrichtung des Runden Tisches „Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried“ ein Meilenstein der Hessischen Umweltpolitik. Keine Landeregierung hat die Konfliktlösung bisher so klar auf die Tagesordnung gesetzt wie die jetzige. „Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) hat hier Mut bewiesen und sich nicht weggedrückt“, meint BUND Vorstandsmitglied Jörg Nitsch. Doch nur wenn sofort ein Moratorium erlassen wird und keine weiteren wasserrechtlichen Bescheide ergehen, sieht der BUND noch den Raum für effektive Beratungen am Runden Tisch. Denn es wäre ein Widerspruch, wenn am Runden Tisch beraten wird, wie die langjährige, für den Wald verheerende Praxis der Grundwasserentnahme durch eine ökologische Optimierung ersetzt werden kann,  während der  Regierungspräsident in Darmstadt Fakten schafft, in dem die bisherigen Mißstände durch  einen Bescheid nach dem anderen für die kommenden 30 Jahre festgeschrieben werden.

  • Alarmiert hat den BUND vor allem die aktuelle Entscheidung zur Grundwasserentnahme des Wasserwerks Eschollbrücken. Das Regierungspräsidium Darmstadt hat hier der Hessenwasser AG am 31.07.2012 eine Genehmigung zur Grundwasserentnahme mit der ungewöhnlich langen Laufzeit von 30 Jahren erteilt. Die erlaubte Entnahmemenge von 20 Millionen Kubikmetern pro Jahr ist gewaltig.
  • Bereits für die nächste Woche hat das Regierungspräsidium zur Erörterung eines weiteren Genehmigungsantrags eingeladen. Verhandelt wird am 29.08.2012 über die Erweiterung der Grundwasserförderung des Wasserwerkes Jägersburg auf über 21 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr. Das wäre eine Steigerung um fast 20 %. Betroffen wären von der Entnahme immerhin acht verschiedene europäische Naturschutzgebiete, insbesondere das FFH-Gebiet „Jägersburger und Gernsheimer Wald“ und das Vogelschutzgebiet „Jägersburger/Gernsheimer Wald“.
  • Außer den Genehmigungen zur Entnahme erhielt der BUND Hessen auch die Information von zwei neuen Genehmigungen zur Infiltration von Rheinwasser. Am 04.07.2012 trat ein Änderungsbescheid zugunsten des Wasserverbandes Hessisches Ried für den Gernsheimer Wald in Kraft, der eine Laufzeit von ebenfalls 30 Jahren hat.  Der bereits 2008 erlassene Bescheid erhielt eine deutlich längere Laufzeit. Nebenbestimmungen zur Umweltbeobachtung und zum Umweltschutz wurden gestrichen.
  • Eine weitere Entscheidung zur Infiltration in den Jägersburger Wald über 12,7 Millionen Kubikmeter pro Jahr war bereits am 05.04.2012 ergangen.

Der BUND Hessen hatte im vergangenen Jahr erneut auf das Problem der absterbenden Wälder im Ried aufmerksam gemacht. Er befürwortet eine verstärkte Infiltration, damit die Bäume wieder Grundwasseranschluss erhalten. Dort wo es erforderlich ist müssen die Ortslagen durch Pumpengalerien gesichert werden. Die Machbarkeit dieser Technik wurde in einer Studie des Hessischen Umweltministeriums nachgewiesen, die noch nicht veröffentlicht ist. Sie wurde beispielhaft bereits für das Baugebiet „Im Teich“ in der Gemeinde Nauheim im Kreis Groß-Gerau umgesetzt.

Hintergrundinformationen finden Sie auf unserer Hompage:

http://www.bund-hessen.de/themen_und_projekte/wasser/hessisches_ried/

Rückfragen beantwortet Ihnen

Thomas Norgall, Naturschutzreferent des BUND Hessen        0170 2277238